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Campus Bockenheim „Der Kulturcampus wird kein Luxuswohnort“

ABG-Chef Frank Junker spricht im Interview mit der FR über Sozialwohnungen, die Verzögerung des Großprojekts und die Schwierigkeit, alles Geplante unterzubekommen.

Frank Junker | ABG Holding
ABG-Chef Frank Junker Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Frank Junker (59) ist Geschäftsführer des städtischen Immobilienkonzerns ABG Frankfurt Holding. Die ABG hat im Jahr 2011 ein 16,5 Hektar großes Areal des alten Universitätscampus in Bockenheim vom Land Hessen gekauft. Der soll sich in einen Kulturcampus verwandeln, der Platz für die Hochschule für Musik, weitere kulturelle Einrichtungen, aber auch Wohnungen und Büros bietet.

Herr Junker, wird der Campus Bockenheim ein Wohngebiet für Reiche?
Nein. Er wird kein Wohngebiet für Reiche. Es werden 30 Prozent geförderter Wohnungsbau geschaffen. Auf 15 Prozent der Fläche entstehen gemeinschaftlicher und genossenschaftlicher Wohnraum. Wir wollen keinen Luxuswohnort kreieren. Wir stehen für Wohnen für alle auf dem Campus.

Auf dem früheren AfE-Gelände entsteht ein Hochhaus, dessen Wohnungen so teuer wie möglich vermarktet werden sollen. Ist das denn Wohnen für alle?
Wir haben immer betont, dass wir die Flächen auf dem AfE-Areal nicht selbst entwickeln, sondern veräußern werden. Dieses war als gewerblich genutzter Standort vorgesehen. Die Wohnungen, die in dem Hochhaus entstehen, zählen also nicht zu den 1200 Wohnungen, die wir auf dem Campus errichten wollen.

Der Eindruck ist trotzdem: Auf dem Campus entstehen Wohnungen, die sich Normalverdiener nicht leisten können.
Ich kann die Kritik verstehen. Eigentlich ging ich davon aus, dass das AfE-Areal als letztes bebaut wird. Dass es jetzt ausgerechnet dort losgeht und hochpreisiger Wohnraum entsteht, stört mich schon. Auch die Aussagen des Investors, dass möglichst hohe Mieten und Preise erzielt werden sollen, ärgern mich. Die Stadt Frankfurt und die ABG verfolgen ein anderes Konzept.

Sozialwohnungen fehlen bisher auf dem Campus.
Nein. Es gibt bereits geförderten Wohnungsbau an der Gräfstraße.

Nur sogenannte Mittelstandswohnungen.
Stimmt. Es bleibt aber dabei: Es werden 30 Prozent geförderte Wohnungen entstehen, davon die Hälfte im ersten Förderweg, also für 5,50 Euro Miete pro Quadratmeter.

Wo sollen all die Wohnungen denn noch Platz finden auf dem Campus?
Viele Wohnungen werden im Bereich Gräfstraße/Robert-Mayer-Straße und Emil-Sulzbach-Straße/Robert-Mayer-Straße entstehen, einige auch auf dem Labsaal-Areal. Außerdem wird es einen Ergänzungsbau geben am Studentenwohnheim an der Bockenheimer Warte. Es gibt allerdings ein Problem: Das Land Hessen will, dass die Musikhochschule auf dem Areal des Juridicums statt auf dem Gelände der Uni-Bibliothek errichtet wird. Wenn diese die komplette Fläche des Juridicums benötigt, können dort die eigentlich geplanten Wohnungen nicht entstehen.

Dann können Sie die Zahl von 1200 Wohnungen nicht halten.
Ja. Die Quote an gefördertem Wohnraum werden wir aber auf jeden Fall erfüllen.

Gerade Sozialwohnungen werden in Frankfurt händeringend gesucht. Wann geht es endlich los?
Das steht leider etwas in den Sternen, weil die Universität ihre Gebäude nun erst 2021 oder 2022 räumen will. Das kann man der Uni nicht vorwerfen. Sie kann erst dann den Campus Bockenheim verlassen, wenn die Neubauten auf dem Campus Westend und am Riedberg errichtet sind.

Was heißt das für die sechs Gruppen, die schon 2014 den Zuschlag für gemeinschaftliche Wohnprojekte im Areal erhielten?
Sie sind ebenso betroffen. Ich habe ihnen das Anfang des Jahres auch mitgeteilt und gefragt, ob sie weiterhin gesetzt bleiben wollen. Von allen kam die Rückmeldung, sie wären weiterhin gern dabei, würden aber auch über andere Standorte reden.

Sprechen Sie eigentlich noch vom Kulturcampus?
Ja, nach wie vor. Den sehe ich auch noch nicht in Abrede gestellt. Wenn das Land seine Ankündigung umsetzt, dass die Hochschule für Musik und darstellende Kunst sich auf dem Areal wiederfindet, ist das ein Meilenstein. Das Senckenberg-Museum macht, was den Ausbau und Umbau anbetrifft, große Fortschritte. Es gibt das Schauspiel im Bockenheimer Depot und das Studierendenhaus.

Nur die Musikhochschule wäre neu. Wo bleiben die kulturellen Leuchttürme, das Zentrum der ästhetischen Avantgarde, das auf dem Campus entstehen sollte?
Man muss jetzt klären, wie viele Flächen nun noch zur Verfügung stehen. Nach dem bisherigen Plan zur Ansiedlung der Musikhochschule auf dem Bibliotheksgelände, wären weitere kulturelle Einrichtungen leichter darstellbar gewesen.

Es kann also sein, dass weniger Kultur auf dem Campus entsteht als vor Jahren erhofft?
Ja, es könnte sein, dass nicht alle Einrichtungen unterkommen, die einmal auf das Areal ziehen sollten. Die Fläche dort ist leider nicht vermehrbar.

Interview: Christoph Manus

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