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Frankfurt Hauptstadt der Wohntürme

Das Leben im Hochhaus boomt in Frankfurt. Die Stadtplaner beraten derzeit über nicht weniger als fünf – bisher nicht öffentlich bekannte – Wohntürme. Genaue Adressen nennt die Stadt noch nicht. Nach Informationen der FR konzentriert sich das Interesse der Investoren auf die City.

Deutschlands höchstes: das geplante Wohnhochhaus „Tower 2“ im Europaviertel. Foto: Visualisierung: Kaminiarz

Im Römer ist Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) durchaus stolz auf die Entwicklung. „Wir sind die Stadt der Hochhäuser – und deshalb ist es kein Zufall, dass dieser neue Trend hier bei uns entsteht“, sagt Cunitz-Sprecher Mark Gellert. Frankfurt soll Hauptstadt der Wohnhochhäuser in Deutschland werden. Das Geld der Investoren, das früher die Bürotürme finanzierte, fließt jetzt in Wohntürme.

„Der Wohnungsbau ist als Investition zur Zeit interessanter als die Büros“, urteilt Gellert. In der Folge überschlagen sich die Hochhaus-Projekte. Bei den städtischen Planern sind nicht weniger als fünf – bisher nicht öffentlich bekannte – Wohntürme „in Beratung“, wie Gellert sagt. Die Stadt will noch keine präzisen Adressen nennen. Nach Informationen der FR konzentriert sich das Interesse der Investoren auf die City. So gibt es Grundstückseigentümer an der Junghofstraße, die Projekte im Römer vorgestellt haben. An der Junghofstraße steht bereits das Eurotheum-Hochhaus, zum Teil ein Wohngebäude, dessen Büroteil von der Europäischen Zentralbank (EZB) genutzt wird.

Drei Wohntürme im Europaviertel

„Die Grundstücksbesitzer stoßen die Entwicklung an“, bestätigt Gellert. Die Planer prüften jetzt im einzelnen, „ob diese Vorhaben verträglich sind“. Dabei geht es etwa um die Frage, welche Schatten die neuen Türme werfen und ob sie überhaupt städtebaulich verträglich sind.

Die fünf neuen Projekte kommen auf einen Frankfurter Markt, auf dem sich schon Wohn-Hochhäuser tummeln. Wer im Hochhaus wohnen möchte, muss allerdings viel Geld mitbringen – es wachsen immer neue Luxus-Projekte in der Stadt.

Der „Tower 2“ entsteht im Europaviertel neben dem Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ als höchstes reines Wohngebäude in Deutschland – mit einer Höhe von 160 Metern. Die Architektur kommt vom neuen Frankfurter Büro Magnus Kaminiarz.

Allein drei weitere Wohntürme sind im Europaviertel in Arbeit: Das 60 Meter hohe Luxus-Hochhaus „Axis“ westlich der Emser Brücke wirbt mit „spannenden Blickachsen zwischen Frankfurter Skyline, Taunus, Odenwald und dem Europaviertel“. Bauherr ist die Wilma Wohnen Süd. Anfang 2016 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Die landeseigene Nassauische Heimstätte-Tochter ProjektStadt ist Bauherr des Turms „Praedium“. Das 66 Meter hohe Hochhaus mit 242 „exklusiven Eigentumswohnungen“ wirbt mit „Wohnen wie am Central Park“. Es soll Ende 2016 fertiggestellt sein.

Ganz in der Nähe wächst der „Westside Tower“, knapp 70 Meter hoch, mit 248 Mietwohnungen. Der Bauherr „Revitals Real Estate“ in Hamburg beruft sich auf die Vorbilder „urbanen Wohnens wie in New York, Chicago und London“.

In Sachsenhausen am Hainer Weg ist das neue Henninger-Hochhaus im Bau. Der 130 Meter hohe Turm bringt 120 Luxus-Eigentumswohnungen.

Nicht nur Luxus

Das ist noch längst nicht alles. An der Stiftstraße in der Innenstadt, auf dem früheren Telekom-Grundstück, sind sich Stadt und Investor Corpus Sireo über den Bau von drei kleinen Türmen einig geworden: 40, 50 und 80 Meter hoch. Neben Büros entstehen hier auch 181 Wohnungen, davon 55 öffentlich geförderte.

Auf dem Grundstück Oberlindau 76-78 im Westend wird gerade ein alter Büroturm der 70er Jahre zu Frankfurts luxuriösestem Wohnhochhaus umgebaut. Während die Nachbarn unterm Baulärm stöhnen, freuen sich die Bauherren der Luxus-Eigentumswohnungen über Preise ab 13 000 Euro pro Quadratmeter.

Am Güterplatz, auf dem lange brachliegenden Telenorma-Areal, hat die städtische Planung die Weichen in Richtung Wohnen neu gestellt. Statt eines 180 Meter hohen Bürohochhauses, für das sich kein Investor fand, entstehen jetzt bis zu 800 Wohnungen. Dabei sind drei Türme von bis zu 90 Metern Höhe geplant.

Die städtischen Planer verteidigen sich gegen den Vorwurf, die neuen Wohn-Hochhäuser brächten nur Reichen eine neue Heimat. „Man kann nicht sagen, dass da nur Luxus entsteht“, sagt Cunitz-Sprecher Gellert. Er erinnert an den schwarz-grünen Grundsatzbeschluss, bei neuen Bebauungsplänen 30 Prozent der Unterkünfte für öffentlich gefördertes Wohnen zu reservieren. Das ist freilich wenig genug.

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