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Wohnen in Frankfurt CDU will keinen „sozialen Brennpunkt“

2000 Wohnungen sollen in Frankfurt am Römerhof entstehen. Doch ein Streit in der Römer-Koalition blockiert das Bauvorhaben. Es geht dabei um den Anteil öffentlich geförderter Wohnungen.

Wohnungen
Viel Platz: Hier sollen die neuen Wohnungen entstehen. Foto: Andreas Arnold

Wo heute noch Autos zugelassen werden, sollen so schnell wie möglich 2000 Wohnungen errichtet werden. Es ist eines der größten Wohnungsbauprojekte in der Stadt Frankfurt. Doch der städtische Bebauungsplan für das riesige Gelände der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), Am Römerhof 19, ist blockiert. In der Römer-Koalition streiten CDU und Sozialdemokraten um den Anteil öffentlich geförderter Wohnungen auf dem 18 Hektar großen Areal.

Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) und die Sozialdemokraten zielen auf 40 Prozent preiswerter Wohnungen. Die CDU im Römer beharrt darauf, dass nur 30 Prozent verwirklicht werden. Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionschef im Römer: „Wir wollen nicht, dass dort ein sozialer Brennpunkt entsteht.“

Eigentlich sollte das Stadtparlament jetzt endlich den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen. Doch es gebe noch „Gesprächsbedarf“ in der Koalition, so zurückhaltend formuliert es Josefs Sprecher Mark Gellert, der zu politischen Auseinandersetzungen keine Auskunft geben möchte.

Freier kann Frank Junker sprechen, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsholding ABG. Sie soll die 2000 Unterkünfte auf dem Grundstück Am Römerhof verwirklichen. „Wir gehen von einem Anteil von 40 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen aus – so sehen es jedenfalls unsere Pläne vor“, sagt Junker offen.

„Die CDU bleibt bei 30 Prozent“, kontert zu Löwenstein. Diese Zahl finde sich im Vertrag der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen. Auch viele andere deutsche Städte orientierten sich derzeit an einem Prozentsatz von 30 Prozent. „Wir warten jetzt auf einen Vorschlag von Herrn Josef“, ergänzt der CDU-Politiker mit einem gewissen Ingrimm.

Eigentlich sollte das riesige Areal Am Römerhof im Westen der Stadt bald eine Antwort geben auf den Mangel an preiswertem Wohnraum. Doch nach einer raschen Realisierung sieht es derzeit nicht aus. „Die größte Herausforderung ist es, den Betriebshof der Verkehrsgesellschaft Frankfurt auf dem Gelände zu verlagern“, sagt ABG-Geschäftsführer Junker. Hier zeichne sich jetzt tatsächlich eine Lösung ab. „Wir haben ein geeignetes Grundstück in Frankfurt gefunden.“ Mehr möchte der Manager aber noch nicht verraten, da die Lösung noch nicht vertraglich fixiert sei.

Eine andere wichtige Frage ist: Wohin mit dem Feldbahn-Museum, das derzeit noch auf dem Areal am Römerhof beheimatet und bei vielen Menschen beliebt ist? Stand jetzt: Die Feldbahnen würden in das künftige Wohnviertel integriert, so Geschäftsführer Junker. Von den 18 Hektar Gesamtfläche sollen insgesamt nur elf Hektar für Wohngebäude reserviert werden. Sieben Hektar bleiben für Grün- und Freiflächen, darunter eben das Feldbahn-Museum.

Junker wartet mit gewisser Ungeduld darauf, dass die streitenden Politiker in der Römer-Koalition sich einigen. Der Weg zum Wohnviertel wäre auch dann noch lang. Um die städtebauliche Gestalt des neuen Quartiers zu bestimmen, sollten mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben werden, so sagt es Mark Gellert, der Sprecher des Wohnungsdezernats.

Stadtrat Josef stützt sich dabei auf einen besonders qualifizierten Berater: auf den Frankfurter Architekten und Planer Christoph Mäckler und das von ihm gegründete Deutsche Institut für Stadtbaukunst. Mäckler hatte die Kommune bereits an anderer wichtiger Stelle beraten: Er war seit 2009 Vorsitzender des Gestaltungsbeirats für die neue Frankfurter Altstadt zwischen Dom und Römer.

Die Fachleute des Stadtplanungsamts und des Instituts für Stadtbaukunst haben sich bereits zu einem ersten gemeinsamen Workshop getroffen, um den neuen Stadtteil vorzubereiten. Schon in der neuen Altstadt hatte Mäckler besonderen Wert auf die Gestaltung des öffentlichen Raums, auf die Ausformung von Plätzen und Passagen gelegt. Doch wann die Wohnungen am Römerhof begonnen werden können, will angesichts des Koalitionsstreits derzeit niemand prophezeien.

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