Studierende in Frankfurt Veganer, hochintelligenter Kletterer gesucht

Studierende, die in Frankfurt ein WG-Zimmer suchen, müssen sich oft hohen Anforderungen stellen. Besonders beliebt sind hochintelligente Studentinnen, die gut anpacken können.

Wohnen in Frankfurt
Wer Glück hat, findet seinen WG-Platz über das Schwarze Brett. Fotograf: Imago

Weiblich soll sie sein und im Haushalt mitanpacken. Aber auch hochintelligent, damit er sich mit ihr auf einer Ebene unterhalten könne. Klingt wie eine Partneranzeige aus den 50ern, ist aber in Wirklichkeit ein Eintrag auf dem Internetportal WG-Gesucht. Ein Frankfurter Student sucht hier nach einer neuen Mitbewohnerin, mit der er die Miete für seine Wohnung teilen kann.

„WG-Plätze in Frankfurt sind knapp. Wer einen Mitbewohner sucht, kann also hohe Ansprüche stellen“, sagt Eric Erdmann, Leiter der Abteilung Wohnen im Studentenwerk Frankfurt. Anzeigen, in denen nach tüchtigen, hochintelligenten Frauen gesucht werden, sind also nicht nur eine Kuriosität. Politische Einstellung, Essgewohnheiten, Freizeitgestaltung – wer einen Mitbewohner sucht, überlässt nichts dem Zufall. Wird ein WG-Zimmer frei, stellen die meisten Anbieter eine Anzeige auf der Seite WG-Gesucht, die nach eigenen Angaben das europaweit größte Vermittlungs-Portal von WG-Zimmern ist. Nutzer können dort ihre WG-Angebote mithilfe von Filtern sehr genau definieren und so zum Beispiel klarstellen, dass sie „keine Zweck-WG“ sind und „vegetarisch/vegan“.

„Für ein harmonisches WG-Leben ist entscheidend, dass die Bewohner zusammenpassen“, sagt Annegret Müllbaier, Pressesprecherin von WG-Gesucht. Daher sei es sinnvoll, dass WG-Anbieter genaue Anforderungen an ihre Mitbewohner stellen. Das Feedback an WG-Gesucht zeige, dass die Filterfunktion Sinn ergebe: Neun von zehn Mitbewohnern würden auch nach dem Auszug den Kontakt miteinander halten.

Studieren in Frankfurt
Wohnen in Frankfurt Studentenbuden verzweifelt gesucht

Studierende, die in Frankfurt eine Bleibe suchen, haben ein Problem. Es gibt viel zu wenige Wohnheimplätze in der Stadt. Und die privaten Mikroapartments, die überall entstehen, sind zu teuer.

Doch was ist mit denen, die einfach nur billig in Frankfurt wohnen wollen? „Diese hohen Anforderungen an künftige Mitbewohner sind absurd“, sagt Malena Große, Theaterregiestudentin an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Nachdem sie sich auf Anzeigen gemeldet habe, sei sie auf sogenannte WG-Castings eingeladen worden. Dort sei sie von ihren potenziellen künftigen Mitbewohnern ausgefragt worden. „Ich habe ihnen das geantwortet, von dem ich dachte, dass sie es hören wollen. Mir war es egal, mit wem ich in einer WG lebe, ich wollte nur endlich eine billige Wohnung“, sagt Große. Einmal habe sie sogar behauptet, sie lebe vegan. „Selbst den Aufnahmetest für mein Studium zu bestehen fiel mir leichter als die WG-Suche.“

Frankfurt ist laut Angaben von WG-Gesucht die zweitteuerste Stadt für Wohngemeinschaften. 420 Euro kostet ein WG-Zimmer im Durchschnitt, alle drei Minuten wird eine neue Anzeige auf dem WG-Portal inseriert. Auf ein WG-Zimmer bewerben sich oft mehrere Hundert Interessenten. „400 Anzeigen durchzulesen ist ziemlich anstrengend“, sagt Alba Neder. Die Studentin sucht sich derzeit eine Gruppe zusammen, mit der sie eine Wohnung suchen und teilen will. Ihr Hauptkriterium für Bewerber: Es muss ein Kletterer sein. „Dann haben wir ein gemeinsames Interesse. Außerdem sind Kletterer eher lockere Menschen“, sagt Neder. Sie wolle keinen Mitbewohner, der mit ihr nur eine Wohnung teilt, weil das billiger ist.