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Stadtentwicklung in Frankfurt „Wir müssen den Grüngürtel noch ausweiten“

Grünen-Fraktionschef Stock warnt im FR-Interview vor einer Bebauung des Pfingstbergs und vor einem neuen Gewerbegebiet bei Kalbach.

Manuel Stock
Manuel Stock (36) ist Fraktionschef und Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Frankfurter Stadtparlament. Foto: Andreas Arnold

Manuel Stock (36) ist Fraktionschef und Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Frankfurter Stadtparlament.    

Herr Stock, entspricht der Entwurf des integrierten Stadtentwicklungskonzepts, der jetzt öffentlich geworden ist, Ihren Vorstellungen?
Die Grundfrage des vom früheren Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) aufgesetzten Prozesses war, wie wir angesichts des starken Bevölkerungswachstums mit den Zielkonflikten in einer wachsen Stadt umgehen. Wir brauchen Flächen für Wohnraum, öffentliche Infrastruktur, die Industrie, aber auch für mehr Grün. Am Ende soll eine Entwicklungsstrategie stehen. Im Entwurf ist vieles richtig. Einiges geht aber gar nicht. Es wird sich noch was ändern müssen.

Der Entwurf nennt außer den Flächen im Nordwesten der Stadt an der A5 den Pfingstberg und das Rebstockgelände als mögliche Flächen für neue Stadtteile. Was halten Sie davon?
Die Koalition hat sich in einem Abwägungsprozess auf das Gebiet westlich und östlich der A5 als Areal für einen neuen Stadtteil geeinigt. Auf dem Pfingstberg einen neuen Stadtteil zu entwickeln, ist mit uns nicht zu machen. Wir müssen die Stadt vom Stadtklima her denken. Aus dem Norden kommen die mächtigen Wetterauwinde. An dieser Stelle zu bauen, würde das Klima in ganz Frankfurt belasten. Außerdem ist der Pfingstberg weder an S- noch U-Bahn angebunden. Für den Römerhof steigen wir gerade in die Bauleitplanung ein. Eine weitergehende Entwicklung dort müsste man sich genauer ansehen. Dort ist Grüngürtel. Und der ist grundsätzlich vor Bebauung geschützt.

Die Koalition hat sich verständigt, den Pfingstberg nicht zu entwickeln. Das Konzept aber soll über die kommenden Jahre hinaus Perspektiven aufzeigen. Für Sie ist der Pfingstberg nicht mal perspektivisch ein mögliches Baugebiet?
Es gibt wichtige ökologische Argumente gegen die Bebauung, die auch in Jahren noch gelten. Uns ist auch sehr wichtig, dass wir den Grüngürtel, gerade wenn neue Flächen versiegelt werden, noch ausweiten. Wir müssen uns darauf verständigen, wo der Grüngürtel jetzt wachsen kann.

Das Konzept nennt auch Gebiete, die nachverdichtet werden könnten und Flächen, an denen vorhandene Stadtteile weitergebaut werden könnten. Haben Sie damit weniger Schwierigkeiten?
Es darf nicht darum gehen, den letzten Hinterhof zu bebauen. Das wäre ökologisch unsinnig. Die Pläne zur Platensiedlung in Ginnheim zeigen aber, dass wir in einer Siedlung neuen bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität verbessern können. Sie sollten als Musterbeispiel für die Verdichtung ähnlicher Siedlungen dienen.

Nicht nur die Entwicklung neuer Wohngebiete auf dem Acker, auch Nachverdichtung stößt immer wieder auf Widerstand. Wie realistisch ist da das Ziel, bis 2030 rund 60 000 neue Wohnungen in Frankfurt zu schaffen?
Die Frage muss immer sein, ob eine Bebauung auch ökologisch vertretbar ist, ob sie etwa nicht die Frischluftzufuhr verhindert. Es ist aber richtig, sich eine solche Zielmarke zu setzen.

Was genau haben Sie gegen den Vorschlag, zwischen Kalbach und Nieder-Eschbach ein neues Gewerbegebiet zu schaffen?
Die Fläche ist Teil des Grüngürtelparks, der, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, nach und nach unter die Grüngürtelsatzung gestellt werden soll. Da irritiert es uns, dass dieses Gebiet nun im Entwurf als mögliche Gewerbefläche auftaucht. Bei dem Areal handelt es sich zudem um einen Erholungsraum, der ökologische Qualitäten hat. Über diesen Punkt werden wir in der Koalition diskutieren müssen.

Reicht es Ihrer Ansicht nach aus, die vorhandenen Gewerbeflächen besser auszunutzen?
Wir haben uns auf die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebiets mit Maintal verständigt. Dazu stehen wir auch. Der Masterplan Industrie hat aufgezeigt, dass es in den bestehenden Gewerbegebieten noch großes Potenzial gibt. Bevor wir über neue Flächenversiegelung reden, müssen wir die bestehenden Areale attraktiver machen, sie auslasten. Ein erster Schritt ist das nachhaltige Gewerbegebiet Fechenheim/Seckbach.

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