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Frankfurt Erstes Votum für neuen Stadtteil

Die Koalition im Römer beschließt trotz des heftigen Protests den ersten Schritt hin zu einem neuen Stadtteil im Frankfurter Norden. Ein Anwohner geht Mike Josef persönlich an.

Neuer Stadtteil
Heute noch landwirtschaftlich genutzt: Hier soll der neue Stadtteil gebaut werden. Foto: Christoph Boeckheler

Ungeachtet des heftigen Protests verschiedener Bürgerinitiativen hat die Römer-Koalition am Montagabend den ersten Schritt hin zu einem neuen Stadtteil im Frankfurter Norden beschlossen. Im Planungsausschuss des Rathauses votierten CDU, SPD und Grüne für „vorbereitende Untersuchungen“ der Flächen beiderseits der Autobahn 5.

Bis 2019 soll jetzt geklärt werden, ob und wie dort Wohnungen für bis zu 30 000 Menschen gebaut werden können. In einem Zusatzantrag versprach die Koalition den Menschen, der neue Stadtteil sei zwar „politisch gewollt“, die Untersuchungen blieben aber dennoch „ergebnisoffen“. Am Ende werde der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung die Ergebnisse zur Entscheidung vorlegen.

Etwa 50 Vertreter von Bürgerinitiativen, darunter auch Kinder und Jugendliche, liefen Sturm gegen die Entscheidung. Sie protestierten vor allem gegen die Vernichtung von Ackerland und Grün. „Wo kein Vogel mehr singt, werden bald keine Kinder mehr spielen“, sagte Anwohnerin Sabine Levy voraus. Sie prophezeite Ebbelwein „aus chinesischem Konzentrat, weil es keine Streuobstwiesen mehr gibt.“

Rüdiger Hansen vom Bürgerverein 71 beklagte, das Vorgehen der Stadtverordneten sei „unredlich, fachlich lückenhaft und politisch einseitig“. Martin Struwe von der Initiative „Heimatboden Frankfurt“ fragte, wie man die Menschen schützen wolle „vor Lärm und giftigen Abgasen“ durch die Autobahn. Anwohner Karl-Josef Rühl urteilte: „Wir sind an den Grenzen unseres Wachstums angekommen.“

Rühl ging Planungsdezernent Mike Josef (SPD) auch persönlich an. Er sagte: „Wir wollen keine Regionen, die zusammenbrechen wie dort, wo Herr Josef herkommt.“ Mike Josef war im Alter von sechs Jahren als Flüchtlingskind aus Syrien nach Deutschland gelangt.

BI-Vertreter kündigt „einen richtigen Aufstand“ an

Der Stadtrat, der sichtlich getroffen wirkte, meldete sich zu einer persönlichen Erklärung zu Wort. Er sagte unter anderem: „Syrien ist ein Bürgerkriegsland. Meine Cousine und meine Tante bangen dort immer noch darum, ob sie die nächsten Tage überstehen – ich kann nur hoffen, dass wir nie in einer solchen Situation sein werden wie in Syrien.“

Ein Vertreter einer Bürgerinitiative kündigte den Stadtverordneten „einen richtigen Aufstand“ an: „Das kommt auf Sie zu!“ Am Samstag, 9. Dezember, wollen sich Gruppen aus Frankfurt, Steinbach, Oberursel und anderen Orten zu einem „Dachverband“ zusammenschließen. Treffpunkt ist um 19 Uhr im Cafe „Mutz“ in Niederursel.

Der Planungsdezernent und die Vertreter der Römer-Koalition versuchten vergeblich, die Menschen zu beruhigen. Josef versprach: „Wir werden Sie einbeziehen – es wird keine Planung über ihre Köpfe hinweg geben.“ CDU-Sprecher Nils Kößler nannte es „blanken Unsinn“, dass bereits eine Entscheidung für den neuen Stadtteil gefallen sei. Auch SPD-Sprecher Sieghard Pawlik beteuerte: „Das ist nur eine Voruntersuchung“. Er rief zum „Dialog beider Seiten“ auf, aber vergeblich.

Die Römer-Koalition beschloss auch, „baldmöglichst“ ein beratendes „Consilium neuer Stadtteil im Frankfurter Nordwesten“ zu berufen. Stadtplaner, Ökologen, Sozialwissenschaftler sollen Vorschläge für eine „städtebaulich attraktive und ökologisch beispielhafte Stadtentwicklung“ machen.

Vorbild ist das „Consilium Stadtraum Main“, dessen Fachleute aus verschiedenen Ländern den Magistrat Anfang der 90er Jahre beim Bau von Wohnvierteln am Fluss und der Öffnung der Ufer für die Allgemeinheit beraten hatten.

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