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Romantik-Museum Abschied vom Buchhändlerhaus

Der Abriss des Buchhändlerhauses am Großen Hirschgraben beginnt. Damit fällt in der Frankfurter Innenstadt erneut ein markantes Gebäude aus der Nachkriegszeit. Bis 2019 soll auf dem Areal das neue Romantik-Museum entstehen.

Der Innenhof des alten Buchhändlerhauses: lange gibt es diesen Anblick nicht mehr. Foto: Andreas Arnold

Auf dem Briefkasten in der Wand lässt sich noch die Adresse „Buchhändlerhaus“ entziffern. Doch der alte Haupteingang zum Gebäude, in dem seit 1956 der Börsenverein des Deutschen Buchhandels arbeitete, ist verrammelt. Über und über bedecken bunte Werbeplakate für Parties und Disco-Abende die Tür. Alle Fensterläden des leerstehenden Hauses sind herabgelassen. Baustellenschilder signalisieren: Am Großen Hirschgraben steht ein städtebaulicher Umbruch an. In dieser Woche haben offiziell die Abrissarbeiten begonnen: Anstelle des Doppelgebäudes Großer Hirschgraben 19-21 soll hier bis zum Frühjahr 2019 das Deutsche Romantik-Museum entstehen.

In der jüngeren Stadtgeschichte geht ein Kapitel zu Ende. Am 17. August 1955, das zeigen die alten Akten der städtischen ABG Holding, stellte die städtische Frankfurter Aufbau AG (FAAG) Bauantrag im Römer für das Bürohaus, das jetzt abgerissen wird. Es war, so sagt ABG-Chef Frank Junker, von Anfang an für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Mieter gedacht. Entworfen wurde das Haus der Nachkriegs-Moderne mit seinen charakteristischen langen Fluren seinerzeit vom Frankfurter Architekten Wilhelm Massing.

Bis Februar 2012 residierte der Börsenverein mit seinen Mitarbeitern hier, dann zog man ins neue Haus des Buches an der Braubachstraße um. Die letzten Jahre zuvor im alten Domizil gerieten schwierig: Das Gebäude verfiel doch zunehmend und es regnete herein – auch mal ins Büro des damaligen Vorstehers Gottfried Honnefelder.

Im Februar 2013 besetzte die Schülergruppe „Recess“ das leerstehende Buchhändlerhaus – aus Protest gegen die Räumung des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI) im Westend. Nach einem Tag ließ die ABG die „Recess“-Besetzung damals von der Polizei beenden – die Schüler veranstalteten da gerade einen Lesekreis zum „Verhältnis von Kunst und Utopie bei Theodor W. Adorno“. Durch die Toreinfahrt des Doppelhauses 19-21 führt der Weg, wie ein Schild besagt, noch zum „Cantate-Saal im Buchhändlerhaus“.

Dieser Ort hat Zukunft: Nach langem Kampf bleibt der Cantate-Saal Jahrzehnte als Spielort des Frankfurter Volkstheaters erhalten und wird renoviert. Das Volkstheater aber ist untergegangen – an seine Stelle wird ab 2019 die „Fliegende Volksbühne“ von Michael Quast treten, die von 2013 bis Anfang 2015 hier schon einmal unterkam.

Eine Zeit des Umbruchs am Großen Hirschgraben. Plakate appellieren schon an die Passanten: „Bauen Sie mit uns das Deutsche Romantik-Museum, Spenden sie jetzt!“ Und ein Stück weiter lässt Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Goethehauses, den Dichter Novalis (1772-1801) zitieren: „Die Welt muss romantisiert werden.“

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