Lade Inhalte...

Wohnen in Frankfurt Angst vor Folgen des Brexit

95 Prozent der Frankfurter rechnen mit steigenden Mieten, zeigt eine Umfrage. Der Verein „Mieter helfen Mietern“ kritisiert besonders die Rolle von OB Feldmann.

Werbetafel im Gallus
Auch im Stadtteil Gallus ist die Gentrifizierung im Gange. Foto: Peter Jülich

In Frankfurt geht die Angst vor den Folgen des Brexit um. Bei einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens PWC äußerte jeder Zweite Sorgen wegen steigender Mieten. 40 Prozent fürchteten, dass zahlungskräftige Zuzügler aus London Stadtviertel in Frankfurt gentrifizieren. 95 Prozent rechnen mit steigenden Mieten in den nächsten fünf Jahren, 43 Prozent sogar mit einem deutlichen Sprung nach oben.

Der Verein „Mieter helfen Mietern“ kritisiert scharf die Rolle von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beim Brexit. Einerseits preise der OB bei seinen Auslandsreisen Frankfurts Qualitäten als Finanzstandort an. Andererseits trete er in den Wohnsiedlungen als Unterstützer von verdrängungsbedrohten Mietern auf.

„Dieses Verhalten ist inkonsequent“, urteilt der Mieter-Verein. Schließlich könne der Brexit die Verdrängungstendenzen auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt verstärken. Nicht nur Feldmann werbe zum Beispiel für den Umzug der Bankenaufsicht von London nach Frankfurt, auch Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) tue das.

„Mieter helfen Mietern“ stützt sich auf Angaben aus der Immobilienbranche. Danach wollten zehn bis fünfzehn Banken jeweils zwischen 300 und 400 Beschäftigte von London nach Frankfurt verlagern.

Diese erhöhten den Druck auf den Frankfurter Wohnungsmarkt: Der anhaltende Trend zu möblierten Mikro-Appartements, Boardinghouses und Luxuseigentum werde weiter verstärkt. Auch die Immobilienberater von Cushman&Wakefield melden, dass in London ansässige Unternehmen „in der Erkundungsphase für eine Verlagerung nach Frankfurt“ steckten. Das habe Folgen auch für den Büromarkt in Frankfurt.

„Wenn es hier zu Entscheidungen kommt, ist mit einer spürbaren Verknappung des Flächenangebots zu rechnen“, sagte Marco Malluci, Head of Office Agency Frankfurt bei den Immobilienberatern.

Allerdings sehen die von PWC Befragten auch positive Folgen des Brexit für Frankfurt. 39 Prozent gehen davon aus, dass Stadt und Region attraktiver werden, wenn sich neue Unternehmen hier ansiedeln. Ulrich Störk, Leiter des PWC-Standorts Frankfurt, spricht denn auch von einer „Jahrhundertchance“ für die Stadt.

„Wenn nur ein Bruchteil der jetzigen Arbeitsplätze aus der Londoner City an den Main kommt, wird dies einen Sogeffekt auf weitere Jobs in anderen Branchen haben“, so Störk.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum