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Philosophicum Initiative kauft Philosophicum

Das alternative Wohnmodell erhält den Zuschlag für das Philosophicum. Die private Projektgruppe zahlt für das leerstehende Gebäude 6,1 Millionen Euro. Das ist weniger als zwei private Investoren angeboten hatten.

Erst sollte das Philosophicum verschwinden, jetzt wird es zum Zuhause für rund 150 Menschen.

Das jahrelange Ringen ist entschieden: Das denkmalgeschützte Philosophicum in Bockenheim geht an die private Projektgruppe, die dort ein alternatives Wohnmodell verwirklichen will. Am Montagnachmittag gaben die städtische ABG Holding als Eigentümer und die Initiative ihre Einigung bekannt.

Für netto 6,1 Millionen Euro wechselt das leerstehende Bauwerk nach dem Entwurf des Architekten Ferdinand Kramer den Besitzer. Die beiden privaten Investoren, die zuletzt mitgeboten hatten, spielen offenbar keine Rolle mehr. Und das, obwohl sie 7,1 Millionen Euro beziehungsweise 7,8 Millionen Euro in die Waagschale geworfen hatten.

ABG Holding und Projektgruppe haben vereinbart, bis zum 30. Juni den notariellen Kaufvertrag zu schließen. "Weitere Fristverlängerungen wird es nicht mehr geben", versichert ABG-Chef Frank Junker. Die Projektgruppe werde "in den verbleibenden Wochen die Finanzierung sicherstellen". Die Initiative hatte zuletzt fünf Millionen Euro geboten.

Mit der Einigung wird der Weg frei für ein ganz besonderes Wohnmodell. Geplant ist im Philosophicum, Gräfstraße 74/76, Wohnraum für 150 Menschen, darunter zur Hälfte Sozialwohnungsberechtigte. Außerdem sollen eine Kita, ein Café, ein Quartiersbüro und ein Archiv zu Leben und Werk von Ferdinand Kramer entstehen. "Damit haben wir nach zwei Jahren die Diskussion über die Zukunft des Philosophicums gemeinsam zu Ende gebracht", sagte Anette Mönich für die Projektgruppe. Sie sprach davon, zur Finanzierung "weitere Partner ins Boot zu holen".

Man hat sich aufeinander zubewegt

"Wir müssen eine Verhandlungslösung suchen, die vom gegenseitigen Aufeinanderzugehen geprägt ist, sonst kommt man nicht zum Ende", so ABG-Chef Junker. Der Manager hatte lange Zeit für einen Abbruch des denkmalgeschützten Gebäudes plädiert und argumentiert, es lasse sich wirtschaftlich nicht erhalten und umbauen. Junker lobte die von gegenseitigem Vertrauen geprägte Verhandlungsatmosphäre.

Im Rathaus herrschte allgemeine Zufriedenheit. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der ABG ist, begrüßte die Einigung. "Frankfurt steht zu seinem Wort: Gemeinschaftliches, selbstverwaltetes Wohnen wird ermöglicht." Das Stadtoberhaupt lobte die "Kreativität, den Einsatz die Entschlossenheit der engagierten Bürger um Anette Mönich", aber auch die "flexible Verhandlungsführung der ABG".

Der OB sprach von einem Beitrag, "damit in Bockenheim bezahlbares Wohnen möglich bleibt". Der Vorschlag, im Philosophicum eine Kita zu gründen, habe dem Projekt noch einmal "richtig Rückenwind gegeben".

Feldmann forderte das Land auf, "endlich den Weg freizumachen", damit auch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf dem Kulturcampus zum Zuge komme. "Es ist eine Entscheidung angekündigt, es wird auch langsam Zeit", so der Sozialdemokrat. Erst dann könne die Stadt das Projekt weiter vorantreiben. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) sprach von einer "bedeutenden Weichenstellung für die Weiterentwicklung des Kulturcampus". Dem gemeinschaftlichen Wohnen, das ihm sehr am Herzen liege, werde in besonderer Weise Rechnung getragen. Aber auch dem Denkmalschutz: "Hier war es mir wichtig, im ganzen Verfahren den Denkmalschutzbehörden den Rücken zu stärken."

Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen im Römer, zeigte sich "sehr, sehr glücklich". Die schwarz-grüne Koalition habe "den Weg zu einer Lösung aufgezeigt". Beide Seiten hätten sich am Ende aufeinanderzubewegt. SPD-Chef Mike Josef sagte: "Peter Feldmann hat Wort gehalten, auf dem Kulturcampus ist Platz für gemeinschaftliches Wohnen."

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