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Demo in Frankfurt Kampf gegen den „Mietenwahnsinn“

Conny Petzold hat den Mietentscheid mitorganisiert und die für Samstag geplante Großdemonstration gegen Mietenwahnsinn. Nur Druck von unten kann etwas ändern, ist die Aktivistin überzeugt.

Conny Petzold
Conny Petzold vor einem Café in Bockenheim. Sie will Mieter vor Verdrängung schützen. Foto: C. Boeckheler

Die heiße Phase läuft. Am Samstag will Conny Petzold mit so vielen Menschen wie möglich in Frankfurt für eine andere Wohnungspolitik auf die Straße gehen, gegen Spaltung und Verdrängung protestieren. Nun gilt es für sie und die anderen Aktivisten, die zur Großdemonstration gegen den „Mietenwahnsinn“ aufrufen, noch einmal kräftig zu mobilisieren. Mehr als 40 Gruppen, darunter der DGB Hessen-Thüringen, die Hessischen Landesverbände des Deutschen Mieterbundes und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sowie viele wohnungs- und stadtpolitische Initiativen unterstützen die Kundgebung. Petzold rechnet mit mindestens 7000 Teilnehmern. So viele zeigten vor Kurzem in Frankfurt gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung Gesicht.

Parallel kämpft die 31-Jährige als eine der Initiatorinnen des Mietentscheids dafür, dass die Frankfurter die Chance bekommen, über die Geschäftspolitik der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG zu entscheiden. Sie vertritt die Forderungen der Initiative nach außen, macht Netzwerkarbeit, organisiert. Und das alles zusätzlich zu ihrem Job beim Mieterschutzverein „Mieten helfen Mietern“. Lange Tage sind da programmiert.

Mit Gentrifizierung hat sich die in Dresden aufgewachsene Politologin, die erst in Jena, dann an der Frankfurter Goethe-Uni auch Soziologie und Humangeografie studierte, zunächst wissenschaftlich beschäftigt. Früh hat sie sich auch politisch gegen die Verdrängung von Menschen aus ihren angestammten Vierteln eingesetzt, in Gruppen wie der Initiative „Stadt für Alle – Wem gehört die ABG?“. Inzwischen hat sie das Thema auch persönlich eingeholt, wie sie es am Freitag bei einem Gespräch in einem Bockenheimer Café formuliert.

Mit ihrem Partner und ihren einjährigen Kind wohnt sie in einem Hochhaus in Rödelheim, das die Darmstädter Schader-Stiftung im Bestand modernisieren lässt. Das ist nun schon seit vergangenem Jahr eine Baustelle. Der Lärm sei ziemlich zermürbend, sagt sie. Immerhin habe die Bauaufsicht auf Druck der Bewohner inzwischen Lärmpausen angeordnet. Nur einer von zwei Aufzügen ist derzeit in Betrieb. Und das für etwa 150 Haushalte.

Nach der Modernisierung soll sie statt einer Kaltmiete von zehn Euro pro Quadratmeter 12,50 zahlen. Anderen Mietern sei gar eine Erhöhung von 45 Prozent angedroht worden. Die Stiftung nehme zumindest billigend in Kauf, dass Mieter auszuziehen müssen und neue zahlungskräftigere Bewohner einzögen, sagt Petzold.

Einfach hinnehmen wird sie das nicht. Seit vielen Monaten wehrt sie sich mit vielen anderen Bewohner des Hauses gemeinsam und sehr öffentlich gegen das ihrer Ansicht nach unzulässige Vorgehen des Eigentümers. Anders gehe das auch nicht, sagt Petzold. Wer so etwas alleine für sich durchstehen müsse, werde krank.

Die Aktivistin vermeidet es zu moralisieren, beschreibt lieber die Situation, statt dauernd zu werten. Auch wo sie das Anliegen der Initiativen öffentlich vertritt, bei Podiumsdiskussionen etwa, bleibt sie fast nüchtern, wird nicht laut, emotional, sondern argumentiert. Das aber mit Nachdruck.

In die kommenden Wochen sieht Petzold mit Optimismus, spricht von neuen Perspektiven, die aufploppten, der Möglichkeit, dass sich die Wohnungspolitik, die sie im Land wie in Frankfurt als investorengetrieben wahrnimmt, in eine andere Richtung entwickele. Hofft und kämpft dafür, dass das Wohnen wieder als Teil der Daseinsvorsorge begriffen und nicht dem Markt überlassen wird, setzt sich für eine Stadt ein, die sich nicht nur Menschen mit viel Geld leisten können, sondern die Lebensraum für alle bietet, wirbt für eine neue Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen.

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