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Gateway Gardens Bürostadt wird lebendiger

Das Gewerbegebiet Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen soll tagsüber ein belebtes Quartier werden – mit 18.000 Arbeitsplätzen. Ein Stadtteil entsteht, in dem niemand wohnen wird.

So wie in der Illustration könnte der Stadtteil mal aussehen. Foto: Gateway Gardens

Von der Marketing-Lounge im Alpha-Rotex, einem markanten dreieckigen Gebäude mit 68 Metern Höhe, fällt der Blick in eine große Baugrube. Nur wenige Meter von der A3 und dem Terminal 2 des Frankfurter Flughafens entfernt lässt sich Kion, weltweit zweitgrößter Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten, eine neue Unternehmenszentrale bauen. Schon im Herbst 2017 will der im M-Dax gelistete, bisher in Wiesbaden ansässige Konzern mit 250 Beschäftigten nach Gateway Gardens ziehen.

Wo 60 Jahre lang um die 2500 US-Soldaten und ihre Angehörigen lebten, entsteht nach und nach so etwas wie ein neuer Stadtteil. Wohnen wird zwar niemand auf dem direkt am Frankfurter Kreuz gelegenen Gelände. Etwa 5000 Menschen aber arbeiten schon jetzt auf dem 35 Hektar großen Areal, das die Grundstücksgesellschaft Gateway Gardens, die die 2005 übergebene Housing Area für die Stadt Frankfurt erschließt, entwickelt und vermarktet, weltweit als Gateway to Europe und Global Business Village anpreist. Der Luftfahrt-Caterer LSG Skychefs, DB Schenker und Condor zählen bisher zu den größten Arbeitgebern auf dem Gelände.

Noch ist ein großer Teil der Baugrundstücke zu haben. Die Grundstücksgesellschaft, die zur Hälfte der Stadt, zur anderen Hälfte der Fraport und den Projektentwicklern Groß & Partner und OFB gehört, hat bisher 34 Prozent der Fläche verkauft. Doch Geschäftsführerin Kerstin Hennig ist zuversichtlich, schon bald die 40-Prozent-Marke knacken zu können. Konkrete Verkaufsgespräche liefen, bei den Unternehmen sei ein zunehmendes Interesse zu spüren, berichtet die Immobilienmanagerin. Dieses wachse, je mehr man fassen könne, was sich auf dem Areal entwickele.

Spatenstich für ein Hyatt Place Hotel

„Wir werden dieses Jahr sechs Baustellen auf dem Areal haben“, sagt Hennig. Schon am morgigen Dienstag ist Spatenstich für ein Hyatt Place Hotel. Ein Moxy-Hotel ist im Bau, die Arbeiten für den S-Bahn-Anschluss haben begonnen. Ein neues Bürogebäude entsteht, in das eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zieht. Die Arbeiten für das Gateway Gardens Plaza, eine Art Nahversorgungszentrum, sollen beginnen. Ein Supermarkt wird dort entstehen, ein Textilgeschäft, ein Fitnessstudio, Restaurants und Cafés, eine Reinigung. Mindestens eine bilinguale Kita soll hinzukommen. Auch der Bau eines Medical Centers, das nicht zuletzt Medizintouristen in den Stadtteil locken könnte, ist geplant.

Rückschläge gibt es auch. SAP hat sich jüngst für Eschborn-Süd statt für ein direkt an der A3 gelegenes Grundstück in Gateway Gardens entschieden. „Wir hätten sie unheimlich gern hier gehabt“, sagt Hennig. „Aber man kann nicht immer gewinnen.“ Dafür habe man sich durchgesetzt, als DB Schenker einen Standort für die neue Europazentrale suchte.

Lebendig soll es zugehen in dem von Büros und Hotels geprägten Areal. Die Bürostadt Niederrad taugt höchstens als Beispiel, welche Fehler man hier vermeiden will. Hennig nennt die Hafencity in Hamburg und den Potsdamer Platz in Berlin als Vorbilder. Rund um den Park mit seinen alten Bäumen soll eine Campusatmosphäre entstehen. Immerhin gibt es mit dem House of Logistics and Mobility ein interdisziplinär und branchenübergreifend arbeitendes Forschungs- und Bildungszentrum im Flughafenstadtteil. Zäune sind tabu.

Frei über das Gelände bewegen

Beschäftigte, Studenten, Hotelgäste sollen sich frei über das Gelände bewegen können, spazieren oder joggen, in den Sockelgebäuden der nach und nach entstehenden Bürohäuser Kaffee trinken oder etwas essen. In dem Park hat Fraport schon sein Sommerfest gefeiert. Hennig kann sich vorstellen, dass die Gesellschaft ihn hessischen Künstlern für Skulpturen zur Verfügung stellt.

Noch braucht Fantasie, wer sich Gateway Gardens als lebendiges Viertel vorstellen will. An einem grauen Apriltag wirkt das Viertel noch fast ausgestorben. Bagger drehen sich, häufen Erde auf. Mehr parkende Autos als Menschen sind zu sehen. Das aber dürfte sich in wenigen Jahren sehr geändert haben. „Wenn alles gut läuft, sind alle Flächen bis 2021 vermarktet“, sagt Hennig. „2024 oder 2025 könnten alle Gebäude bezogen sein. 18 000 Menschen, so schätzt sie, könnten dann in Gateway Gardens arbeiten.

Vielleicht werden einige ihr Büro gar in einem Hochhaus haben, das nach einem Entwurf der im März gestorbenen Star-Architektin Zaha Hadid entstand. Vier bis zu 80 Meter hohe Türme dürfen auf dem Areal gebaut werden. Außer Hadid hat etwa das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, das die neue EZB kreierte, einen Entwurf beigesteuert. Bindend sind die teils spektakulären und schon auf ihre Verträglichkeit mit dem Luftverkehr geprüften Vorschläge nicht. Im besten Fall aber könnte sich Gateway Gardens als Bürostandort mit außergewöhnlicher Architektur einen Namen machen.

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