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Wohnen in Frankfurt Kampf gegen die neuen Wohngebiete

Protest gegen neue Wohngebiete: Immer mehr Frankfurter lehnen die von der Stadt geplanten Quartiere ab. Bürgerinitiativen haben regen Zulauf.

Auf den Streuobstwiesen in Bonames soll ein neues Wohnquartier entstehen. Foto: Christoph Boeckheler

Er hält mit seinem Ärger nicht hinterm Berg. Christoph Schmidt-Lunau hat schon vor mehr als einem Dutzend Jahren gegen ein zu großes Neubaugebiet Bonames-Ost gekämpft. Für den Erhalt von Kleingärten und Streuobstwiesen, dem „Rückzugsgebiet von Steinkäuzen und Waldohreulen“. Damals „hatten wir mit den Politikern im Römer einen Kompromiss erzielt – doch der wird jetzt torpediert“. Für den Vorsitzenden der Siedlervereinigung Bonames ist das „ein Skandal“. Statt der im Jahr 2002 mit den Menschen vor Ort ausgehandelten 1200 neuen Wohnungen wolle die Stadt das neue Quartier nun auf 2000 Unterkünfte „aufblasen“. Von 100 Kleingärten müssten 50 wegfallen: „Das ist einfach zu viel.“

Bonames-Ost ist nur ein Brennpunkt des Widerstands gegen die von der Stadt geplanten neuen Wohngebiete. 15 neue Flächen in Frankfurt will Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) so schnell wie möglich entwickeln. Doch überall stößt er auf Protest von Bürgerinitiativen. Auch in Preungesheim, wo An der Wolfsweide 104 Dauerkleingärten für 450 neue Wohnungen geopfert werden sollen. Gerd Lauer, einer der Sprecher des Kleingartenvereins, erzählt, dass es An der Wolfsweide „schon vor dem Zweiten Weltkrieg Kleingärten“ gab.

Ein lange Tradition also, mit die Stadt jetzt breche. Das wollten die Gärtner nicht hinnehmen. Gerade weil im Frankfurter Osten schon viel Grün für neue Verkehrswege geopfert worden seien: „Allein 350 Kleingärten wurden seinerzeit für den Ausbau der Autobahn A661 plattgemacht.“ Lauer wirft insbesondere OB Peter Feldmann (SPD) Willkür vor: „Der geht mit der Gießkanne übers Land und erfindet neue Wohngebiete.“

Matthias Mehl, Frankfurter Kreislandwirt, ist froh darüber, dass er gerade ein vom Oberbürgermeister vorgeschlagenes neues Wohnquartier zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach erfolgreich abwehren konnte. Angesichts des breiten Widerstands aus Bevölkerung und Politik hatte der OB vergangene Woche diese Idee zurückgezogen.

Verzweifelter Kampf

Dennoch kämpfen die verbliebenen rund 90 landwirtschaftlichen Betriebe in Frankfurt einen verzweifelten Kampf für den Erhalt ihrer 3700 Hektar bewirtschafteter Fläche, noch 15 Prozent des Stadtgebiets. Besonders verärgert ist Mehl über die Ankündigung des Chefs der städtischen Wohnungs-Holding ABG, Frank Junker, brachliegende Ackerflächen für Wohnungsbau nutzen zu wollen. „Es gibt überhaupt keine brachliegende landwirtschaftliche Fläche“, hält CDU-Mitglied Mehl dagegen.

Zugleich sagt der Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach: „Wir sind nicht blauäugig.“ Die Landwirte wüssten wohl um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt. Aber: „Die Politiker dürfen es sich nicht zu einfach machen.“ Ihn ärgert, dass die Politik „riesige Schrott-Immobilien“ wie das ehemalige Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage jahrelang leerstehen lasse, statt dort Wohnungen zu entwickeln.

15 neue Wohngebiete in Frankfurt, das bedeute: „Es wird weiter an der landwirtschaftlichen Fläche gesägt.“ Dabei nimmt es der Kreislandwirt „der schwarz-grünen Römer-Koalition durchaus ab, dass sie mit sich ringt, was eine nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet“. Aber wenn zum Beispiel das neue Baugebiet Bonames-Ost komme, werde der letzte Landwirt im Stadtteil dort stark gefährdet.

Christoph Schmidt-Lunau hat in Bonames mit anderen die Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Bonames“ gegründet. Zur Gründungsversammlung Ende 2013 kamen spontan „mehr als 200 Leute“. Das Motto der BI: „Gegen grün-rot-schwarze Bauwut und Planungswillkür.“

Dabei legt Schmidt-Lunau Wert auf die Feststellung, dass man keineswegs grundsätzlich neue Wohnungen vor Ort ablehne. Nur falle das neue Wohnquartier jetzt zu groß aus. So solle eine „kleine, kümmerliche Randstraße“ künftig den Verkehr aus dem Wohngebiet aufnehmen. Jeder im Stadtteil wisse: Das ende im Chaos.

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