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Innenstadt Frankfurt Vier neue Hochhäuser in der City

Das Frankfurter Bankenviertel verändert sein Gesicht. Es sollen dort nicht weniger als vier neue Hochhäuser entstehen. Der höchste Turm wird 228 Meter hoch sein. Cafés und Restaurants sollen das Viertel beleben.

Hinter dem Altbau der Deutschen Bank am Roßmarkt entsteht ein neues Viertel. Foto: christoph boeckheler

Am Tag danach zeigt sich Frankfurts Bürgermeister zufrieden. Olaf Cunitz saß selbst in der Jury des städtebaulichen Wettbewerbs, die über die Zukunft eines Filetstücks im Frankfurter Bankenviertel entschied. 2015 hatte die Deutsche Bank Flächen zwischen Junghofstraße, Neuer Schlesingergasse und Großer Gallusstraße an den Projektentwickler Groß & Partner verkauft.

Und jetzt steht fest, was auf diesen Arealen geschieht: Eine sehr große Verdichtung ist geplant, mit nicht weniger als vier neuen Hochhäusern. Das Architekturbüro UN Studio aus Amsterdam gewann den Wettbewerb. Der höchste Turm erreicht 228 Meter, liegt vom Roßmarkt her gesehen im hinteren Teil des Grundstücks und wird für Büros und ein Hotel genutzt. Davor stehen zwei Gebäude von 130 und 170 Metern Höhe, die Wohnungen bergen sollen. Ein weiterer, 100 Meter hoher Turm mit Büros wächst zur Junghofstraße hin.

Insgesamt entstehen in dem neuen Quartier 600 Wohnungen. Das sieht die Stadt als größten Gewinn an. „Das ist uns sehr wichtig“, sagt Mark Gellert, der Sprecher des Bürgermeisters.

Freilich: Der weit überwiegende Teil der Menschen in der Stadt wird es sich nicht leisten können, hier zu wohnen. Denn die Kommune verzichtet darauf, den sonst üblichen Anteil von 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen durchzusetzen.

Es sei schon ein Entgegenkommen des Investors, überhaupt so viele Wohnungen zu bauen, argumentiert Gellert. Es gebe keinen Planungsgewinn, der abzuschöpfen sei. Es entstehen Miet- und Eigentumswohnungen, sagt Tobias Sauerbier, der Projektmanager von Groß und Partner: „Über die Anteile haben wir noch nicht entschieden.“ Mindestens 3000 Menschen sollen in dem neuen Stadtviertel im Herzen Frankfurts arbeiten, etwa 1000 dort wohnen.

Die Hochhäuser wachsen aus einem gemeinsamen Sockelgebäude heraus. „Im höchsten Hochhaus wird es oben eine Sky-Lounge mit Restaurant geben“, kündigt Sauerbier an.

Im Erdgeschoss und in der ersten Etage des Sockels werden die Passanten künftig Läden, Cafés und Restaurants finden. Diese öffentliche Belebung war dem Planungsdezernenten ebenfalls sehr wichtig. „Wir setzen auf eine deutliche Öffnung des ganzen Viertels“, sagt Gellert. Heute laufen die wenigen Passanten in der Junghofstraße noch an verrammelten Fassaden leerstehender Bürohäuser entlang. Diese früheren Gebäude der Deutschen Bank, die aus den 50er Jahren stammen, werden abgerissen.

Hohe Verdichtung

Das denkmalgeschützte, langgestreckte Bürohaus an der Junghofstraße wird in Absprache mit den städtischen Denkmalschützern durch zwei Einschnitte neu gegliedert. Passagen führen künftig quer durch das Quartier, im Inneren entstehen kleine Plätze. Zur Infrastruktur gehören auch eine Kita und ein großer Supermarkt.

Für die einzelnen Hochhäuser werden noch in diesem Jahr Realisierungswettbewerbe ausgeschrieben, um eine konkrete Architektur zu ermitteln.

Die Verdichtung auf den Grundstücken ist groß. Der alte städtische Bebauungsplan Bankenviertel sah noch 155 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vor. Die wächst jetzt auf insgesamt 210 000 Quadratmeter. Der größte Anteil davon sind mindestens 90 000 Quadratmeter Büros. Für Wohnen bleiben etwa 60 000 Quadratmeter, für das Hotel sind 30 000 Quadratmeter reserviert und für den Einzelhandel und die Gastronomie 20 000 Quadratmeter.

Groß & Partner hatte zehn international tätige Architekturbüros zum städtebaulichen Wettbewerb eingeladen.

Das Schweizer Büro von Max Dudler kam mit seinem Entwurf auf den zweiten Rang. Eine Anerkennung vergab die Jury an die Büros Raumwerk aus Frankfurt am Main sowie 3XN aus Kopenhagen.

Der Projektentwickler Groß & Partner spricht schlicht von einer „der momentan attraktivsten innerstädtischen Entwicklungsflächen in Deutschland“.

Das Unternehmen will keine Parzellen verkaufen, sondern das gesamte neue Quartier selbst entwickeln. Die Firma drückt aufs Tempo.

Vom Jahr 2021 an, so kündigt Projektmanager Sauerbier an, sollen „die ersten Gebäude fertiggestellt sein“.

Die Kommune will den städtischen Bebauungsplan jetzt so schnell wie möglich anpassen. Er stammt noch aus dem Jahre 1993. Fünf Jahre später war der städtische Hochhaus-Rahmenplan entstanden. Er sah in dem Quartier eigentlich nur zwei Hochhäuser vor. An der Großen Gallusstraße war das 228 Meter hohe „Max“-Hochhaus geplant. Das wollte die Deutsche Bank errichten, um es der Europäischen Zentralbank (EZB) als neues Domizil anzubieten.

 Doch die EZB entschied sich anders, nämlich für das Gelände der alten Großmarkthalle im Ostend.

Und deshalb wurde der „Max“ niemals gebaut. Mit dem jetzt entschiedenen Wettbewerb sind die alten Hochhaus-Pläne endgültig hinfällig geworden.

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