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Wohnen in Frankfurt „Die ABG sollte nur geförderte Wohnungen bauen“

Mieteraktivist Boedecker spricht über das freifinanzierte Projekt in Oberrad, unsolide Planungen und München als Vorbild.

Handwerker
Ein Handwerker bei der Arbeit (Symbolfoto). Foto: Oliver Berg (dpa)

Michael Boedecker (68) engagiert sich bei der Nachbarschaftsinitiative Nordend-Bornheim-Ostend (NBO) gegen die Vertreibung von Mietern.

Herr Boedecker, in Oberrad baut die ABG in einem Modellprojekt freifinanzierte Wohnungen, die für zehn Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen. Was halten Sie davon?
Es gibt in Frankfurt Mieter, die sich das leisten können. Meiner Meinung nach ist es aber nicht die Aufgabe der ABG, als städtischer Wohnungsgesellschaft, in erster Linie für den freien Markt zu bauen. Sie sollte, wie das auch ihren Ursprüngen entspricht, in erster Linie Wohnungen für diejenigen bauen, die die größten Schwierigkeiten am Frankfurter Wohnungsmarkt haben, Menschen mit niedrigen oder auch mittleren Einkommen, die sich diese Mieten nicht leisten können.

Ist es nicht trotzdem sinnvoll, dass die ABG versucht, auch freifinanzierte Wohnungen günstiger zu errichten?
Natürlich ist es besser, wenn die ABG für zehn Euro, statt für 13, 14 oder 15 Euro pro Quadratmeter baut. Wenn sie das kann, müsste das aber auch jedes andere Unternehmen können. Da es in Frankfurt nur begrenzt Bauland gibt und die Kapazitäten der ABG begrenzt sind, sollte sich diese auf den Bau geförderter Wohnungen konzentrieren.

Die ABG hat angekündigt, bis 2021 gut 10 000 Wohnungen zu errichten oder im Bau zu haben, davon 40 Prozent gefördert, also Sozial- oder Mittelstandswohnungen. Ist sie damit auf dem richtigen Weg?
Die ABG hat schon früher Fertigstellungszahlen angekündigt, die sich als nicht tragfähig erwiesen haben. 2012 hieß es etwa, man werde von 2013 bis 2017 4000 Wohnungen bauen. Doch von diesen waren Ende 2016 nur 1802 fertig, also weniger als die Hälfte. Im Schnitt der vergangenen Jahre hat die ABG 400 bis 500 Wohnungen fertiggestellt. Ich frage mich, wie ihr nun gelingen soll, 2000 Wohnungen im Jahr zu bauen. Da stimmt etwas nicht. Dahinter kann keine solide Planung stehen.

Ist es aus Ihrer Sicht denn wenigstens ein vernünftiges Ziel, 4000 geförderte Wohnungen zu bauen?
Meiner Meinung nach wäre es möglich, dass die ABG mindestens 1000 sozial geförderte Wohnungen pro Jahr baut – also deutlich mehr als 4000 geförderte Wohnungen in fünf Jahren. Das gelingt auch den beiden Münchner Wohnungsbaugesellschaften zusammen, die gemeinsam so groß wie die ABG sind. Nur setzt das voraus, dass die Fördermittel der Stadt mindestens verdoppelt werden. 45 Millionen Euro im Jahr reichen nicht aus.

OB Peter Feldmann (SPD) hat das Ziel ausgegeben, dass die ABG zur Hälfte geförderte Wohnungen bauen soll. Was fordern Sie, 100 Prozent?
Ja. Aber die Voraussetzung dafür ist eben, dass es auch die entsprechenden Fördermittel gibt. Wenn die ABG zu einem größeren Prozentsatz geförderte Wohnungen bauen soll, muss die Stadt zudem etwa durch Einlagen das Eigenkapital der Gesellschaft erhöhen oder ihr kostenlos Grundstücke übertragen. In München sieht man, dass das geht. Man muss es nur wollen.

Künftig sollen Sozialwohnungen erst nach 30, statt nach 20 Jahren aus der Bindung fallen.
Das wäre natürlich besser. Eigentlich notwendig wäre es aber, zu den Ursprüngen zurückzukehren. Eine einmal geförderte Wohnung sollte so lang wie möglich sozial gebunden bleiben.

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