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Stadtentwicklung in Frankfurt „Stadtpolitiker brauchen Haltung“

Der Frankfurter Architekt Forster spricht im FR-Interview über exhibitionistische Gebäude, mangelnde Qualität beim Bauen und den fehlenden Mut der Politiker, sich mit Investoren anzulegen.

Stadtentwicklung in Frankfurt
Die neue Bebauung auf dem früheren Rundschau-Gelände: für Architekt Forster ohne jeden Bezug zu ihrer Umgebung. Foto: Christoph Boeckheler

Herr Forster, worüber sprechen wir, wenn wir von architektonischer Qualität reden? 
Zunächst ist es von entscheidender Bedeutung, wie sich das Gebäude gegenüber dem umgebenden Stadtraum verhält. Das zweite ist die Bauausführung. Bei vielen Neubauten in Frankfurt ist zum Beispiel der Gebäudesockel in Wärmedämmverbundsystem ausgeführt – dem billigsten Fassadenmaterial auf dem Markt. Schon nach kurzer Zeit ist dieser Sockel beschädigt und das ganze Haus wirkt dadurch schäbig. Wir brauchen stattdessen robuste Materialien, welche dem Gebäude eine bestimmte Wertigkeit geben. In der Regel bietet sich für die Sockelausführung einfach Stein in Form von Vollklinker oder Naturstein an. 

Wir haben den Eindruck, dass die Architektur vieler moderner Gebäude in Frankfurt gar keinen Bezug zu ihrer Umgebung besitzt.
Ein Gebäude muss mit seinem Umfeld in Kontakt treten. Das kritisiere ich zum Beispiel an der neuen Bebauung auf dem alten Rundschau-Gelände am Eschenheimer Turm. Der Bezug zur Umgebung fehlt völlig. Der Bau ist autistisch. Der Architekt folgt hier lediglich den Wünschen des Bauherrn, der sich aufsehenerregende Architektur wünscht, um dadurch seinen Ertrag zu steigern. Man kann hier durchaus von einem Zwang zum Exhibitionismus sprechen. 

So entsteht eine gewisse Showarchitektur, oder?
Alles muss eben möglichst extravagant um die Ecke kommen. Derzeit ist der Markt gerade für Wohnimmobilien allerdings so angespannt, dass sich alles, unabhängig von der Qualität, vermietet. Hauptsache vier Wände und es regnet nicht rein. Für die Architekten wird es in diesem Zusammenhang immer schwerer, einen Bauherrn von einer bestimmten Qualität zu überzeugen. Warum soll er ein Gebäude mit einer Steinfassade bauen, wo es sich in einfacher Ausführung genauso gut verkaufen lässt? 

Bei den Bürogebäuden sieht aber vieles sehr austauschbar, sehr ähnlich aus. Die immer gleichen Lochfassaden mit den rechteckig hohen Fenstern. 
Hadi Teherani mit seinem Entwurf auf dem Rundschau-Gelände ist ein Beispiel für eine exponierte Lage, wo man auffallen will. Die Lage impliziert schon automatisch einen bestimmten Mietpreis. Grundsätzlich sind die Bauflächen gerade in Frankfurt aufgrund der Knappheit extrem teuer geworden. Das bedeutet aber in der Kalkulation des Bauherren: Für Qualität in der Architektur bleibt dann am Ende kein Geld. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich die schlechte Qualität der Neubauten. 

Was bedeutet das für die Architekten, wenn für Qualität in der Architektur kein Geld mehr übrig ist? 
Die Bauherren haben eine bestimmte Gewinnerwartung, wenn sie ein Projekt angehen, sie liegt in der Regel bei circa 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. So entstehen dann auch die Mieten von 15 bis 20 Euro pro Quadratmeter und eben diese schlechte Architektur, die Sie überall sehen. 

Investoren kaufen ja auch teuer und müssen deshalb so viel Bruttogeschossfläche wie möglich in ein Gebäude pressen. 
Es ist aus ökonomischen Gründen logisch, dass die Bauherren auf ihren teuren Grundstücken möglichst viel Wohnfläche unterbringen möchten. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt, neben der Festlegung der maximalen Grundstücksausnutzung, auch Qualitätsansprüche an die Architektur der neuen Gebäude stellen würde. 

Nehmen wir doch mal die geplante Bebauung des Hilgenfeldes bei Bonames. Da hat die Stadt ja immerhin einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben.
Dieser Wettbewerb ist Unsinn, das können Sie ruhig so schreiben. Das Problem sind die Maßstäbe, mit denen hier gemessen wird. Da werden als positive Beispiele zwei Projekte aus der Schweiz ausgestellt, die gehen von Quadratmeterpreisen von 3500 Euro beim Bau aus. Das ist nicht vergleichbar mit der Situation in Deutschland. Von uns wird die Hälfte dieser Baukosten eingefordert. Man vergleicht hier einen Skoda mit der Mercedes-S-Klasse. Nehmen wir als Beispiel die Aufstockung der Siedlung in der Platenstraße, mit der ich beauftragt bin. Da hieß es: Die Parkplätze der neuen Häuser müssen in Tiefgaragen nachgewiesen werden. Das verteuert aber die Mietpreise für die Wohnungen. Bei einem der ausgewählten Wettbewerbsbeiträge sind bestehende Stellplätze auf einem überbauten Parkplatz magisch verschwunden. 

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