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Frankfurt Groß-WG gegen den Leerstand

Ein Wohnprojekt in der Niddastraße könnte zum Vorbild für Büroumwandlung werden. Zukünftige Mieter haben das notwendige Geld beisammen

Wohnprojekt
Jeronimo Voss vom Wohnprojekt Nika vor der Ausstellung im Stadtteilbüro Bahnhofsviertel. Foto: Boeckheler

Im dritten Anlauf soll es endlich klappen. Seit 2012 versucht Jeronimo Voss in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt unterzukommen. Zunächst engagierte er sich mit seinen Künstlerkollegen in der Projektgruppe Philosophicum in Bockenheim; als das nicht klappte, wollte die Gruppe das alte IHK-Gebäude am Offenbacher Marktplatz übernehmen und in Wohnraum umgestalten. In beiden Fällen scheiterten die Versuche an den profitorientierten Interessen der Eigentümer.

Seit vergangenem Jahr nun will die Gruppe ein großes Bürohaus im Bahnhofsviertel übernehmen. Für das „Projekt Nika“, Niddastraße/Ecke Karlstraße, sieht es gut aus. „Ich habe keine Angst, dass es diesmal nicht klappen könnte“, sagt Voss. Die politischen Voraussetzungen scheinen günstiger, denn die Projektgruppe hat die Zusage für das Gebäude vom städtischen Liegenschaftsfonds, den das Nika-Konzept überzeugte. Die mindestens geforderten 720 000 Euro Eigenkapital haben Voss und seine Mitstreiter mittlerweile auch zusammen. „Und die Leute überweisen uns immer noch Geld“, freut sich der 36-Jährige.

In einer Ausstellung im Stadtteilbüro in der Gutleutstraße 16a können sich Interessierte die Entwürfe für das gemeinsame Wohnen in der Niddastraße anschauen. Der ehemalige Städelschüler Voss hatte die Idee, die geplanten Grundrisse der sechs Wohnetagen auf Fensterglas zu bannen, um sie übereinanderlegen zu können. Die Ausstellung kommt gut an. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir hier mal so viele Besucher hatten“, sagt Julia Wahl vom Stadtteilbüro.

Das Interesse an dem Projekt selbst ist ebenfalls groß. Für 42 Menschen soll nach dem Umbau Platz sein, 35 sind schon gefunden. Auch die restlichen Mieter der Niddastraße 59 dürften sich bei Kaltmieten unter zehn Euro finden lassen. Der Projektgruppe schweben 7er-Wohngemeinschaften mit je 206 Quadratmetern Wohnfläche vor, inklusive 50 Quadratmeter Gemeinschaftsftsküche.

Wunsch nach Kontinuität

Voss wohnt seit 2003 in einer Dreier-WG am Lokalbahnhof, die Mitbewohner wechselten häufig. „Ich hatte teilweise das Gefühl, in einer Bushaltestelle zu leben.“ Diese „Transitstimmung“ hofft er in der Niddastraße loszuwerden, denn die Gleichgesinnten, die er teilweise schon seit Studienzeiten kennt, versprechen eine gewisse Kontinuität. Voss ist aber auch generell vom Konzept einer Groß-WG überzeugt und glaubt, dass ehemalige Büroimmobilien dafür gut geeignet sind. Er sieht das Projekt daher auch als „öffentliche Aufgabe“, um möglichen ähnlichen Projekten den Weg zu ebnen.

Leerstehende Büroräume gibt es in Frankfurt genug. Birgit Kasper vom Frankfurter Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen verdeutlicht allerdings ein grundsätzliches Problem: „Wir würden so was wie in der Niddastraße gerne häufiger machen, aber die Eigentümer stellen uns die Flächen nicht zur Verfügung.“ In anderen Städten würden solche Umwandlungen häufiger als vorgenommen.

In der Niddastraße sollen 2019 die ersten Mieter einziehen. Der Zeitplan ist etwas in Verzug geraten, was nicht an der Projektgruppe liegt, sondern an der Stadt, die noch Klärungsbedarf für den Erbpachtvertrag sah. Spätestens im September soll das Projekt von der Stadtverordneten versammlung abgesegnet werden, heißt es im Büro von Stadtrat Jan Schneider (CDU).

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