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Innovationsquartier in Frankfurt Dichter und höher für mehr Grün

Im Innovationsquartier in Frankfurt entstehen die „Günthersburghöfe“. Die Sieger eines Architektenwettbewerbs stehen fest.

Protestaktion
Die Bürgerinitiative Grüne Lunge am Günthersburgpark trägt symbolisch die Artenvielfalt im Planungsgebiet zu Grabe. Foto: Sophie Schüler

Die Ideen für das Innovationsquartier zwischen Wasser- und Günthersburgpark nehmen Form an. Auf dem Areal sollen in neun Gebäuden die „Günthersburghöfe“ entstehen. Die Skizze setzte sich im Ideenwettbewerb durch. Sechs Architekturbüros präsentierten dabei am Samstag im Stadtplanungsamt ihre Entwürfe und diskutierten mit Bürgern und Stadtplanern. Am Abend wählte eine Jury, der unter anderem Planungsdezernent Mike Josef (SPD) angehörte, die Sieger.

Das Team von Tobe Stadt, Stefan Bernard Landschaftsarchitekten und Kölling und Voigt Architekten überzeugte damit, die Bebauung dicht und mittig im 20-Hektar-Areal anzusiedeln und dafür mehr Grün zu erhalten. Ein Wohnhochhaus mit 16 Geschossen soll an der Ecke Wasserpark und Friedberger Landstraße gebaut werden; dort sind auch eine Kita und Büros untergebracht. In Richtung Hungener Straße ist ein großer Gebäudekomplex vorgesehen.

Dazu kommen sechs in sich geschlossene Gebäudekomplexe mit vier bis acht Geschossen entlang des Schlinkenwegs, der ausgebaut und Zugang zum Quartiersplatz westlich des Abenteuerspielplatzes wird. Dort ist auch ein Mehrgenerationenhaus vorgesehen. Es soll eine Durchmischung geben, Eigentums- wie Mietwohnungen sind angedacht, bis zu 15 Prozent der Wohnfläche soll gemeinschaftlichen Wohnprojekten überlassen werden.

Im Süden bleibt das Areal mit dem Günthersburgpark verknüpft, einige Kleingärten bleiben erhalten. Nördlich der Bebauung wird an einer Promenade eine öffentliche 24 000 Quadratmeter große Gartenwildnis entstehen. Auf dem Areal der Gärtnerei Klumpen wird eine Schule in einem Eichwaldhaus geplant. „Damit ist ein neues Konzept möglich, eine Waldschule“, so Architektin Sabine Kölling. Einige Eltern kritisierten die Lage der Schule, andere lobten die Idee mit einem Schulweg durch die Wildnis.

„Wir haben den ökologischen und sozialen Wert der grünen Lunge bei einem Besuch vor Ort erkannt“, sagt Kölling, „das hat uns im wahrsten Sinne geerdet.“ Angedacht sind rund 1200 Wohnungen in den Gebäuden in Blockrandbebauung.

125 Zettel mit Kritik hatte das Siegerteam nach dem Bürgerdialog im Juni mitgenommen und vieles davon eingearbeitet. Auch deshalb wird mehr in die Höhe als in die Breite gebaut. Die Anzahl von 1200 Wohnungen war von der Stadt vorgegeben. Entlang der Friedberger Landstraße ist die Bebauung dichter – dort ist auch eine Quartiersgarage vorgesehen –, in Richtung Dortelweiler Straße wird sie lockerer. Das Gebiet wird autofrei geplant. Die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ lobte den kritischen Umgang des Teams mit der Thematik.

Planungsdezernent Josef zeigte sich überzeugt vom Pilotprojekt. Erstmals waren in Frankfurt bereits während des städtebaulichen Wettbewerbs Bürger einbezogen. Im Juni wurden ihnen Ideenskizzen vorgestellt, nun die sechs umfassenden Entwürfe. Noch vor Ort bewerteten sie, brachten Kritik und Lob ein. Die Jury nahm alle Anliegen zu ihrer Sitzung mit. Selbst Bürger, die die Bebauung generell ablehnen, lobten den sensiblen Umgang und die Transparenz. „Kritik und Protest gehören dazu“, sagte Josef.

BI kämpft seit über zwei Jahren

Deshalb ließ er auch die BI-ler gewähren, die seit über zwei Jahren gegen das Projekt kämpfen und 10 000 Unterschriften sammelten. Sie trugen einen Sarg, geschmückt mit Fotos von Pflanzen und Tieren aus dem Plangebiet, in den Raum und hielten eine Trauerrede auf die unwiederbringliche Natur, die zerstört werde. Stadtklimatologe Lutz Katzschner hatte alle Entwürfe vorab gesichtet und bewertet. „Der Siegerentwurf hat einen hohen Grünanteil, der zu positiven klimatischen Wechselwirkungen im Quartier führt.“

Nun wird die Stadtverordnetenversammlung einen Bebauungsplan aufstellen. Bei dessen Offenlegung sind erneut Bürger eingebunden. Sollte doch noch das Planungsgebiet um das bereits bebaute Gewerbegebiet an der Hungener Straße erweitert werden, könnten dort weitere 200 Wohnungen entstehen.

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