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Architekturmuseum Alles eine Frage der Mischung

Das Deutsche Architekturmuseum beschäftigt sich mit den Siedlungen der 20er und 60er Jahre - und den Lehren für den Wohnungsbau.

Frankfurter Skyline
Wohn- und Bürohäuser in Frankfurt (Symbolfoto). Foto: Peter Juelich

Wie soll man bauen? Wie all die Wohnungen in Frankfurt errichten, die rechnerisch fehlen, um den riesigen Bedarf zu decken? Und wie kann das gelingen, ohne dass öde anonyme Viertel entstehen, die im schlimmsten Fall soziale Brennpunkte werden?

Solche Fragen sind es, über die in Frankfurt gestritten wird und die nun auch eine Diskussion am späten Montagnachmittag im Deutschen Architekturmuseum geprägt haben. Zum 90-jährigen Bestehen der Sachsenhäuser Heimatsiedlung hatte deren Eigentümerin, die Nassauische Heimstätte, zu einem Symposium geladen.

Der Architekt Ernst Ulrich Scheffler erinnert an die Rolle der Siedlungen des Neuen Frankfurt für die Baugeschichte des 20. Jahrhunderts, wirbt eindringlich dafür, pfleglich mit ihnen umzugehen. Museumsdirektor Peter Cachola Schmal sieht in diesen Siedlungen ein Vorbild, ja ein Symbol einer Wohnungspolitik, hält es aber für schwer, sie für die heutige Zeit zu kopieren. Bernd Hunger, Experte für Großwohnsiedlungen beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, rät, auch auf die Siedlungen der 60er und 70er Jahre freundlich zu schauen und sie behutsam zu ergänzen.

Holger Lack, Leiter des Regionalcenters Frankfurt der Nassauischen Heimstätte, macht dagegen keinen Hehl daraus, vor welche Schwierigkeiten die Sanierung der Heimatsiedlung das Unternehmen stellt. Die Wohnungen müssen modernisiert,  die Auflagen des Denkmalschutzes beachtet und die Mieter mitgenommen werden.

Einig ist sich die Runde weitgehend, dass es nicht unbedingt die bauliche Gestaltung, sondern die Mischung, die Zusammensetzung der Bewohner, ist, die über die Zukunft eines Quartiers entscheidet. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) etwa, selbst in einer großen Wohnsiedlung in Ulm aufgewachsen, wirbt für eine „Vielfalt in der Vielfalt“. Es gelte, die Belegungsrechte so zu nutzen, dass in Häusern oder Arealen nicht vor allem eine bestimmte Gruppe von Menschen wohne. Sonst könnten Parallelgesellschaften entstehen.

Zugleich warnt Josef davor, die Chancen der Nachverdichtung zu überschätzen. Es sei naiv zu glauben, man löse das Wohnungsproblem, indem man alle Siedlungen um zwei Etagen aufstocke, sagt er. Als Schmal provokativ fordert, man müsse „bauen, bauen, bauen“, nach oben und am Rand, und sagt, es gehe angesichts der Wohnungsnot nur noch um Quantität, nicht um Qualität, widerspricht Josef. Nur wenn man mit Qualität vorgehe, Infrastruktur schaffe und auf die soziale Durchmischung achte, seien Quartiere erfolgreich.

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