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Berger Straße Woolworth schließt vorerst

Nach dem Elektronikfachmarkt Saturn macht der zweite große Laden in der Berger Straße zu. Die Sorge unter den Einzelhändlern wächst: Sie befürchten, dass nun weniger Kunden in die Geschäftsstraße kommen werden. Darunter hätten besonders die kleineren Geschäfte zu leiden.

17.03.2014 12:24
Stefan Reichert
Das Gebäude soll saniert werden - solange schließt die Filiale auf der Einkaufsmeile. Foto: Alex Kraus

Die Berger Straße verliert einen weiteren Anziehungspunkt – vorerst. Die Woolworth-Filiale zwischen den U-Bahn-Haltestellen Bornheim-Mitte und Höhenstraße schließt am 16. April. Der Hauseigentümer will eine Kernsanierung im Gebäude durchführen lassen. Danach wolle Woolworth wieder an gleicher Stelle öffnen, so eine Unternehmenssprecherin. „Wir können im Moment nur abwarten, wie lange die Sanierung dauern wird. Generell lief das Geschäft vor Ort sehr gut“, sagte sie.

Die Betreiberin des Lotto-Büdchens im selben Gebäude wird endgültig das Gebäude verlassen: „Meine Kunden sind sehr unzufrieden. Alle größeren Besorgungen sind hier in der Straße nicht mehr möglich. Hier werden alle darunter leiden.“

Die Situation der Woolworth-Filiale in der Leipziger Straße ist ähnlich. Auch hier will der Hausbesitzer das Gebäude sanieren. „Dort ist allerdings nicht klar, wann das geschehen soll. Deshalb bleibt hier vorerst alles wie gehabt“, ließ die Woolworth-Sprecherin wissen.

Manche fürchten den Niedergang der Berger Straße

Die Filiale in der Berger Straße ist nun schon das zweite große Geschäft der Einkaufsstraße, das – wenn auch nur vorübergehend – dicht macht. Im vergangenen November hatte der Saturn wenige Meter weiter geschlossen.

Anwohner der Straße rechnen mit dem Niedergang der Berger Straße: „Das war abzusehen. Die Großen gehen und die Mieten sind horrend“, so eine Passantin. Die Bornheimerin Ute Kretzschmann sagte: „Viele Läden haben sich jetzt schon in den Seitenstraßen angesiedelt. Es gibt hier aber noch ein paar alteingesessene Ladenbetreiber.“ Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen (CDU) befürchtet weitreichende Folgen für die Berger Straße: „Ich hoffe, dass es nicht zu einem generellen Niedergang der Straße kommt. Es darf sich keine zweite Leipziger Straße entwickeln.“ Die wegfallenden Kunden würden vor allem den kleineren Läden fehlen.

Halil Özak, der einen Schreibwarenladen in der Berger Straße führt, merkt jetzt schon deutlich das Fehlen der Kunden: „Die Parkplätze sind leer. Das bedeutet, dass niemand mehr von außerhalb kommt. Ich weiß nicht, wie die hohen Mieten und die fehlenden Kunden in Zukunft für die Ladenbetreiber funktionieren sollen. Als ich 1977 nach Frankfurt kam, hieß es: ,Komm, gehen wir in die Berger einkaufen‘. Das gibt es heute nicht mehr.“

Inhaber tragen Verantwortung

Auch Stefan Diefenbach, Geschäftsführer des Weltladens und Mitglied des Gewerbevereins, kritisiert die hohen Mieten scharf. „Es kann nicht sein, dass die Immobilienbesitzer Mieten erhöhen, obwohl die Situation der Gewerbetreibenden so angespannt ist. Sie tragen auch eine soziale Verantwortung“, sagte er. Es sei Kreativität und Engagement nötig, um in die gegenwärtigen Situation meistern zu können. Außerdem müsse ein vernünftiges Quartiermanagement betrieben werden, so dass sich das Angebot der verschiedenen Branchen nicht mehr so einseitig gestalte.

Die Zukunft der Berger Straße sieht der Ortsvorsteher positiv: „Wenn die Entwicklung wie geplant weitergeht haben wir mit den Bauprojekten zukünftig ein attraktives Angebot.“ Das Problem dabei ist, dass bis dahin einige Zeit vergehen wird, in der die Landenbesitzer mit weniger Einnahmen rechnen müssen. Halil Özak rechnet mit „mindestens drei Jahren Bauzeit“. Pfaff-Greiffenhagen nimmt die Stadt in die Verantwortung: „Es muss geprüft werden, ob nicht die Wirtschaftsförderung die Ladenbetreiber unterstützen kann.“

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