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Wohnen in Frankfurt Chance für urbanen Mix

Eine Baurechtsnovelle könnte nicht nur Frankfurt neue Möglichkeiten für die Mischung von Wohnen und Arbeiten bieten. Auch das umstrittene Innovationsquartier könnte als urbanes Gebiet ausgewiesen werden.

Schön urban finden viele die Berger Straße in Frankfurt. Dabei zählen die Viertel, durch die sie führt, zu den am dichtesten bebauten in der Stadt. Foto: ROLF OESER

Die vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Möglichkeit, dass Kommunen „urbane Gebiete“ ausweisen können, in denen eine höhere Verdichtung und mehr Lärm, vor allem aber eine weitergehende Mischung von Wohnen und Arbeiten möglich sind, stößt in Frankfurt wie auf Landesebene auf vorwiegend positive Reaktionen. Noch müssen Bundestag und Bundesrat den Gesetzentwurf beschließen; so besteht die Möglichkeit, dass der von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eingebrachte Gesetzentwurf mindestens noch verändert wird. Sieghard Pawlik etwa, wohnungspolitischer Sprecher der SPD im Frankfurter Römer, wirbt aber schon jetzt dafür, die Möglichkeiten, die der neue Typ von Baugebiet den Kommunen bieten soll, auch zu nutzen.

Die Ausweisung urbaner Gebiete helfe dabei, die strikte Trennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit zu überwinden, sagt der Sozialdemokrat. Früher sei die Industrie laut und dreckig gewesen, heute sei es in vielen Fällen möglich, dass Gewerbe und Wohnen wieder auf engsten Raum nebeneinander bestehen können. Das mache Stadtviertel lebendig und spare den Bewohnern Wege und Zeit.

Pawlik lobt im Gespräch mit der FR, dass in urbanen Gebieten eine höhere bauliche Dichte zulässig sein soll. Angebote für die Menschen, Läden, Lokale, Freizeitmöglichkeiten entstünden schließlich vor allem da, wo die Dichte hoch ist. Wenn man dichter baue, müsse man zudem weniger Flächen versiegeln, um die in Frankfurt so dringend benötigten neuen Wohnungen zu errichten, hinterlasse also einen kleineren ökologischen Fußabdruck.

Seit Jahren verfolgt die städtische Planungspolitik das Ziel, die funktionale Trennung der Stadt zu vermindern. In der Bürostadt Niederrad etwa entstehen Wohnungen für Tausende Menschen. Auch Bankenviertel und Innenstadt sollen lebendiger werden. Große Bürokomplexe sind durch vielfältiger genutzte Areale ersetzt worden, die Erdgeschosse oder Sockelgebäude von Hochhäusern werden zunehmend öffentlich genutzt. In Nähe der Commerzbank-Zentrale entsteht der Omniturm, das erste Hochhaus dieser Größe in Frankfurt, in dem Wohnungen und Büros Platz finden.

Entsprechend hält auch Martin Hunscher, Leiter des städtischen Planungsamts, eine erleichterte Nutzungsmischung für das Interessanteste am Urbanen Gebiet. Helfen könne diese neue Baugebietskategorie etwa bei der Gestaltung von im Umbruch befindlichen Gewerbearealen wie An der Au in Rödelheim oder im Westen der Gutleutstraße, sagt er im Gespräch mit der FR.

Auch das sogenannte Innovationsquartier, das im Nordend entstehen soll, könnte nach Vorstellungen Pawliks und Hunschers als urbanes Gebiet entwickelt werden. Wenn man dort Arbeiten und Wohnen verbinden wolle, müsse man dafür Sorge tragen, dass tragfähige gewerbliche Nutzungen entstehen, etwa Manufakturen und andere kleine Produktionsbetriebe, sagt Hunscher. Leicht sei es nicht, in neuen Gebieten eine gründerzeitliche Mischung zu schaffen. Das räumt auch der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG, Frank Junker, ein. Längst baut diese zwar große Mietblocks, in deren Erdgeschossen Supermärkte, kleinere Läden, Kitas Platz finden. Auch Werkstätten zu schaffen, etwa für Schreiner oder Maler, hält Junker zwar gerade im Innovationsquartier für interessant. Man müsse zunächst aber, etwa mit der Industrie- und Handelskammer und der Wirtschaftsförderung, den Bedarf ermitteln.

Junker warnt davor, sich zuviel von dem neuen Baugebietstypus zu erhoffen. Er hält es zwar für sinnvoll, dass die nach seiner Ansicht zum Teil überzogenen Schallschutzanforderungen für Wohnungsbau etwas reduziert werden sollen. Dass bald massenhaft Wohnungen an bisher als unbebaubar geltenden Stellen entstehen, glaubt Junker allerdings nicht. Die ABG werde weiterhin keine temporären Bauten und keine Schlichtwohnungen errichten und keine Areale bebauen, die etwa wegen Lärm und Dreck so unattraktiv sind, dass nur eine bestimmte Klientel, die sonst partout nichts finde, einziehe.

Auch das Hessische Umweltministerium geht davon aus, dass die geplanten Änderungen nur in begrenztem Umfang mehr Wohnraum entstehen lassen. Trotzdem hält es die Schaffung des neuen Gebietstyps für grundsätzlich sinnvoll. Er könne etwa die Mischung der Funktionen Wohnen, Arbeiten und Versorgen erleichtern und so einen Beitrag zur Innenentwicklung leisten, heißt es. Änderungen fordert das Ministerium beim zulässigen Lärm. Die bisher vorgesehenen Werte seien mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Gesundheitsschutz nur schwer vereinbar, heißt es auf Anfrage der FR.

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