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Philosophicum in Frankfurt Wohnen auf der Baustelle

Die superteuren Apartments im denkmalgeschützten Philosophicum sind bereits bezogen, obwohl die Bauarbeiten offiziell noch nicht beendet sind. Auch die Auflagen der Denkmalschützer sind nicht nachgewiesen.

Frankfurt-Bockenheim
Der moderne Neubau, dahinter das denkmalgeschützte Philosophicum. Und noch immer ein Bauzaun. Foto: Christoph Boeckheler

Obwohl der Bauherr der Stadt noch keine offizielle Baufertigstellung gemeldet hat, sind die neuen Apartments im denkmalgeschützten Philosophicum schon vermietet und bewohnt. Das hat das städtische Planungsdezernat am Dienstag der FR bestätigt. Das Projekt hatte Aufsehen erregt, weil für die 238 Kleinstwohnungen sehr hohe Mieten verlangt worden waren: ab 590 Euro im Monat für 26 Quadratmeter.

„Dieses Bauvorhaben ist für uns noch nicht fertig“, sagte Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Nach den städtischen Akten hatte der Bauherr, der sauerländische Multimillionär Rudolph Muhr, am 29. April 2016 lediglich die Fertigstellung des Rohbaus gemeldet. „Für das gesamte Bauvorhaben hat der Bauherr bisher keine Fertigstellung angezeigt“, so der Sprecher des Planungsdezernates.

Gellert bestätigte auch Informationen der FR, nach denen Bedingungen der städtischen Denkmalpfleger für den Umbau des alten Gebäudes aus den Jahren 1958 bis 1960 noch nicht erfüllt sind.

„Die Auflagen der Denkmalschützer sind nicht nachgewiesen“, sagte der Sprecher des Planungsdezernenten. Bauherr Muhr zeigte sich im Gespräch mit der FR recht kurz angebunden. Er bestätigte lediglich , dass das Philosophicum ohne offizielle Eröffnung in Betrieb genommen worden sei. „Haben wir denn eine Eröffnung gebraucht?“, fragte er und kündigte an, es werde „später im Jahr“ eine Feier nachgeholt.

Das Projekt gilt weit über Frankfurt hinaus als Beispiel für überzogene Renditeerwartungen und zu hohe Mieten. Der frühere Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) hatte Investor Muhr noch unterstützt und die angeblichen Studierendenapartments bei einem gemeinsamen Pressetermin als „gute Lösung“ bezeichnet. Gestern sprach das Planungsdezernat offiziell von „Mikro-apartments“, so der Sprecher Mark Gellert.

Damit wird offiziell eingeräumt, dass die Unterkünfte für Studierende mit normalem Einkommen zu teuer sind. In den Akten des Planungsdezernates firmiert das Bauvorhaben aber nach wie vor als „Studentenwohnheim“.

Offiziell ist der Name des Apartmenthauses Gräfstraße 74 „The flag Bockenheim“. Für eine teilmöblierte Einheit von 26 bis 33 Quadratmeter Größe, hell und großzügig“, werden dort „ab 590 Euro“ im Monat verlangt.

Das etwas größere Apartment von 34 bis 41 Quadratmeter Fläche wird „ab 680 Euro im Monat“ vermietet. Es gibt in allen Unterkünften einen Einbauschrank und eine kleine Küchenzeile mit Cerankochfeld. Der Investor wirbt außerdem mit einer „großen Sonnenterrasse zur gemeinschaftlichen Nutzung“.

Die Bundesregierung von CDU/CSU und SPD unterstützt offiziell den Bau von „Mikroapartments“ für Studierende, um die Wohnungsnot in den Universitätsstädten zu bekämpfen. Allerdings sollen die Studierenden nach Ansicht der Bundesregierung nicht mehr als 260 Euro Warmmiete im Monat bezahlen.

Investor Muhr hatte unter dem Label „The flag Campusmeile“ bereits das Apartmenthaus Adickesallee 65 eröffnet. Er hatte von Anfang an beim Umbau des Philosophicums an der Gräfstraße aufs Tempo gedrückt. Zwischendurch musste die Bauaufsicht bereits einmal einen Baustopp verhängen, weil erforderliche Teilbaugenehmigungen nicht vorgelegen hätten. Ursprünglich hatte eine alternative Projektgruppe im Philosophicum preiswerte Wohnungen für Familien schaffen wollen. Doch sie kam nicht zum Zuge.

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