Lade Inhalte...

Neuer Stadtteil Siebengeschossige Wohnblocks mit Blick auf die A5

Kein Platz für Einfamilienhäuser: Der neue Frankfurter Stadtteil hat eine „dichte Bauweise nötig“, sagt Architekt Stefan Forster.

Neuer Stadtteil
Auf diesen Feldern soll der neue Stadtteil entstehen. Foto: Christoph Boeckheler

Der geplante neue Stadtteil beidseits der Autobahn 5 im Frankfurter Norden muss Modellcharakter für Deutschland haben. Er soll eine verdichtete, großstädtische Bauweise besitzen. Diese Ansicht hat der renommierte Frankfurter Architekt Stefan Forster im Gespräch mit der FR vertreten. „Wir brauchen dort Geschosswohnungsbau mit Blocks von fünf bis sieben Etagen“, sagte Forster. Er gilt bundesweit als einer der ausgewiesenen Spezialisten für Wohngebäude und ist unter anderem wohnungspolitischer Berater der Stadt Dresden.

Mit dem neuen Stadtteil nördlich von Praunheim und Niederursel, der mindestens 25.000 Menschen beherbergen soll, müsse sich Frankfurt endlich von der Bauform des Einfamilienhauses lösen, sagte der 59-jährige Architekt. Einfamilienhäuser gelten als die Bauweise, die am meisten Freifläche verbraucht. Stattdessen fordert Forster Geschosswohnungsbau zur Miete.

Nach seinen Vorstellungen ist es sinnvoll, dass öffentliche Wohnungsbaugesellschaften den neuen Stadtteil errichten. Mit der ABG Holding und der Nassauischen Heimstätte verfügten die Stadt Frankfurt und das Land Hessen über geeignete Bauherren. Wenn diese Gesellschaften als Bauherren aufträten, biete sich der öffentlichen Hand der größtmögliche Einfluss auf den neuen Stadtteil. Nur so lasse sich durchsetzen, dass tatsächlich bezahlbare Wohnungen entstünden.

Auf keinen Fall dürfe die Stadt wie beim Riedberg große Parzellen an private Bauherren vergeben. Das führe nämlich wieder dazu, dass Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser entstünden, die für viele Menschen nicht bezahlbar seien. „Wenn es so läuft wie auf dem Riedberg, dann läuft es falsch“, sagt Forster.

Die öffentlichen Bauherren könnten für die angestrebten 12 000 Wohnungen einen „Generalplan aus einem Guss“ entwickeln. Eine solche Vorgehensweise erlaube auch den Einsatz bestimmter, standardisierter Bauelemente, was die Baukosten wiederum stark senke. Forster vergleicht diese Vorgehensweise mit der der Stadt Frankfurt in den 20er Jahren, als der damalige Stadtbaurat Ernst May binnen weniger Jahre mehrere Wohnsiedlungen auf den Weg gebracht hatte.

Der Architekt ruft die im Norden Frankfurts angrenzenden Kommunen Steinbach und Oberursel auf, ihren Widerstand gegen die Wohnbaupläne aufzugeben. „Diese Dörfer gehen in der Stadt Frankfurt auf, das ist eine ganz logische Entwicklung.“ Auch Offenbach werde eines Tages mit Frankfurt zusammenwachsen und zu einem Stadtteil Frankfurts werden. Die Politiker in den Gemeinden rund um Frankfurt müssten angesichts des Mangels an Wohnraum ihre Eitelkeiten überwinden. „Ich verstehe, dass ein Bürgermeister gerne Bürgermeister ist, aber darum geht es nicht.“

Er begrüße es, dass die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen sich auf einen Stadtteil verständigt hat. Richtig sei auch, kein isoliertes Quartier auf der grünen Wiese zu schaffen. sondern dass sich Frankfurt im Norden organisch weiterentwickele. „Die Stadtgrenze wird in Richtung Steinbach verschoben, und das ist gut so.“

Der Frankfurter Architekt DW Dreysse hält den geplanten Stadtteil an der A5 so nicht für lebensfähig. „Ein Stadtviertel beidseits einer Autobahn ist für mich nicht vorstellbar“, sagte Dreysse, der vor 25 Jahren an der Planung des Stadtteils Riedberg beteiligt war. Von der Autobahn 5, die bald auf acht Fahrspuren ausgebaut werden soll, werde eine „totale Trennwirkung ausgehen“.

Dreysse sah im Gespräch mit der FR die einzige praktikable Lösung darin, die Autobahn tieferzulegen und zu überbauen. „Nur so entstünde ein zusammenhängender, lebensfähiger Stadtteil.“ Kleine Tunnel unter der Autobahn genügten nicht. Der Architekt verweist darauf, dass die geplante Regionaltangente West der Bahn auf einem Damm verlaufen werde – auch sie werde eine Trennwirkung entfalten. Auch Dreysse plädiert dafür, sich im künftigen Stadtteil „von der Bauform Reihenhaus zu lösen“. Große Baublöcke sind in seinen Augen die Antwort auf den Wohnungsmangel.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen