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Niederrad Bauboom im Südwesten von Frankfurt

Nirgendwo in Frankfurt entstehen zurzeit mehr Wohnungen als in der Bürostadt Niederrad.

Bauprojekte in der Bürostadt Niederrad
123 Wohnungen entstehen an der Ecke Rhonestraße. Foto: Michael Schick

Auf einmal wird überall gebaut in der Bürostadt. Hunderte Wohnungen entstehen, wo früher nur gearbeitet wurde. In großem Stil werden Bürogebäude umgewandelt oder durch Neubauten ersetzt. Und die Entwicklung des einst autogerecht beplanten 88 Hektar großen Gebiets, das teils zu Niederrad, teils zu Schwanheim gehört, in das Lyoner Quartier, ein gemischtes Viertel, gewinnt erst an Fahrt.

Nirgendwo in Frankfurt entstehen dieser Tage so viele Wohnungen wie im Lyoner Quartier. Etwa 2300 Wohnungen sind nach Zahlen der Standortinitiative Neues Niederrad derzeit in Bau. Und viele werden noch hinzukommen. Die Bauaufsicht genehmigte allein im vergangenen Jahr den Bau von 808 Wohnungen in Schwanheim, 674 in Niederrad, von denen sich jeweils der Großteil in der früheren Bürostadt befinden dürfte. Nicht einmal das Gallus und das zu diesem zählende Europaviertel kommen derzeit auf einen solchen Wert.

3000 Wohnungen in der Bürostadt zu bauen galt einmal als sehr ambitioniertes Ziel. Heute ist David Roitman, der Vorsitzende der Standortinitiative, noch vorsichtig, wenn er im Gespräch mit der FR schätzt, dass im Jahr 2025 10 000 Menschen im Viertel leben werden.

Noch sind nach Schätzung der städtischen Statistiker erst 800 bis 1000 Menschen im Gebiet des Lyoner Quartiers gemeldet. Die Zahl könnte schon dieses Jahr aber kräftig steigen. Bald fertig wird etwa ein Gebäudekomplex, den Max Baum für die städtische Wohnungsgesellschaft ABG an der Hahnstraße errichtet. Der Innenausbau der 165 Wohnungen, von denen 63 verkauft werden sollen und 30 als geförderter Wohnraum entstehen, läuft. Ein Edeka- und ein Aldi-Markt und eine Drogerie ziehen ein. Anfang 2019 sollen, wie ABG-Geschäftsführer Frank Junker am Montag sagte, 119 Wohnungen an der Lyoner Straße 54–56 bezogen werden können, von denen 63 öffentlich gefördert werden. Die ABG baut zudem 227 Wohnungen an der Herriotstraße, davon 68 gefördert.

Viele Investoren tätig

Längst haben auch andere Investoren die Bürostadt für sich entdeckt. Mehr als 700 Wohnungen sollen allein auf dem früheren Woolworth-Gelände entstehen, das die Immobiliensparte der Landesbank Baden-Württemberg kürzlich erworben hat. An der Ecke Hahnstraße/Goldsteinstraße lässt die Bien-Ries AG 336 Wohnungen für die Münchener GBW-Gruppe hochziehen. Der schwedische Projektentwickler Catella baut auf dem Gelände des früheren Postgewerkschaftshauses 123 Mietwohnungen, die 2019 bezogen werden können.
Der Projektentwickler BPD will für die Wohnungsgesellschaft GWH 120 Wohnungen an der Hahnstraße errichten. Die GWH ist auch dabei, ein 19-stöckiges Bürohochhaus an der Lyoner Straße in einen Wohnturm mit 150 Mietwohnungen umzubauen. Auf einem Nachbarareal will sie 150 Eigentumswohnungen errichten.

Auch die Nassauische Heimstätte hat sich Grundstücke gesichert. Sie will in diesem Jahr auf dem Areal eines früheren Rechenzentrums an der Hahnstraße mit dem Bau von 200 Wohnungen beginnen. Sie plant zudem, ein rund 26 000 Quadratmeter Areal an der Lyoner Straße mit rund 520 Wohnungen zu bebauen – allerdings frühestens ab 2021. Auch David Roitman, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft des Access Tower, will einen Neubau mit Wohnungen, Gastronomie und einem Büroanteil errichten.

Der Büroleerstand sinkt indes immer weiter. Mit inzwischen neun Prozent liegt dieser, wie die Standortinitiative betont, im einst von starkem Leerstand geprägten Viertel unter dem stadtweiten Schnitt. Zuletzt hat die Deusche Bahn 10 000 Quadratmeter im Atricom bezogen, die Barmer 5000 Quadratmeter im Access Tower. Roitman schätzt, dass der Leerstand bis 2025 sogar auf drei Prozent sinken könnte.

Noch immer allerdings fehlt eine Grundschule für das Quartier. Der urprünglich auserkorene Standort kam wegen des dort zu großen Fluglärms nicht infrage. Auch eine Alternative zerschlug sich. Die Stadt sei intensiv auf der Suche nach einem Grundstück oder einer Immobilie, die sich umnutzen ließe, sagte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Montag der FR. Wenn sich bald etwas finde, könne die neue Schule zum Schuljahr 2019/2020 öffnen. Auch Betreiber von Privatschulen schauen sich im Viertel um.

Damit das Viertel lebendiger wird, müssten nach Ansicht Roitmans mehr Gebäude so errichtet werden, dass kleinteiliges Gewerbe, also etwa Friseur und Reinigung, aber auch Arztpraxen, in die Erdgeschosse ziehen. Gut sei, dass der Lidl-Neubau  Platz für eine Apotheke biete. Es gebe auch noch zu wenig Kneipen und Restaurants, sagt ABG-Chef Junker.

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