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Wohnen in Frankfurt Jagd auf neue Wohngebiete

Frankfurt und Wiesbaden gründen eine gemeinsame Gesellschaft, um in der Rhein-Main-Region dringend benötigte Flächen für den Wohnungsbau zu schaffen. Das Land Hessen plant das Gleiche.

Wohnen in Frankfurt
Viele Menschen wollen in Frankfurt leben, doch der Wohnraum ist knapp. Foto: Arne Dedert (dpa)

Für den Oberbürgermeister ist es schlicht „ein sehr schöner Tag“: Die Stadt Frankfurt und die Landeshauptstadt Wiesbaden haben eine gemeinsame Gesellschaft gegründet – mit dem einzigen Ziel, in der Rhein-Main-Region dringend benötigte Flächen für den Wohnungsbau zu mobilisieren. Peter Feldmann legt Zahlen des Regionalverbands vor: 2100 Hektar Reservegrundstücke können demnach im Rhein-Main-Gebiet noch für 92 000 neue Wohnungen entwickelt werden. Genau das soll die neue Entwicklungsgesellschaft Metropolregion Rhein-Main (EGM) jetzt tun.

Alles könnte also wunderbar sein, würde nicht das Land Hessen mit seiner Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte genau das Gleiche planen. Auch die Landesregierung will eine Entwicklungsgesellschaft für das Wohnen gründen – auf den ersten Blick eine klassische Doppelstruktur.

Frank Junker, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsholding ABG, übt denn auch offene Kritik am Land und an Wohnungsministerin Priska Hinz (Grüne): „Ich hätte es schöner gefunden, wenn man Kompetenzen bündelt.“ Er gebe aber die Hoffnung nicht auf, so Junker, „dass man mit dem Land wieder zusammenkommen kann“.

OB Feldmann dagegen sucht das Positive und freut sich über „zwei Zugpferde“, die jetzt das gleiche Ziel verfolgten. Als Erstes werde die neue EGM jetzt mit dem Land „zügig“ zu einer „Absprache über Gebiete“ kommen – damit man nicht in den gleichen Gemeinden und Kreisen Wohnungsbauflächen jage. Der Oberbürgermeister verspricht den Menschen: „Wir werden sehr eng zusammenarbeiten.“

„Es gibt räumlich genug Arbeit für alle“, beruhigt Roland Stöcklin, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden. Er versichert: „Es geht nicht um eine Konkurrenzveranstaltung.“

Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) berichtet über die Lage in der Landeshauptstadt, die ebenso wie Frankfurt wachse, wenn auch langsamer. 2007 zählte Wiesbaden 277 000 Einwohner, derzeit sind es 285 000.

Die Stadt Wiesbaden hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 jährlich 1200 Wohnungen zu errichten. Dafür brauche man dringend geeignete Baugrundstücke. Zusätzlich verschärft werde die Situation durch den Zustrom von mehr als 1600 Flüchtlingen im Jahr in die Landeshauptstadt.

ABG-Manager Junker nimmt wie stets kein Blatt vor den Mund und zeigt sich offen unzufrieden über die bisherigen gemeinsamen Anstrengungen der Region für den Wohnungsbau. „Es passiert leider wenig“, urteilt er. Zwar baue die ABG schon in Friedberg und Offenbach, Mörfelden-Walldorf und Sulzbach, doch das reiche nicht. Bis zum Jahr 2020 brauche die Region allein 34 000 zusätzliche Wohnungen.

OB Feldmann bleibt für das Positive zuständig. „Das Bevölkerungswachstum in der Region ist ungebrochen“, urteilt er und fügt hinzu: „Viele andere Regionen würden gerne mit uns tauschen.“

Wo die neue EGM denn jetzt gemeinsam bauen will, verrieten die Politiker nicht. Wenn da Einzelheiten bekannt würden, so Goßmann, treibe das nur die Grundstückspreise in die Höhe. Auch zeitlich legten sich die Akteure nicht auf die Fertigstellung erster Wohnungen fest.

Die Gesellschaft übernimmt die städtebauliche Planung der neuen Quartiere. Sie begleitet die Projekte bis zur Baureife und kümmert sich auch um die Erschließung der Wohngebiete. Für die Steuerzahler beruhigend: Neues Personal wird nicht eingestellt. Die ABG aus Frankfurt und die Wiesbadener Stadtentwicklungsgesellschaft SEG wollen die Aufgabe mit dem vorhandenen Personal bewältigen.

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