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Ernst-May-Viertel Platz für 10.000 Menschen

Planungsdezernent Cunitz stellt detaillierte Pläne für das Ernst-May-Viertel mit 4000 Wohnungen vor. Der Magistrat stimmt am 22. April ab.

Im vergangenen Oktober gab die Blumen-Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße ihren Betrieb auf. Dort sollen Wohnunen entstehen. Foto: Christoph Boeckheler

Innerhalb der nächsten zwölf Jahre sollen im Ernst-May-Viertel im Nordend, in Seckbach und in Bornheim 4000 Wohnungen für 10.000 Menschen entstehen. Mit der Siedlung „Wohnen am nördlichen Günthersburgpark“ auf dem Gelände der einstigen Gärtnerei Friedrich könnte noch 2016 begonnen werden. Über Grünanlagen sollen die acht neuen Siedlungen verbunden werden. Zentraler Punkt ist die Einhausung der Autobahn 661, über der eine „Grüne Mitte“ entstehen soll, wie Planungsdezernent Olaf Cunitz das 331 Millionen Euro Projekt betitelt. Er stellte die Pläne am Montag vor, nachdem die FR am Samstag berichtet hatte.

Die Einhausung sei Kern der Planungen, so der Grünen-Politiker. Untersuchungen hätten ergeben, dass eine Einhausung auf 400 Metern so effektiv sei wie eine auf 1200 Meter – dafür aber nur 90,9 Millionen Euro statt 212,5 Millionen koste. Gebäudeblöcke in den neuen Siedlungen entlang der Autobahn sollen vor und hinter der Deckelung als Lärmschutzwall dienen.

Cunitz plant bei der Entwicklung des 121 Hektar großen Areals in drei Teilabschnitten. Von 2016 bis 2023 sollen die Gebiete Atterberry-Ost, Wohnen am nördlichen Günthersburgpark und Innovationsquartier entstehen. Die Aufstellungsbeschlüsse sollen am 22. April vom Magistrat verabschiedet werden und dann im Stadtparlament und in den Ortsbeiräten diskutiert werden.

220 Wohneinheiten

Atterberry-Ost schließt sich östlich des Bodenwegs an die Siedlung New Atterberry an. 220 Wohneinheiten in Gebäuden mit drei bis sechs Geschossen sollen entlang der A661 entstehen. „Auf die Errichtung einer Lärmschutzwand kann zugunsten der Schaffung von Wohnraum verzichtet werden“, sagte Cunitz und verglich das Vorhaben mit der Papageiensiedlung an der A66.

Das Innovationsquartier soll zwischen Friedberger Landstraße, Wasserpark, Günthersburgpark und Dortelweiler Straße Platz für 1500 Wohnungen bringen. Dafür müssen rund 100 Freizeitgärten weichen, der Abenteuerspielplatz muss eventuell verlegt werden. „Der Spielplatz wird nicht aus der Nachbarschaft verschwinden“, versprach Cunitz. Für die Freizeitgärtner werde ein Managementcenter errichtet, um mögliche Ausgleichsflächen am Frankfurter Bogen, am Huthpark und am Lohrberg zu vermitteln. Das Gebiet solle mit modernen, innovativen Ansätzen in Sachen Mobilität, Regenwassernutzung und Energieversorgung punkten.

„Ich glaube nicht, dass wir innerhalb der nächsten zwölf Monate Baurecht für eine der Siedlungen bekommen“, sagte Cunitz. Er gehe davon aus, dass es bis zum Bebauungsplan zwei bis drei Jahre dauere. Auf dem Gelände der Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße könnte es mit den 100 Wohnungen schneller gehen, denn es bedarf nur eines Änderungsbeschlusses. Laut Aufstellungsbeschluss will Cunitz das Gebiet im beschleunigten Verfahren entwickeln. Dafür muss der Flächennutzungsplan noch nicht geändert sein, eine Umweltprüfung ist nicht notwendig, da es sich um bereits versiegelte Flächen handelt.

„Die ersten Bagger können schnell kommen“, so Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamtes. Ein Lärmschutzkonzept für die Merianschüler sei in Planung. Die Schule ist ab Herbst für zwei Jahre auf das Areal des Grünflächenamtes daneben ausgelagert. Diese Fläche wird danach Teil des Günthersburgparks.

Noch keine Aufstellungsbeschlüsse

Für die weiteren Siedlungsgebiete gibt es noch keine Aufstellungsbeschlüsse, sie werden im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme geplant. In der zweiten Phase entstehen zwischen 2019 und 2027 die Wohngebiete An den Röthen mit 260, der Katharinen-Campus mit 350 und Nördlich-Friedrich-Ebert-Schule mit 330 Wohnungen, zusätzlich wird der Huthpark im Süden erweitert. In der dritten Phase soll die Festeburgsiedlung in Seckbach um 680 Wohnungen erweitert werden, das Gebiet südlich der Seckbacher Landstraße um 350. Letztere sollen, genau wie Atterberry-Ost und Katharinen-Campus, aus Lärmschutzwall-Gebäuden bestehen. Cunitz rechnet mit der Einhausung der A661 von 2023 bis 2025, als Abschluss entstünde bis 2028 auf dem Deckel die Pflanzung der „Grüne Mitte“ an. Die Stadt geht davon aus, dass der Bund sich mit 33 Millionen an der Einhausung beteiligt und durch Grundstücksverkäufe 126,5 Millionen eingenommen werden.

Cunitz sieht durch den Bau eine Chance, auch die Luftzufuhr für die innenstadtnahen Stadtteile zu verbessern. Durch die Tallage und die Autobahn würde die Kaltluft stecken bleiben. Für den Wetterauwind sollten im Innovationsquartier Windschneisen freigehalten werden. Ein Arten- und Naturschutzgutachten soll bis Herbst Auskunft über Flora und Fauna rund um den Günthersburgpark geben. „Die Singvögel werden ein Problem sein“, sagte Hunscher. Man müsse dann Ausgleichsräume entwickeln.

In allen Neubauquartieren gelte das Credo der Stadt, 30 Prozent geförderten Wohnraum zu errichten. „Letztlich muss die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. Aber ich werbe uneingeschränkt für das Vorhaben“, sagte Cunitz. „Das ist Nachverdichtung per excellence“, sagte Hunscher.

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