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Frankfurt Wuchermieten in der neuen Altstadt

Einige Bewohner der neuen Frankfurter Altstadt vermieten ihre Eigentumswohnungen zu Fantasiepreisen weiter. Für eine Butze von knapp 30 Quadratmetern werden schon mal 1000 Euro Miete im Monat verlangt.

Wohnen in Frankfurt
Gebäude in der neuen Frankfurter Altstadt. Foto: Renate Hoyer

Michael Guntersdorf ist ein Mann der offenen Worte. Das macht ihn oft nicht gerade beliebt bei seinen Gesprächspartnern. Andererseits hat es die Kommune dem Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH zu verdanken, dass es die neue Altstadt überhaupt gibt. Hätte der Manager 2009 nicht das Projekt übernommen und entschlossen vorangetrieben, wäre es möglicherweise im Anfangsstadium steckengeblieben.

Guntersdorf bewältigte auch Konkurse von Baufirmen und politischen Streit im Magistrat. Das jüngste Problem bei der Altstadt aber kommentiert er schlicht mit den Worten: „Die Leute spinnen total.“

Einige Käufer der rund 80 Eigentumswohnungen zwischen Dom und Römer nämlich wollen von der großen Spekulationsblase profitieren, die den Wohnraum in Frankfurt mittlerweile umgibt. Sie vermieten ihre Unterkünfte zu Phantasiepreisen weiter. Sechs Fälle dieser Art hat Guntersdorf in jüngster Zeit festgestellt.

Quadratmeter für 25 Euro und mehr

Das läuft dann so, dass im Internet Anzeigen zu finden sind, in denen Besitzer ihre Altstadtwohnung zum Mieten anbieten, weil sie selbst angeblich „einen längeren Auslandsaufenthalt“ antreten. 

Guntersdorf hat Quadratmetermieten von 25 Euro festgestellt. In einem Fall wurde für eine Wohnung von knapp 30 Quadratmetern 1000 Euro Miete im Monat verlangt. Rein rechtlich, sagt er, seien ihm die Hände gebunden. Die Käufer haben sich beim Kauf nicht vertraglich verpflichtet, selbst in ihren Wohnungen zu leben.

„Die müssen eine Vermietung nicht offenlegen, das ist reiner Zufall, wenn ich was mitkriege“, sagt der Manager. Andererseits ist er gut vernetzt in der Immobilienszene und bekommt dadurch frühzeitig Hinweise auf die Mietspekulanten. „Wenn ich sie kenne, zitiere ich sie zu mir“, sagt der Geschäftsführer. Und dann redet er den Betroffenen ins Gewissen, meist jedoch ohne großen Erfolg.

Nun war von Anfang an klar, dass in den 35 Häusern der neuen Altstadt der soziale Wohnungsbau nicht zum Zuge kommen würde. Es gab Hunderte von Bewerbungen für den Kauf der 80 Wohnungen. Und obwohl doch die Käufer angeblich ausgelost wurden, fanden sich am Ende einige prominente Namen unter den neuen Besitzern.

Bis zu 7000 Euro pro Quadratmeter hatten sie gezahlt für das Privileg, nur ein paar Schritte vom Frankfurter Dom entfernt zu wohnen. Aber bei einigen Käufern ist offenbar die Beziehung zum neuen Standort doch nicht so eng.

Michael Guntersdorf sieht einen Zusammenhang mit den zugespitzten Verhältnissen auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt überhaupt: Jeder kämpft dort gegen jeden und sieht, dass vor allem für ihn selbst ein Vorteil herausspringt.

„Das ist pervers, ganz ehrlich“, urteilt der Geschäftsführer. Aber grundsätzlich sieht er „überhaupt keine Chance“, die teure Untervermietung zu verhindern.

So bekommen die Sprüche der Politiker zur neuen Altstadt eine neue Bedeutung. Mit dem Quartier gewinne Frankfurt sein Herz zurück, hatte erst unlängst Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) festgestellt.

Auch andere Besucher von CDU bis Grüne haben schon mit diesem Bild operiert. Es scheint halt doch ein kaltes Herz, das da in der Banken-Metropole schlägt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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