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Wohnen in Frankfurt - Interview "Die Entwicklung ist bedenklich"

Frank Junker führt die ABG Holding, die größte städtische Wohnungsbaugesellschaft Frankfurt. Er will sie so steuern, dass Konflikte mit den Mietern ausbleiben. Die Firma unterhält 50.000 Wohnungen und baut den Kulturcampus.

26.10.2012 23:00
Frank Junker baut Wohnungen für die Stadt. Foto: Alex Grimm

Herr Junker, die Stadt gerät aus den Fugen. Immer mehr hoch solvente Aufkäufer sind unterwegs, die Wohnungen nur erwerben, um ihr Geld anzulegen.

Das ist ein Phänomen der Ballungszentren. Die Leute meinen, in Immobilienanlagen Sicherheit zu finden. Das ist natürlich auch Garant dafür, dass man zum Standort Frankfurt steht …

… aber ein Stadtteil wie das Westend wird zum Reichen-Getto, es gibt keinen Mietwohnungsbau mehr.

Immobilien nur als Kapitalanlage zu benutzen, das ist auch für mich kritikwürdig. Wer so denkt, verkennt, was er als Eigentümer zu leisten hat, welche Kosten auf ihn zukommen. Jetzt gibt es Kredite zu einem Zins von 2,7 Prozent; was ist, wenn der Zins steigt? Ich habe schon 9,5 Prozent erlebt. Ich finde es falsch, Häuser zum Verkaufen aufzuteilen.

Es kommt eine soziale Umwälzung in Gang.

Die Entwicklung ist bedenklich. Wir als ABG setzen auf eine gesunde Mischung. Wo wir Eigentumswohnungen bauen, achten wir darauf, dass der Käufer als Eigennutzer einzieht. Und Familien bekommen für jedes Kind 2500 Euro Preisnachlass.

Kann die ABG im Wettbewerb der Bieter mithalten und gegebenenfalls zugreifen, um Ausverkauf zu verhindern? Bekommen Sie mit, wo verkauft wird?

Nur das Liegenschaftsamt muss informiert werden. Die Stadt könnte dann das Haus kaufen. Ein Vorkaufsrecht hat sie aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn man da eine Schule bauen will. Auch, um die Erhaltungssatzung zu erfüllen, könnte sie kaufen, sie müsste aber den vollen Preis zahlen.

Die Kommune kann also nicht wirklich gegensteuern.

Wir haben einen freien Markt. Aber wir als ABG steuern durch die Belegung. Im Gallus halten wir 5500 Wohnungen. Und in Höchst haben wir 140 Sozialwohnungen an der Adolf-Haeuser-Straße gekauft, um zu garantieren, dass die nicht als Eigentum vermarktet werden. Und wir investieren, etwa auf dem Naxosgelände oder im Europaviertel. Wir versuchen, eine Mischung der Bewohnerschaft hinzubekommen.

Bei den irren Immobilienpreisen können Sie nicht mitpokern.

Irgendwann ist Schluss, da halte ich nicht mehr mit. Aber jede neue Wohnung ist wichtig. Der Kapitalanleger vermietet ja auch an jemanden, der hier wohnen will, und der zieht irgendwo weg.

Der berühmte Sickereffekt, oft angezweifelt.

Aber wir werten ja aus, woher die Wohnungskäufer, etwa auf dem Naxosgelände, kommen: 87 Prozent machen eine Wohnung frei, meist im engeren Umfeld.

Könnten Sie nicht auf dem Campus Bockenheim ausschließlich Mietwohnungen bauen, um die Lage zu entspannen?

Nur ein Drittel der 1200 Wohnungen werden als Eigentum verkauft, wir wollen ja den Übergang zum Westend harmonisch gestalten. Es sollen nicht zwei Welten aufeinanderprallen. Anderes Beispiel ist die Bornheimer Vereinsstraße, da bauen wir nur Mietwohnungen. Von der Markt-Akzeptanz her hätten wir Eigentumswohnungen bauen können, das wären dort aber die Ersten gewesen. Wir wollten nicht die Initialzündung setzen. Wir analysieren das Umfeld, so steuern wir.

Die ABG hat vor Jahren aber auch Mietwohnungen verkauft.

Die Politik hatte uns angewiesen, 500 Wohnungen zu vermarkten; nur an Mieter oder an Eigennutzer. Weil wir über die Folgen aufgeklärt haben, war die Akzeptanz schwach, 50 Käufer kamen zusammen. Da haben wir das gelassen. Wir verkaufen keine Wohnungen aus unserem Bestand.

Das Interview führte Claudia Michels

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