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Wohnen in Frankfurt „Krasse Augenwischerei“

Ein Besuch im Haus Adalbertstraße 11, dessen Mietern die Stadt Frankfurt gegen Luxussanierung nicht half.

Adalbertstraße 11
Der Umbau ist im Haus Adalbertstraße 11 schon im vollen Gange. Die Stadt hilft den Bewohnern nicht. Foto: Christoph Boeckheler

Das Treppenhaus der Adalbertstraße 11 wird saniert, Folien schützen die grünen Holzvertäfelungen. Es raschelt leise, wenn man an ihnen vorbeiläuft. Auch die Treppenstufen sind einzeln abgedeckt. Arbeiter sind keine mehr zu sehen an diesem Abend unter der Woche. Ruhe ist trotzdem noch nicht eingekehrt im gründerzeitlichen Altbau in Bockenheim: Seine Mieterinnen und Mieter haben sich in einer der acht Wohnungen versammelt – schon zum siebten Mal.

Noch immer ist ihr Unverständnis groß. Wie berichtet, hatte eine Investmentgesellschaft das Haus gekauft. Kurze Zeit später die erste Anzeige auf einem Immobilienportal: Zweieinhalb Zimmer sollen jetzt 1500 Euro kalt kosten – eine Mietsteigerung von 24 Prozent. Kein Wunder, dass die Angst vor steigenden Mieten und langfristiger Verdrängung da ist.

Die Bewohner kritisieren vor allem die Stadt. Sie hätte nach ihrer Meinung dem Investor zuvor- kommen können, denn für das Gebiet rund um das Haus gilt eine Milieuschutzsatzung. Auf deren Grundlage hätte die Kommune per Vorkaufsrecht das Haus erwerben oder mit einer Abwendungserklärung bestimmte Luxusmodernisierungen untersagen können.

Hat sie aber nicht. Von „krasser Augenwischerei“ ist deshalb bei den Mietern die Rede. Es ist ihr erstes Treffen mit der Gewissheit, dass die Stadt nicht handeln wird. Begründung: Die Mieten lägen schon jetzt über dem Niveau des Mietspiegels, das Milieu des Hauses sei deshalb nicht mehr schützenswert.

Seine Bewohner sehen das anders. Der FR liegt ihre E-Mail an den Liegenschaftsdezernenten Jan Schneider (CDU) vor. Darin wundern sie sich, wie das ihm unterstellte Amt für Bau- und Immobilienaufgaben ihre eigenen Mieten mit dem Mietspiegel vergleichen kann, ohne die Wohnungen gesehen zu haben. Schließlich hängt die ortsübliche Vergleichsmiete, die sich mit Hilfe des Mietspiegels berechnen lässt, beispielsweise auch von der Badausstattung ab. „Also wenn, dann sollte man den Mietspiegel richtig anwenden“, sagt eine Mieterin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Nach Kalkulation der Hausbewohner liegen ihre Mieten „weitgehend innerhalb oder nur knapp oberhalb des örtlichen Mietspiegels“. 

Generell müsse die Stadt endlich handeln, um dem „nachvollziehbaren Investorenverhalten“ einen Riegel vorzuschieben, sagt eine andere Bewohnerin. „Nur weil ein Investor auf einem Aktienmarkt kein Geld mehr verdient, wollen wir nicht mehr zahlen.“ Die Kommune agiere zu zögerlich, was den Milieuschutz angehe: „Nichts zu tun ist eben rechtssicherer als etwas zu tun.“

Ein Vorwurf, den man den Mietern der Adalbertstraße 11 nicht machen kann. Schon Anfang August, als es erste Anzeichen für einen möglichen Hausverkauf gab, wandten sie sich mit der Bitte um Milieuschutz an die Stadt. Trotz Nachfragen erhielten sie monatelang keine Antwort. Erst Anfang November erfuhren sie aus der Presse, dass die Stadt untätig bleibt. Dafür mussten sie aktiv an die Öffentlichkeit gehen, haben vor dem Ortsbeirat und städtischen Hauptausschuss ihr Anliegen vorgrtragen. Mehrere Zeitungen und auch das Fernsehen berichteten.

Von einzelnen Medien haben sich die Bewohner zu stark als Opfer dargestellt gefühlt. „Das war schon sehr überspitzt“, sagt eine Mieterin, „wir sind nicht die, die auf die Straße gesetzt werden.“ Marie-Lena Barth, die ebenfalls im Haus wohnt, pflichtet ihr bei: „Das ist genau der Punkt, wir sind jetzt nicht so die krass prekäre Schicht.“ Im Gegensatz zu anderen hätten sie jedoch die Möglichkeit, Öffentlichkeit herzustellen und sich zu wehren.

Für ihr Zuhause, die Adalbertstraße 11, haben sie ihr Ziel trotzdem nicht erreicht. Kein städtischer Vorkauf, keine Abwendungserklärung: Was nun? Die Bewohner wollen auf jeden Fall weitermachen – wenn nicht für sich selbst, dann für andere. Denn eins ist Barth klar: „Dieses Haus wird den Mietspiegel heben“, es drohe ein „Dominoeffekt“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Wohnen in Frankfurt

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