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Innovationsquartier Frankfurt Wohnungsbau in Zeiten des Klimawandels

Sechs Architekturbüros stellen ihre Entwürfe zum Innovationsquartier Frankfurt vor. Der Fokus liegt auf Klima und Autoverkehr.

Innovationsquartier
Vor dem Bürgerdialog trafen sich die Bürgerinitiative und andere Interessierte mit Architekten im Planungsgebiet der Grünen Lunge. Foto: Monika Müller

Es gehe um ein Gebiet mit vielen Qualitäten und die Aufgabe der sechs Architekturbüros sei es, Stadtplanung aus Sicht dieser Qualitäten zu denken, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Freitag beim Bürgerdialog zum Innovationsquartier. Sechs Büros stellten ihre Entwürfe vor, Bürger beteiligten sich mit Kritik und Anregungen. „Wir haben Bedarf an Wohnungen und an Freiflächen. Wir stehen vor der Frage, wie wir das zusammen mit Infrastruktur in Zeiten des Klimawandels entwickeln können.“

Viel Zuspruch erhielten die Varianten von Florian Krieger aus Darmstadt mit dem Landschaftsarchitekturbüro Grabner Huber & Lipp sowie der Entwurf von Thomas Schüler aus Düsseldorf mit den Partnern Faktorgruen und Landschaftsarchitekt Rolf Dirsch. Letztere hatten das Innovationsquartier in der Form eines Windrades angelegt. „Wir wollten eine prägnante städtebauliche Figur“, sagte Schüler. Im Zentrum steht ein großer grüner Quartiersplatz, zwischen den einzelnen Rädern sind ebenfalls kleinere Plätze vorgesehen.

Krieger plant die vier- bis siebengeschossigen Bauten rund um erhaltenswerte Bäume. Die Bebauung sei nach dem Wetterau-Wind, der aus Nord-Ost komme, ausgerichtet. Es soll einen Mix aus Wohngruppen, sozialem Wohnungsbau und Eigentumswohnungen geben. „Die Variante ist das kleinste Übel“, kommentierte eine Frau, die für zusätzliche Radwege warb. „Wir haben hier einen wunderbaren Grünbestand, man kann hier ein tolles Quartier schaffen“, sagte Krieger.

KH Studio aus Paris präsentierte einen Entwurf, auf dem die Gebäude diagonal von oben nach unten abfallen und jede Wohnung damit einen Kleingarten hat. „Wir holen die Landschaft aufs Dach, in Paris gibt es das“, sagte Alessandro Delli Ponti. Die Begrünung verbinde sozialen Wohnraum und Eigentum.

BJP aus Dortmund und Treibhaus sehen das Gebiet in zwei Ringen, die durch eine Straße abgegrenzt werden. In 1300 bis 1500 Wohnungen soll Platz für neue Wohnformen etwa für Studenten oder kurzzeitiges Wohnen sein. „Wo bleiben die Bäume?“, fragte eine Frau.

Jon Prengel freut sich, dass er die Chance hat, ein Gebiet ohne Wünsche von Investoren zu planen. Es gebe zwar Investoren, die sich Teile des Gebiets gesichert hätten, aber sie sind nicht Teil des Preisgerichts. Der Entwurf von Raumwerk und ST Raum, beide aus Frankfurt, hat drei Skizzen vorgestellt, mit unterschiedlicher Dichte von Bebauung, die die „Gartenstadt im 21. Jahrhundert“ und „urbane Gemeinschaft“ verbinden sollen. Besucher Edgar von Bercken wünscht sich höhere Häuser und damit mehr Freiraum zwischen den Gebäuden. „Ich will keinesfalls ein zweites Europaviertel“, sagte er.

Tobestadt, Stefan Bernard und Kölling + Voigt präsentierten ihren Entwurf auf einem Styropormodell. Kleingartenpächter Thilo Schwichtenberger erkundigte sich nach den Frischluftschneisen. „Der Wetterauwind weht in der Höhe, der geht über die Gebäude hinweg“, entgegnete Moritz Kölling. Vor dem Bürgerdialog hatte Klimaaxperte Lutz Katzschner die Entwürfe intern auf ihre Klimaverträglichkeit bewertet.

Trotz genereller Kritik am Bauen, beteiligten sich viele Bürger konstruktiv, äußerten spezielle Wünsche wie 50 Prozent geförderten Wohnraum oder ein autofreies Gebiet. Die Angst vor einem zweiten Europaviertel wurde mehrfach geäußert, ebenso dass die Einhausung der A 661 nicht realisiert werde. Im gesamten Kasino des Planungsdezernats lagen gelbe Zettel aus, die Bürger mit ihren Anregungen ausfüllen und abgeben konnten.

Mike Josef freute sich über die Beteiligung. „Wir haben Bürger noch nie so früh in der Planungsphase eingebunden. Es ist ein Novum, aber könnte auch Grundlage für weitere Projekte sein.“ Er freute sich vor allem über die Rückmeldung von generellen Gegnern des Innovationsquartiers, „sie sagten, sie finden es generell zwar nicht gut, aber mit Variante XY könnten sie leben“.

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