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Wohnen in Frankfurt Gemeinsam leben mit Dachterrasse

Das Hausprojekt NiKa wirbt um Direktkredite, um im Bahnhofsviertel dauerhaft günstigen Wohnraum zu schaffen.

Im Eckhaus Niddastraße/Karlstraße sollen Wohnungen und Angebote für das Bahnhofsviertel entstehen. Foto: Andreas Arnold

Mehr als 40 Menschen, vom Kleinkind bis zum Rentner, werden, wenn alles gut läuft, schon Ende 2018 an der Ecke Niddastraße/Karlstraße im Bahnhofsviertel gemeinschaftlich und selbstverwaltet leben. Auf sechs Etagen des früher gewerblich genutzten Hauses sollen bis dahin Mietwohnungen für je zwei bis sieben Bewohner entstanden sein. Diese werden sich in einem darüber liegenden Staffelgeschoss treffen und zusammen kochen können. Auch eine Dachterrasse kann gemeinschaftlich genutzt werden. Im Erdgeschoss soll es Angebote geben, die in das Umfeld ausstrahlen: ein Spielcafé, eine Sozialberatung, einen Kunst- und Veranstaltungsraum.

Vor fünf Monaten hat die Projektgruppe NiKa (Niddastraße/Karlstraße) vom Beirat des städtischen Liegenschaftsfonds den Zuschlag für den Erwerb der 50er-Jahre-Immobilie erhalten. Noch bis Sommer hat sie Zeit, das Vorhaben zu finanzieren. Dann sollen ein Erbpachtvertrag für das Grundstück und der Kaufvertrag für die Immobilie unterschrieben werden, die Arbeiten beginnen.

Auf 3,6 Millionen Euro bezifferte Jeronimo Voss vom Hausprojekt am Montag die Investitionssumme. Allein der Umbau werde etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Mindestens 720 000 Euro muss die Gruppe an Eigenkapital einbringen. Dabei setzt sie auf private Darlehen von Unterstützern. 380 000 Euro hat sie laut Voss bereits zusammen. Den Rest will sie noch einwerben. Möglichen Geldgebern bietet sie bis zu 1,5 Prozent Zinsen.

„Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, Konversion zu bezahlbaren Mieten zu realisieren“, sagte Jessica Sehrt vom Hausprojekt Nika gestern. Nach einer sehr konservativen Kalkulation lägen diese in dem Haus höchstens bei elf Euro pro Quadratmeter. Und das dauerhaft. Mit einer besonderen Eigentümerkonstruktion will die Projektgruppe verhindern, dass das Haus jemals wieder privatisiert wird.

Das große Eckhaus im Bahnhofsviertel war eines der beiden ersten, die die Stadt über ihren Liegenschaftsfonds nach dem Konzeptverfahren nach Festpreis vergeben hat. In derselben Runde bekam die kleine Gruppe Nidda-stern den Zuschlag, das angrenzende, deutlich kleinere Gebäude Niddastraße 59 gemeinschaftlich bewohnen zu dürfen.

Ende des Jahres vergab die Stadt bereits eine dritte Liegenschaft: Die Initiative „Gemeinsam suffizient leben“ darf ein Grundstück an der Friedberger Landstraße bebauen. Dem Konzept nach entsteht dort in Holzbauweise Wohnraum für acht Haushalte. Noch bis 6. März können sich selbstorganisierte gemeinschaftliche Wohnprojekte für die Liegenschaft Bolangarostraße 112 in Höchst bewerben.

Mit der Vergabe von Liegenschaften an gemeinschaftliche Wohnprojekte trägt die Stadt, wie Katharina Wagner vom Wohnungsamt sagte, zum einen dem Wunsch vieler Frankfurter, in alternativen Wohnformen zu leben, Rechnung. Mindestens 37 Gruppen seien derzeit aktiv auf der Suche nach Immobilien, in denen sie gemeinschaftlich wohnen können. Projekte wie das der Gruppe NiKa könnten aber zudem zur Stärkung ihres Umfelds beitragen, ohne eine Verdrängung zu befördern, sagte Wagner.

Damit hat das Projekt, Monate vor Baubeginn, bereits begonnen. Mit einem Vortrag des Frankfurter Humangeographen Sebastian Schipper begann gestern eine Veranstaltungsreihe zur Wohnungsfrage, die künftig jeden ersten Montag im Monat stattfinden soll.

Mehr Infos zum Hausprojekt unter www.nika.haus, zu weiteren gemeinschaftlichen Projekten unter www.gemeinschaftliches-wohnen.de

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