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Frankfurt und Steinbach Neuer Stadtteil stößt weiter auf Skepsis

Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef wirbt um die Zustimmung von Steinbach zum neuen Frankfurter Stadtteil.

Neuer Stadtteil
Mike Josef sucht das direkte Gespräch mit Steinbachs Bürgermeister Naas. Foto: Renate Hoyer

Wohnhochhäuser soll es keine geben, mit neuen Sozialwohnungen an der Ortsgrenze werde man sich „zurückhalten“ – und sowohl die Verwaltung wie die Bürger Steinbachs sollen in die Planung des neuen Stadtteils im Frankfurter Norden eingebunden werden. Bei seinem Auftritt im Steinbacher Bauausschuss am Dienstagabend hatte Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ein paar vorweihnachtliche Geschenke mitgebracht. 

Doch die große Bescherung blieb aus: In den Grundpositionen gab es keine Annäherung zwischen Großstadt und kleiner Taunus-Kommune. Während die Steinbacher Politiker weiterhin darauf beharren, dass westlich der A5 gar nicht gebaut werden soll, ist das für Josef keine Option. Schließlich sollen in dem neuen Stadtteil einmal bis zu 30 000 Menschen in 10 000 Wohnungen leben. Dafür bekam der Planungsdezernent von Vertretern der Steinbacher FDP seinerseits als Abschiedspräsent eine Sammlung mit 1363 Protest-Unterschriften überreicht. 

Wegen des großen öffentlichen Interesses fand die Sitzung ausnahmsweise im Bürgerhaus statt, doch hitzig wurde es trotz der rund 250 Besucher nur kurz, als Steinbachs Bürgermeister Stefan Naas (FDP) in scharfem Ton Frankfurts vermeintliche Arroganz der vergangenen Jahre gegenüber Steinbach anprangerte und Josef gereizt darauf reagierte, dass Naas anschließend lieber mit seinem Bauamtsleiter tuschelte, anstatt sich die Antwort auf seine Vorwürfe anzuhören. 

Doch die Aufregung legte sich schnell, und zum Ende des Abends gaben sich die beiden Politiker dann fast schon harmonisch. So betonte Naas das gemeinsame Interesse am Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, und Josef signalisierte Gesprächsbereitschaft über die Frankfurter Belegungsrechte für Sozialwohnungen in Steinbach. Zuvor war mehrfach der Verdacht geäußert worden, die Großstadt nutze diese vor allem, um ihre „Problemfälle“ an die Nachbarkommune abzugeben. 

Ein Bürger wollte wissen, ob der neue Stadtteil ein eigenes Polizeirevier bekomme, ein anderer plädierte für einen Radschnellweg in die Frankfurter Innenstadt. 

Das müsse alles noch geprüft werden, erklärte Projektleiter Michael Holthaus vom Stadtplanungsamt. In der kommenden Woche werde der Frankfurter Planungsausschuss zunächst einmal über die vorbereitenden Untersuchungen entscheiden. Erst wenn die in zwei Jahren abgeschlossen seien, werde sich herausstellen, ob das vorgesehene Areal überhaupt bebaut werden könne.

Mike Josef sagte zu, dass zunächst die Fragen des Verkehrs und des Lärmschutzes geklärt würden, bevor in dem neuen Stadtteil Wohnungen entstehen. Er stellte in Aussicht, dass die U6 bis nach Steinbach verlängert und die S-Bahn-Linie 5 eine weitere Haltestelle bekommen könnte. 
Wie Frankfurt denn 30 000 Menschen auf knapp 200 Hektar unterbringen wolle, ohne Hochhäuser zu bauen, wollte die FDP-Fraktionsvorsitzende Astrid Gemke wissen. Schließlich lebten in Steinbach derzeit 10 000 Menschen auf einer gleich großen Fläche – und die sei schon dicht bebaut. 

Eine Blockrandbebauung mit vier bis fünf Geschossen sei dafür ausreichend, erwiderte Josef. Die Gebäudehöhen in Richtung Taunus könnten auf Wunsch der betroffenen Kommunen auch niedriger ausfallen. „Über Masse und Dichte westlich der A5 wollen wir nicht allein entscheiden“, warb er für eine interkommunale Zusammenarbeit. 

Sabine Schwarz-Odewald (Grüne) konnte er damit nicht überzeugen. „Sie hauen uns einen Riesenklotz hin“, befürchtete sie. Und die Trennung durch die A5 werde dazu führen, dass Frankfurt nicht nur einen, sondern gleich zwei neue Stadtteile bekomme.

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