Lade Inhalte...

Wohnen in Frankfurt Bürgerinitiative will keinen Wohnkomplex

Ein 16,6 Hektar großes Areal im Frankfurter Nordend soll einem Wohnkomplex weichen. Anwohner setzen sich für den Erhalt der grünen Lunge ein.

Großes Mausohr
Eine Großes Mausohr Fledermaus: Im Nordend sind Fledermäuse heimisch - doch das Areal soll einem Wohnkomplex weichen. Foto: epd

„Wir sind heute hier, weil man im Stadtteil bald nicht mehr atmen kann“, sagt Dorothea Behnke. Sie weist mit der Hand in Richtung der „Grünen Lunge“. Das 16,6 Hektar große Areal im Nordend soll einem Wohnkomplex weichen. Behnke ist Mitglied der Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der Grünfläche einsetzt.

Trotz des Regens haben sich am Donnerstagabend eine Handvoll Interessierte am Ende der Wetteraustraße eingefunden. Die Gruppe wartet auf den Beginn der „Fledermaussafari“ – einer von vielen Aktionen der Initiative. „Erst wenn die Vögel sich mit dem Einsetzen der Dämmerung zurückziehen, werden die Fledermäuse aktiv“, erklärt Peter Beckmann, Leiter der Führung.

Einmal im Monat lädt er zu einer solchen Fledermausbeobachtung in die „Grüne Lunge“ ein. Beckmann ist Pächter eines Gartenstücks in der Anlage. Er berichtet von Familien, die ihre Parzelle über drei Generationen weitergegeben haben. „Wir sind aber kein Kleingartenverein“, betont er. „Die Gärten können freier gestaltet werden und sind ökologisch wertvoller.“

Mit ihren Rundgängen will die Initiative dieses Konzept vorstellen. Die rund 50 Mitglieder setzen sich zusammen aus Anwohnern, Umweltschützern und Pächtern. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass dies das letzte Paradies in Frankfurt und somit schützenswert ist“, sagt Behnke.

Mit der Taschenlampe schreitet Beckmann voran ins Herz der Anlage. Es dämmert. Die erste Fledermaus huscht vorüber. Auf schmalen Pfaden geht es entlang der Gärten, die zu großen Teilen der Stadt gehören und deren Pachtverträge leicht kündbar sind. Bis Ende des Jahres soll das Bauprojekt durchgesetzt werden. 300 verpachtete Parzellen wären davon betroffen. Dabei bestehe eine hohe Nachfrage an solchen Gärten. „Es gibt sogar eine Warteliste“, sagt Beckmann.

Weiter geht es in Richtung Wasserpark. Die Fledermäuse sind nun deutlicher zu hören. Beckmann trägt einen Ultraschalldetektor bei sich, der das Echo der Fledermäuse für das menschliche Ohr übersetzt. „Das sind die Jagdschreie“, erklärt er. Die nützlichen Flugwesen befinden sich auf der Suche nach Insekten. Mehrere Tausend pro Nacht kann ein einziges Tier fressen. Doch die Fledermäuse schwinden, einige Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Stadt setze sich einerseits dafür ein, neue Fledermäuse in Frankfurt anzusiedeln, erzählt Beckmann, andererseits wolle sie Areale mit Fledermaushöhlen wie die „Grüne Lunge“ bebauen. Drei Fledermausarten fühlen sich in der „Grünen Lunge“ heimisch: Zwergfledermäuse, Kleine und Große Abendsegler.

Ein „Innovationsquartier“ mit 1500 Wohnungen soll auf der Gartenanlage entstehen, die seit nunmehr 125 Jahren als solche genutzt wird. Das würde auch die Stadtimkerei im Wasserpark und die angrenzenden Kleingartenvereine beeinträchtigen. 10 000 Unterschriften für den Erhalt der Anlage zwischen Günthersburgpark, Friedberger Landstraße und Wasserpark konnten mit Aktionen wie der „Fledermaussafari“ bereits gesammelt werden.

„Das Nordend ist der am dichtesten bebaute Stadtteil in Frankfurt. Bald gibt es hier nur noch Beton und Stahl“ – noch während Beckmann dies sagt, schlägt der Detektor an. Einzelne Tiere fliegen dicht über den Köpfen der Gruppe hinweg. „Zwergfledermäuse“, weiß Beckmann. Es beginnt zu regnen. Die Fledermäuse fliegen davon. Am Horizont ziehen Wolken vorüber, geben purpurfarbenen Himmel frei. „Wildromantisch“, sagt Behnke. „Noch“, ergänzt eine Gruppenteilnehmerin leise.

Das nächste offene Treffen der Initiative „Grüne Lunge“ findet kommenden Dienstag um 19 Uhr in der Wartburggemeinde in der Hartmann-Ibach-Straße 108 statt. Weitere Infost: www.gruene-lunge-am-guenthersburgpark.de.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum