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Kleingärten in Frankfurt Streit ums Grün in der Stadt

Kleingärtner im Nordend fürchten um ihr Gelände. Die private Eigentümerin hat einigen von ihnen gekündigt. Hintergrund sind die sogenannten „Günthersburghöfe“.

Abenteuerspielplatz am Schlinkenweg
Am Schlinkenweg finden sich Kleingärten und ein Abenteuerspielplatz (Symbolbild). Foto: Rolf Oeser

Überall in der Stadt ist derzeit der Kampf im Gang um die immer knapper werdenden Flächen für den Bau dringend benötigter Wohnungen. Wer sich ein Bild davon machen möchte, muss nur zur Sitzung des Ausschusses für Planung, Bau und Wohnungsbau des Stadtparlaments kommen, der einmal im Monat öffentlich tagt. Am Montagabend versammeln sich die Stadtverordneten im städtischen Amt für Bauen und Immobilien an der Gutleutstraße.

Da meldet sich zum Beispiel Tilo Schwichtenberg zu Wort, Kleingärtner im Verein Cronberger e. V. am Schlinkenweg am Rande des Nordends. Eine 16 Hektar große Anlage mit insgesamt 300 Gärten. „Die Verunsicherung ist groß, weil die Leute nicht wissen, ob sie ihren Kleingarten behalten können oder nicht“, berichtet Schwichtenberg. Denn die Stadt plant hier die sogenannten „Günthersburghöfe“, ein Blockrandquartier mit Geschosswohnungsbau, das sich an die alten Gründerzeithäuser des Nordends anlehnt.

Offenbar mit Blick auf diesen Wohnungsbau hat die private Eigentümerin die Flächen von fünf Kleingärten mit insgesamt 1543 Quadratmetern zum Ende des Jahres 2019 gekündigt. Grundstücke, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Kleingärten sind, wie die Fraktion der Frankfurter in einem eilends vorgelegten Antrag schreibt.

Derzeit sei noch völlig unklar, ob und wie das geplante Wohngebiet verwirklicht werde, so die Frankfurter. Trotzdem beginnt die Spekulation bereits jetzt. Die Stadt müsse verhindern, dass die Kleingartenanlage schon jetzt „dem Zerfall ausgesetzt wird“.

Erhard Römer von der Fraktion der Frankfurter fragt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ganz direkt, ob es nicht sinnvoll sei, dass die Stadt diese Flächen kaufe. Josef sagt zu, die Situation im Einzelnen zu prüfen. Er vermutet aber, dass sich potenzielle Käufer hier schon „vor drei bis vier Jahren Optionen gesichert haben“ – als nämlich die Stadt ihre Pläne für das Wohnquartier veröffentlichte.

Auch Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) sagt eine Prüfung zu, er gibt aber zu bedenken: „Ich brauche erst einmal einen verkaufsbereiten Verkäufer, wenn ich kaufen will.“ Sieghard Pawlik, der wohnungspolitische Sprecher der SPD, weiß: „Es geht sehr schnell um hohe Preise.“ Dennoch versprächen die „Günthersburghöfe“ ein „sehr attraktives Quartier“ zu werden.

Einen ganz anderen Kampf kämpft Robert Stojanoski aus der Knorrstraße im Gallus. Er ist Mieter eines Hauses, in dem die Luxusmodernisierung von Wohnungen gerade vorangetrieben wird. Planungsdezernent Josef gibt zu: „Trotz einer Milieuschutzsatzung hat der Eigentümer Aufzüge einbauen lassen.“ Die Stadt hat dagegen Widerspruch eingelegt, „es gibt ein Rechtsverfahren“, so der Wohnungsdezernent. Ausgang des Streits: offen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen aus einer Stadt im Umbruch.

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