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Interview „Es ist eine Jahrhundertchance“

ECE-Geschäftsführer Andreas Mattner über autofreie Quartiere, kurze Wege und das MTZ als lebendige Mitte.

Main-Taunus-Zentrum
Das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach wurde 1964 als erstes Einkaufszentrum Deutschlands „auf der grünen Wiese“ gebaut. Foto: Michael Schick

ECE-Geschäftsführer Andreas Mattner reagierte erfreut, als die Frankfurter Rundschau als erste Zeitung nachfragte, was denn die Betreibergesellschaft des Main-Taunus-Zentrums (MTZ) zu den Plänen für einen neuen Stadtteil am Sulzbacher Einkaufszentrum sagt. Seine Antworten kamen prompt. Die Hamburger zeigten sich nicht nur über die Pläne des Regionalverbandes bestens informiert – sie würden auch gerne mitplanen beim neuen Wohnquartier für 6000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet. Erfahrung in der Stadtplanung hat die Gesellschaft mehr als genug. 

Herr Mattner, inwiefern sind Sie beziehungsweise die ECE in die Gespräche über den neuen Stadtteil am Main-Taunus-Zentrum eingebunden?
Wir sind beizeiten über die Idee des Regionalverbandes informiert worden und haben vereinbart, unser Know-how einzubringen, sobald erste Planentwürfe oder Verkehrsgutachten vorliegen. Die ECE hat europaweit moderne Quartiere entwickelt – zuletzt waren wir Nukleus der „Mitte Altona“ in Hamburg und haben dort über 1200 Wohnungen in einem Vorzeigequartier mit 3000 Wohnungen entwickelt. Wir realisieren derzeit für ein Volumen von über 1,5 Milliarden Euro Büros, Hotels und Wohnungen.

Das heißt, ECE könnte jederzeit mit der Entwicklung von Wohnquartieren am MTZ beginnen?
Zunächst einmal muss ein Konzept ausgearbeitet und Planrecht geschaffen werden. Die ECE ist im Rahmen dessen aber jederzeit in der Lage, mit ihren Stadtplanern und Wohnungsspezialisten innovative Wohnquartiere zu entwickeln.

Bringt ein neuer Stadtteil in unmittelbarer Nachbarschaft aus Ihrer Sicht Vorteile für das Sulzbacher Einkaufszentrum oder eher Nachteile?
Ein neues Quartier sorgt für eine städtebauliche Integration des MTZ, das ist ein Vorteil sowohl für die Region und damit für die Menschen im Einzugsgebiet als auch für das MTZ selbst. Nachdem über Jahrzehnte zum Teil die Konstellation des Centers „auf der grünen Wiese“ kritisiert wurde, steckt darin eine Jahrhundertchance. 

Worin besteht diese Chance?
Anders als bei vielen Quartiersentwicklungen, die aktuell in deutschen Großstädten diskutiert und geplant werden, würde dieses Quartier eine wirklich lebendige Mitte haben. Die große Chance sehen wir daher auch darin, hier kein monofunktionales Entwicklungsgebiet zu haben, sondern durch die Integration des MTZ die vieldiskutierte und gewünschte Mischung mit Gastronomie, dem vorhandenen Einzelhandel des MTZ, Dienstleistung und Entertainment in dem neuen Quartier realisieren zu können. Selbstverständlich freuen wir uns auch auf die neuen Kunden aus der dann unmittelbaren Nachbarschaft.

Kann das MTZ als Einkaufszentrum „auf der grünen Wiese“ überhaupt die Aufgabe einer Innenstadt mit Nahversorgung für 6000 Menschen erfüllen, wie von den Planern angedacht? Oder wäre es dann überlastet? 
Zunächst würde das MTZ als lebendige Mitte die Umsetzung des städtebaulichen Leitbildes der „Stadt der kurzen Wege“ erst ermöglichen. Das ist sicher ein Plus für die neuen Anwohner, die sich weitere Wege für den mittel- und langfristigen Bedarf sparen und weniger Verkehr verursachen. Schon jetzt haben wir für den Kurzfristbedarf viel zu bieten und sind zudem flexibel, uns weiter anzupassen. Das haben wir immer wieder bewiesen.

Was genau meinen Sie mit anpassen? Gibt es Angebote, die in der Nahversorgung fehlen?
Der Anteil des Kurzfristbedarfs im MTZ ist aktuell kleiner gehalten, da das entsprechende direkte Wohnumfeld fehlt, das den täglichen Bedarf nachfragt. Hier würden wir nacharbeiten.

Diskutiert wird auch eine Anbindung des neuen Stadtteils und damit des MTZ an das Schienennetz. Wie schätzen Sie die Lage ein? 
Die neuen Anwohner brauchen den Bahnanschluss nicht, um in das Einkaufszentrum zu kommen. Das MTZ hat bislang auch ohne Schienennetz funktioniert. Die Bewohner  aus den neuen Quartieren könnten es zukünftig fußläufig und mit dem Fahrrad sehr gut erreichen. 

Das heißt, es geht auch ohne Schienenanschluss? 
Es gibt da kein Junktim. Wichtiger ist diese Überlegung sicher im Hinblick auf eine deutlich bessere ÖPNV-Anbindung an die Städte. Für die neuen Einwohner würde das ein Plus an Wohnqualität bedeuten. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, die kommenden Verkehrsgutachten zu sichten und damit weiterzuarbeiten. Hier liegt die eigentliche Arbeit. Da müssen auch die Vorteile für die Sulzbacher deutlich werden.

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