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Soziale Verantwortung eingefordert Ein Theater statt Wohnungen

Der Investor des geplanten Büroturms an der Neuen Mainzer Straße muss keinerlei Ausgleich durch Wohnungen schaffen. Ist das in Ordnung?

Bauarbeiter
Ein Bauarbeiter. (Symbolfoto). Foto: Arnold

Um Frankfurts jüngsten Büroturm, ein geplantes 195 Meter hohes Hochhaus an der Neuen Mainzer Straße, ist ein heftiger Streit entbrannt. Der Verein „Mieter helfen Mietern“ wirft der Stadt vor, das Projekt „unter Missachtung ihrer sozialen Verantwortung an einen Großinvestor zu verschenken“.

Der Grund: Der Grundstücksbesitzer, die Hessische Landesbank (Helaba), muss für das lukrative Bürogebäude keinerlei Ausgleich durch Wohnungen schaffen. Jürgen Lutz, der Geschäftsführer des Vereins „Mieter helfen Mietern“, ging noch von 90 Wohnungen als Ausgleich aus. Das sei angesichts des Wohnungsmangels in Frankfurt aber viel zu wenig: „Um 1500 neue Arbeitsplätze auszugleichen, müssen zumindest mehr als 500 neue Wohnungen entstehen.“

Doch tatsächlich ist die Helaba als Grundstücksbesitzer sogar von jeder Ausgleichsverpflichtung befreit. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) erklärte im Gespräch mit der FR, für das Bauvorhaben existiere ein städtebaulicher Vertrag aus dem Jahr 2002 zwischen der Stadt und dem Vorbesitzer, der Frankfurter Sparkasse. Diesen Kontrakt hatte der damalige Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) ausgehandelt. Laut Josef sah er den Bau von 53 Wohnungen vor.

Diese Unterkünfte sind längst errichtet worden – als Eigentumswohnungen am Westhafen. Der Bebauungsplan ist rechtskräftig. Die Helaba muss also nichts mehr tun.

Kulturelle Nutzung vorgesehen

„Das ist das politische Erbe, mit dem ich umgehen muss“, sagte Planungsdezernent Josef. Er verwies aber auf die Zusage der Helaba, auf dem Grundstück des Büroturmes eine „große kulturelle Nutzung“ zu schaffen. Dem Vernehmen nach ist im Gespräch, das English Theatre dort unterzubringen.

Diese englischsprachige Bühne residiert gegenwärtig im Gallileo-Hochhaus, an der Ecke von Gallusanlage und Kaiserstraße. Josef sagte, die an der Neuen Mainzer Straße für die Kultur vorgesehene Fläche habe er mit der Helaba „nachverhandelt“.

Der Planungsdezernent verteidigte insgesamt den Bau des fast 200 Meter hohen Büroturmes. Es entstehe eine öffentliche Passage, die längs durch das Grundstück führe, so dass die Passanten wie in der Verlängerung der Neuen Mainzer Straße nach Norden gehen könnten.

Auch der Entwurf für das Hochhaus, für den der Frankfurter Architekt Jürgen Engel verantwortlich zeichnet, sei „gelungen“, urteilte der Stadtrat. Engel hatte als Sieger eines Wettbewerbes im Jahr 2001 zwei schlanke, leicht gegeneinander versetzte Türme entworfen.

Die städtischen Planer sind insgesamt zufrieden, dass auf dem Grundstück an der Neuen Mainzer Straße endlich etwas geschieht. Der Standort stammt noch aus dem ersten städtischen Hochhaus-Rahmenplan aus dem Jahr 1998. Es waren aber stets wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die verhinderten, dass das Millionenprojekt realisiert wurde.

Mit der Bankenkrise des Jahres 2008 wurde das Bauvorhaben damals endgültig zurückgestellt. Jetzt erwarb die Helaba das Grundstück, um es doch noch zu entwickeln.

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