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Frankfurt Neues Wohnen am Günthersburgpark

Frankfurt könnte in Sachen Wohnen einiges von Zürich lernen. Die Infobörse im Römer wirft einen Blick auf genossenschaftliche Projekte - ein Modell, von dem sich die Stadtplaner am Main einige Ideen für das geplante Innovationsquartier am Güntherburgpark abschauen könnten.

Frankfurt könnte in Sachen Wohnen einiges von Zürich lernen. Foto: Alex Kraus

Wer in Zürich eine Wohnung sucht, der hat es schwer. Das kommt dem Frankfurter auch irgendwie bekannt vor. Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen kann aber noch mehr Parallelen zwischen Frankfurt und Zürich ziehen. Sie zählt am Samstagmorgen im Plenarsaal des Römer bei der Eröffnung der 9. „Infobörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen“ auf: „Zürich ist ebenfalls ein Finanzzentrum, eine reiche Stadt, hat knappe Ressourcen.“ Nur eines ist in Zürich völlig anders: Es gibt mehr Genossenschaften, sie stemmen zahlreiche innovative Wohnprojekte für urbanes Miteinander und 20 Prozent der Wohnungen sind in Gemeinschaftsbesitz.

So wie das Projekt der Genossenschaft Kraftwerk 1. Andreas Hofer hat es gegründet und spricht von „Wohnraumrevolutionären“ und einem „politischen Projekt“. Denn es geht um einen Gegenentwurf zur zersiedelten Stadt, um unterschiedliche Modelle des Zusammenlebens. So gibt es in der Siedlung der Genossenschaft einen breiten Mix aus Wohnungstypen, vom Atelier bis zur Großwohngemeinschaft. Es geht weg vom Standardmodell für die Kleinfamilie und bei sich ändernden Lebensumständen kann die Wohnung den neuen Bedingungen angepasst werden.

Mehr Gemeinschaftsfläche

Die Siedlung, sie ist eine kleine Stadt in der Stadt. Denn auch Läden, Cafés und Hotels sind dort untergebracht. „Die Bewohner können in dem Hotel etwa ihre Besucher unterbringen“, sagt Hofer. „Da braucht man dann schon mal kein Gästezimmer mehr.“ Denn auch darum geht es in den Wohnprojekten in Zürich: Der Einzelne hat weniger Fläche, aber dafür gibt es viel Gemeinschaftsfläche. „Da kann man sich ganz anderes Wohnen vorstellen, als es bisher gibt“, sagt Marion Goerdt, Architektur-Professorin an der FH Trier. Da es immer mehr Einpersonenhaushalte gebe, entstehe ein enormer Flächenbedarf. „Durch gemeinschaftliches Wohnen kann aber Fläche pro Person gespart werden und trotzdem hat der Einzelne einen Zugewinn.“

Doch was in Zürich gut funktioniert, lässt sich nicht ganz so einfach auf Frankfurt übertragen. „Die Gebäude in den Siedlungen stehen in Zürich sehr dicht aneinander“, sagt Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), der die Infobörse eröffnete. „Das gäbe bei uns gleich eine riesige Debatte über Architekturdichte.“ Aber man habe schon den Anspruch, ein vergleichbares Projekt zu realisieren, am besten über die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften.

Nicht in der Größenordnung wie in Zürich für 1300 Leute. Aber etwa im Innovationsquartier, das am Günthersburgpark entstehen soll. „Da könnte man mal Wohnformen neu durchdenken und entwickeln“, sagt Cunitz.

Auf der Infobörse konnten sich die Besucher jedenfalls schon mal an 40 Ständen einen Überblick darüber verschaffen, was es an gemeinschaftlichem und genossenschaftlichem Wohnen in Frankfurt und der Region bereits gibt. „Es gibt so viel Bedarf an Wohnraum“, sagt Kasper. Aber riesige Ressourcen werde es in absehbarer Zeit kaum mehr geben. „Deswegen brauchen wir diese anderen Wohnformen.“

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