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Neuer Stadtteil Stromtrassen sollen unter die Erde

Frankfurt prüft die Verlegung der Hochspannungsleitungen, die dem geplanten neuen Stadtteil im Wege stehen.

Stromleitungen
Die großen Stromleitungen verlaufen da, wo die Wohngebäude wachsen sollen. Foto: Monika Müller

Im Streit um den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Norden prüft die Kommune, große Hochspannungsleitungen unter die Erde zu verlegen. Diese Stromtrassen sind ein zentrales Hindernis für das Wohngebiet beidseits der Autobahn A5, das Frankfurt anstrebt. Der neue Stadtteil für 30.000 Menschen wäre von zwei solchen Trassen durchzogen. Der Landesentwicklungsplan (LEP) des Landes Hessen legt aber fest, dass in einem Bereich von jeweils 400 Metern rechts und links der Hochspannungsleitung nicht gewohnt werden darf. Bliebe es dabei, wäre der neue Stadtteil geplatzt. Oder mit den Worten von Mark Gellert, dem Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD): „Es würde ein ganz wesentlicher Teil nicht mit Wohnungen bebaut werden können.“

Deshalb prüfen die Fachleute des städtischen Planungsamtes derzeit verschiedene Auswege. Eine Möglichkeit wäre, die Stromleitungen oberirdisch zu verlagern, möglichst ganz aus dem künftigen Wohngebiet hinaus. Als zweite Alternative nennt Gellert, die Stromleitungen künftig „unterirdisch zu führen“. Beide Auswege wären mit hohen Kosten verbunden.

Auch der wohnungspolitische Sprecher der SPD im Römer, Sieghard Pawlik, macht sich dafür stark, die Stromtrassen unter die Erde zu verlegen. „Das verteuert zwar graduell den Wohnungsbau“, sei aber technisch machbar.

Ein weiteres gravierendes Hindernis ist die vielbefahrene A5, deren Ausbau auf acht Spuren zum Teil schon vollzogen ist. „Wir prüfen, wie wir mit der Lärmwirkung der Autobahn umgehen“, sagt Gellert.

Doch es geht um mehr als Lärm und Schadstoffe. Die Autobahn selbst hätte eine erhebliche Trennwirkung für den Stadtteil. Wie diese überwunden oder zumindest gemildert werden kann, ist gegenwärtig ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen. Die Grünen zum Beispiel träumen von breiten „Landschaftsbrücken“: Das hieße, die Autobahn müsste auf einer längeren Strecke eingehaust und mit einem grünen Deckel versehen werden. Auch das wäre ein extrem teures Unterfangen.

Man sieht: Wer an den Erfolg des neuen Stadtteils glaubt, muss notorischer Optimist sein. Sprecher Gellert ist es: „All das sind Hürden, die man nehmen kann“, glaubt er. Die Stadt treibt jedenfalls die Planungen für ihr neues Wohngebiet unverdrossen voran. Mehr als 1000 Grundstückseigentümer haben jetzt Post von der Kommune bekommen. Sie sollen möglichst freiwillig ihren Grund und Boden an die Stadt veräußern. Geschieht das nicht, würde es die von der Kommune eingeleitete städtebauliche Entwicklungsmaßnahme nach dem Baugesetzbuch am Ende auch Enteignungen ermöglichen.

2019 will die Kommune eine detaillierte Planung für den neuen Stadtteil vorlegen. Sie würde dann auch nachweisen, wo Straßen verlaufen und wie das Wohngebiet erschlossen wird. In der ersten Verhandlungsrunde zwischen der Stadt und dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main in der vergangenen Woche waren beide Seiten übereingekommen, die potenziellen Baufelder östlich der Autobahn mit zeitlicher Priorität zu behandeln. Dabei ginge es dann nur noch um die Arrondierung vorhandener Stadtteile wie Praunheim und Nordweststadt.

SPD-Sprecher Pawlik warnt: „Das ist zu wenig.“ Allen Beteiligten müsse klar sein, „dass wir eine große Entwicklungsmaßnahme brauchen, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken“.

Pawlik fordert die Kritiker des neuen Stadtteils in den Frankfurter Nachbargemeinden auf, „verbal abzurüsten“. Nötig sei „Vernunft auf beiden Seiten“. Das zielt insbesondere auf den Vorsitzenden der CDU im Hochtaunuskreis, Jürgen Banzer, der für August zu einem Sternmarsch gegen den neuen Stadtteil aufruft.

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