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Kommentar Miete als Hürde

Wenn Studierende inzwischen im Schnitt fast 500 Euro im Monat für ihr Zimmer bezahlen müssen, wirkt das wie eine Studiengebühr.

Die miserable Situation Studierender, die in Frankfurt eine Unterkunft suchen, ist ein Armutszeugnis. Sie zeigt, wie sehr die Wohnungspolitik der vergangenen Jahre in eine falsche Richtung ging. Statt selbst günstigen Wohnraum für Studierende und Geringverdiener zu schaffen, hat sich die öffentliche Hand aus der Verantwortung gezogen, Wohnungsgesellschaften privatisiert, die Versorgung der Menschen mit Wohnraum dem Markt überlassen. Die seit Jahren steigenden Mieten und Preise, die riesigen Wartelisten für Sozialwohnungen und Wohnheimplätze zeigen, wohin das geführt hat.

Wenn Studierende inzwischen im Schnitt fast 500 Euro im Monat für ihr Zimmer bezahlen müssen, wirkt das wie eine Studiengebühr. Wer keine Eltern hat, die sie oder ihn kräftig finanziell unterstützen, muss so viel arbeiten, dass er oder sie kaum zum Studieren kommt, vielleicht abbricht, ziemlich sicher aber länger bis zum Examen braucht als Studenten aus reicheren Familien. Schon in der Schule haben Kinder aus Familien mit Geld deutlich bessere Karten als Schüler, deren Eltern wenig verdienen oder gar arbeitslos sind. Diese mangelnde Chancengerechtigkeit setzt sich an den Hochschulen fort, wenn es viel zu wenige Wohnheimplätze für Studenten gibt, die etwa auf Bafög angewiesen sind.

Am Geld sollte der Bau neuer Wohnheime in einer so reichen Region nicht scheitern. Nicht einmal am Bauland. Der Mangel an Flächen ist teils auch vorgeschoben, teils sogar selbst verschuldet. Denn selbst auf Grundstücken, die dem Land oder dem Bund gehörten, wie dem Campus Bockenheim und an der Adickesallee, sind keine geförderten Wohnheime entstanden, sondern teure Apartments für Studierende mit reichen Eltern.

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