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Neue Wohngebiete Widerstand gegen neue Stadtteile

Frankfurts Wachstum macht Probleme. Neben der Verdichtung bestehender Stadtteile sollen 222 Flächen auf neue Wohn- und Gewerbegebiete hin untersucht werden. Das stößt auf Widerstand.

Henri-Dunant-Siedlung
Die Stadt will Siedlungen der 50er Jahre, wie die Henri-Dunant-Siedlung in Sossenheim, nachverdichten lassen. Foto: Rolf Oeser

Seit viereinhalb Jahren arbeiten die Fachleute der Stadt Frankfurt an einer Antwort auf das rasante Wachstum der Kommune. Bis zum Jahre 2040, so die jüngste Prognose, könnte Frankfurt von jetzt 750 000 Einwohner auf 830 000 anwachsen. Jetzt liegen Grundzüge eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts vor. Und sofort gibt es wieder Streit in der Römer-Koalition. CDU und Grüne lehnen vehement den Vorschlag von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ab, auch den Pfingstberg zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach als mögliche Fläche für einen neuen Stadtteil zu betrachten.

Spätestens im Februar 2019 will Josef das Stadtentwicklungskonzept offiziell präsentieren. Sein Sprecher Mark Gellert, der ein Meister des Euphemismus ist, bestätigt offiziell lediglich: „Der Entwurf ist noch nicht fertig – er befindet sich in der Endabstimmung in der Politik.“ Die städtischen Planer bestehen angesichts des politischen Konflikts vehement darauf, dass es „keine Denkverbote“ geben dürfe.

Das 80-seitige Papier ist das Ergebnis der Untersuchung von nicht weniger als 222 Flächen im Frankfurter Stadtgebiet. Gesucht wurden Areale für neue Wohnquartiere und neue Gewerbegebiete. Definiert sind nun Grundstücke und Potenziale für 60 000 neue Wohnungen sowie vier neue Gewerbegebiete.

Die Planer schlagen vor, die Siedlungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, erheblich zu verdichten. Dies könnte in Bornheim, Sossenheim, Ginnheim, Dornbusch, Preungesheim und Niederrad geschehen. Insgesamt ergäbe sich so nach Rechnung der Planer ein Potenzial von 10 000 zusätzlichen Wohneinheiten. Freilich stoßen Pläne zur Nachverdichtung, die von der städtischen Wohnungs-Holding ABG entwickelt wurden, schon jetzt auf erheblichen Widerstand vor Ort – dies gilt etwa für die Platensiedlung in Ginnheim.

Neue Stadtviertel halten die Planer an vier Standorten für möglich. Zum einen auf Freiflächen östlich von Eschersheim hin zur Autobahn A661. Zum zweiten nördlich des Industrieparks Höchst. Das ist das Areal, um das lange wegen der Nähe zur Industrieproduktion mit ihren Gefahren gerungen wurde. Vor kurzem hatten sich der Industrieparkbetreiber und die Stadt grundsätzlich über die Entwicklung verständigt.

Die dritte Fläche liegt am nordöstlichen Rand von Höchst nach Sossenheim hin. Das vierte Areal wäre eine Erweiterung von Bergen nach Norden. Hier handelt es sich allerdings noch um Siedlungsbeschränkungsgebiet wegen des Lärms, der von der neuen Landebahn des Rhein-Main-Flughafens ausgeht. Der Flächennutzungsplan müsste entsprechend geändert werden. Darüber hinaus definieren die Planer drei sogenannte Untersuchungsräume für längerfristige Entwicklungen. Einer davon ist der neue Stadtteil im Frankfurter Norden beidseits der Autobahn A5, auf den sich die Römer-Koalition 2017 verständigt hatte. Die CDU stellt freilich inzwischen die Entwicklung westlich der Autobahn infrage, nachdem sich in den Nachbargemeinden Protest regt.

Zum zweiten schlagen die Planer erneut eine Bebauung des Pfingstberges zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach vor. Dieses Lieblings-Projekt der SPD und von Oberbürgermeister Peter Feldmann war schon in den Koalitionsverhandlungen 2016 von CDU und Grünen abgelehnt worden.

Beide machen jetzt wieder entschieden Front gegen den Pfingstberg. „In den zurückliegenden Koalitionsverhandlungen hat diese Idee keine Mehrheit bekommen, und damit wird am Pfingstberg weder geplant noch gebaut – darauf werden wir sorgsam achten“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Michael zu Löwenstein.

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