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Neuer Stadtteil in Frankfurt „Erst mal Frankfurt vollmachen“

1. UpdateHunderte protestieren beim Sternmarsch der CDU gegen den neuen Frankfurter Stadtteil an der Autobahn. Sie fordern, erst einmal Frankfurt dichter zu bebauen. Sie glauben nicht an günstigen Wohnraum.

Protest
Teilnehmer des Sternmarsches. Foto: Renate Hoyer

Wolfgang Pfleiderer schüttelt den Kopf. Er wolle keine neuen Häuser auf dem freien Feld zwischen Frankfurt und den Taunusgemeinden, sagt der 76-Jährige, der im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen wohnt. „Das ist hier ein Naherholungsgebiet, da sind Spaziergänger, Skater und Radfahrer unterwegs. Das darf man nicht zerstören“, erklärt er und deutet auf die Äcker und Wiesen die sich zur Autobahn A 5 hin erstrecken und hinter denen die Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline zu sehen sind. Und wo sollen all die Menschen hin, die keine bezahlbaren Wohnungen mehr in der Region finden? „Erst mal Frankfurt voll machen“, sagt Wolfgang Pfleiderer. „Dort steht viel Wohnraum leer und es gibt auch andere Gebiete, wo gebaut werden kann.“

Wolfgang Pfleiderer ist einer von mehreren hundert Menschen, die gestern Nachmittag im Sternmarsch ans Maislabyrith von Bauer Richard Bickert in Weißkirchen gekommen sind. Elf CDU-Verbände aus dem Taunus und drei aus dem Frankfurter Westen haben zu dem Protest gegen den neuen Stadtteil beidseitig der Autobahn aufgerufen. Die Initiative „Unser Heimatboden vor Frankfurt“ sammelt Unterschriften für eine Petition gegen das 550 Hektar große Entwicklungsgebiet, von dem am Ende rund 190 Hektar bebaut werden sollen. „Bäume, Feld, Wiese statt Beton“ steht auf einem Transparent. „Stoppt den Flächenfraß“ wird auf einem anderen Plakat gefordert. Das Monster, das darauf zu sehen ist, heißt Frankfurt. Entsetzlich findet Vasco Levi das, „was vor allem die SPD da vorhat“. Dass bezahlbare Wohnungen im neuen Stadtteil entstehen werden, glaubt der 20-jährige Student nicht. „Das war auch am Riedberg und im Europaviertel nicht so.“

Mit 200 Besuchern habe man beim Sternmarsch gerechnet. „Jetzt sind es mindestens zwei Mal so viele“, freut sich der Fraktionsvorsitzende der CDU Oberursel, Jens Uhlig, und begrüßt Kommunalpolitiker aus dem Hochtaunus und dem Main-Taunus sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Aus Frankfurt ist CDU-Landtagskandidat Veljko Vuksanovic gekommen, der im Wahlkreis 35 antritt, zu dem auch die Stadtteile Niederursel, Praunheim und Rödelheim gehören. Er sei gegen den neuen Stadtteil egal auf welcher Seite der Autobahn, sagt er. 30 Landwirte würden auf den Ackerflächen regionale Lebensmittel für Frankfurt produzieren, die Frischluftschneise aus dem Taunus sei wichtig für die Stadt. „Das würde alles zerstört.“

Dass es sinnvoll sein kann, „an der meistbefahrenen Autobahn Deutschlands ein Wohnquartier für 30 000 Menschen zu bauen“, kann sich auch der Vorsitzende der Hochtaunus-CDU, Jürgen Banzer nicht vorstellen. „Das ist kein Ort, wo sich Menschen zu Hause fühlen.“ Außerdem brauche es das Einvernehmen der Nachbarn, wenn Frankfurt an der Stadtgrenze einen neuen Siedlungsschwerpunkt plane. „Und das Einvernehmen mit Oberursel und Steinbach gibt es nicht.“ Den von der CDU organisierte Sternmarsch will Banzer nicht als Veranstaltung gegen Frankfurt verstanden wissen. „Wir sollten gemeinsam nach Lösungen suchen, bei denen unserer schöne Heimat erhalten bleibt.“ Frankfurt müsse vom hohen Ross heruntersteigen und in den Dialog mit der Region treten“, verlangte der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp. „Die 76 Städte und Gemeinden im Umland sind jede für sich identitätsstiftend, ein Megastadtteil wie der an der A 5 geplante kann das niemals sein.“ In der Weißkirchener Erklärung forderten gestern die 14 CDU-Verbände den Regionalverband auf, die polyzentrische Struktur der Region zu erhalten und den Stadtteil östlich und westlich der A 5 abzulehnen.

Die CDU als Protestpartei gefalle ihm gut, sagte Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas (FDP), der ebenfalls zum Maisfeld gekommen war. Es gelte jetzt, über Orts- und Parteigrenzen hinweg zusammenzustehen und Frankfurt vor den Fehlern zu bewahren, die die Stadt in den 1970er Jahren schon mal gemacht habe. „Wir brauchen keine weitere Trabantenstadt vor unserer Haustüre.“

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