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Demo Mietwahnsinn in Frankfurt Protest gegen Mietwahnsinn

Tausende demonstrieren in Frankfurt gegen ständig steigende Mieten und für bezahlbaren Wohnraum.

Demo gegen den Mietpreiswahnsinn
Der „Mietwahnsinn“ bringt Tausende auf die Beine: Start der Demo in der Kaiserstraße. Foto: Monika Müller

Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, bahnen sich ein paar große luftgefüllte Würfel ihren Weg über die Teilnehmer. „Mieten weg“ steht auf einer der Würfelseiten. Immer wieder werden sie von in die Luft gestreckten Händen weitergestoßen. bis sie auf eine Gruppe von Menschen in aufgeblasenen Kugeln treffen. Die haben leider keine Hände frei, um die Würfel weiterzugeben. Und sie müssen auch aufpassen, dass sie nicht platzen, diese kleinen Immobilienbläschen. Was an eine Karnevalsszene erinnert, hat einen ernsten Hintergrund: Tausende Menschen demonstrierten am Samstag in Frankfurt gegen den „Mietwahnsinn in Hessen“ und forderten die Politik auf, zu handeln.

Nach Angaben der Polizei nahmen mindestens 5000 Menschen an der Demonstration vom Hauptbahnhof bis zum Roßmarkt teil. Auch Jürgen Ehlers von der Nachbarschaftsinitiative Nordend-Bornheim-Ostend (NBO) marschierte mit. „In Frankfurt gibt es zu wenig bezahlbaren Wohnraum und die meisten Menschen können die geforderten Mieten nicht mehr bezahlen“, sagte Ehlers verärgert. Die Stadt- und Landespolitik müsse endlich dafür sorgen, dass ausreichend preiswerter Wohnraum gebaut werde.

„Sie müssen die Wohnungsbaugesellschaften dazu einsetzen, aber es wird einfach nicht gemacht“, berichtete der Frankfurter. Seit Jahren weise die Initiative darauf hin. Ehlers war froh, dass endlich auch mal eine große Gruppe Menschen auf das Problem aufmerksam machte.

Tatsächlich hatten sich nicht nur Frankfurter der Demo angeschlossen. Auch Teilnehmer aus Mainz, Darmstadt und Offenbach waren gekommen, um auf die ebenfalls bedrohliche Situation in ihren Städten aufmerksam zu machen. Mit gebastelten Haien, Häusern aus Pappe sowie Bannern, Fahnen und Schildern wurde die Mietproblematik kreativ sichtbar gemacht.

Laurenz war aus Darmstadt angereist. Seinen Nachnamen wollte er nicht nennen. „Ich bin hier, um ein Zeichen gegen die immer weiter steigenden Mieten zu setzen“, sagte der Student. Man dürfe das Feld nicht profitorientierten Unternehmen überlassen. Er selbst habe zwar schnell eine WG in Darmstadt gefunden, aber er kenne viele, die deutlich länger nach einer bezahlbaren Bleibe suchten.

„Die Problematik ist ja eigentlich bekannt, trotzdem will ich heute dem ganzen Nachdruck verleihen.“ Laurenz forderte, den Leerstand in den Städten anzugehen und Sanktionen gegen Investoren zu verhängen, die Wohnraum nicht vermieten. Zudem brauche es eine richtige Mietpreisbremse, die auch greife.

Auf Höhe des Willy-Brandt-Platzes zündete mindestens ein Demoteilnehmer eine Rauchbombe. Die Polizei registrierte den Auflagenverstoß, schritt aber nicht in den Fortgang der Demo ein. Insgesamt sei die Veranstaltung friedlich über die Bühne gegangen, so die Polizei. Der Großteil der Teilnehmer versuchte, ohne Rauch Aufmerksamkeit zu erregen. Sie präsentierten Schilder mit Sprüchen wie „Baut Baumhäuser“, „Vonovia enteignen“ oder „Reiche Eltern für alle“. Am Kornmarkt sang ein Chor am Straßenrand das Einheitsfrontlied, in das auch einige Demonstranten einstimmten.

Teilnehmerin Gerda – auch sie wollte ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen – berichtete, dass im Westend ganz in ihrer Nähe Luxuswohnraum entstehe. Schon jetzt zahlten manche Nachbarn 3000 Euro für eine Wohnung. „Bald trifft es jeden, die Mieten steigen ständig an“, sagte sie, während sie ihre rote „Stadt für alle“-Fahne nach oben hielt. Sie sei bei der Demo dabei, weil ein noch größeres Augenmerk auf das Thema gelegt werden müsse. Der soziale Wohnungsbau müsse stärker fokussiert werden.

Auch Ute M. aus Frankfurt forderte, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG nur noch geförderten Wohnraum bauen solle. Die Politik brauche den Druck von unten, um zu handeln. „Die Politiker haben bei dem Thema zu lange geschlafen.“ Angesichts der Bedeutung des Wohnungnotstands seien 5000 Demonstranten noch lange nicht genug.

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