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Woche der Stille Ruhe finden in der Meditation

Andreas Ansmann ist eigentlich Psychotherapeut. Doch anstatt eine Praxis aufzumachen, entschließt er sich vor sechs Jahren, tibetischer Mönch zu werden. Auf seinen Ausstieg reagieren Familie und Freunde sehr unterschiedlich.

11.09.2012 14:37
Lea Deuber
Versunken: Andreas Ansmann im chinesischen Garten. Foto: Arnold

Sechs Jahre Psychologie auf Diplom studiert, eine dreijährige psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert und danach Mönch geworden.

Dass er einen ungewöhnlichen Weg beschritten hat, weiß Andreas Ansmann. Aussteigen, sagt der 37-Jährige, das sei schon das, was er damals versucht habe. „Ich wollte einfach tiefer gehen“, erklärt der heute ordinierte tibetische Mönch. „Ich wollte verstehen, wie die Dinge um mich herum geschaffen sind.“

Der Entschluss gegen eine psychotherapeutische Praxis und für ein Leben als Mönch, ohne Alkohol, Fleischkonsum und eine Familie, sei ihm eigentlich nicht schwer gefallen. „Ich musste nur die Entscheidung treffen, dass die Freude, Mönch zu werden, größer ist als die Trauer über den Verzicht, den ich üben muss.“

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Vor sechs Jahren war er sich dann sicher. Er begann die Lehren Buddhas zu studieren, die er in einer Psychologievorlesung kennengelernt hatte, und ordinierte. „Die buddhistischen Heilungsmethoden habe ich besser verstehen können als die westlichen“, sagt er.

Ansmann kommt aus Erkrath in der Nähe von Düsseldorf. Auf seinen Ausstieg reagierten Familie und Freunde sehr unterschiedlich. Viele akzeptieren seinen Entscheidung. Trotzdem legt er bis heute seine Mönchskutte ab, wenn er nach Hause fährt. Nicht alle Familienmitglieder sind mit seinem Lebenswandel einverstanden. Auch im täglichen Leben zieht er die Blicke auf sich. In der U-Bahn und auf der Straße starren ihm öfters Menschen hinterher. Nur im Gallusviertel, erzählt der Mönch mit einem kleinen Augenzwinkern, begegne man ihm mit Respekt. „Die Jungs dort halten mich wohl für einen Shaolin-Mönch und haben deshalb Angst.“

Trotz Verzicht müssen aber auch Mönche Geld verdienen. So arbeitet Ansmann im Tibethaus an der Kaufunger Straße. Seit fünf Jahren koordiniert er dort die Veranstaltungen und leitet den Buchverlag des Hauses. Nebenbei lernt er die tibetische Schrift und Sprache.

Auch Mönche kennen Neid

Nach der Zeit vor seiner Ordination sehnt er sich nicht. „Ich empfinde es als sehr befriedigend, täglich an mir zu arbeiten und meine Erkenntnisse an andere weitergeben zu können.“ Unabhängig von seiner Arbeit im Tibethaus kommen viele Menschen zu ihm als Mönch, um Rat zu erhalten. „Die Welt ist schneller geworden, der Leistungsdruck steigt“, sagt Ansmann. Das spürten auch die Menschen. „Weil alles so schnell gehen muss, gibt es ein ständiges Hin und Her und viele Entschlüsse werden unüberlegt verabschiedet.“ Im Buddhismus hoffen viele Suchende, Antworten zu finden. „Menschen wollen häufig ihren Beruf, ihre Umgebung und ihre Familie ändern, dabei vergessen sie, dass sie auch an sich selbst arbeiten müssen.“

Unzufriedenheit, Neid, Eifersucht kennt auch Ansmann. Das ändere sich nicht, nur weil man Mönch wird. Wenn ihm eine U-Bahn vor der Nase davon fährt, wird er wütend. „Aber ich versuche die Situation von außen zu betrachten und sie ruhig zu beobachten.“

Ein Handy besitzen und einen Ausgleich zwischen Arbeit und Leben finden, das schließe sich nicht aus, glaubt er. Er findet seine Ruhe, trotz unaufhörlich eintreffender E-Mails mit Anfragen zu Veranstaltungen und Terminen, in täglichen, mehrstündigen Gebeten und der Meditation. „Es kommt nicht darauf an, auf eine bestimmte Art zu meditieren oder besonders lange“, sagt Ansmann. Hauptsache man fände regelmäßig Zeit, um zur Ruhe zu kommen. „Nur wenn es einem gelingt, nicht zu bewerten“, sagt Ansmann, „bleibt man handlungsfähig.“

Im Tibethaus Deutschland an der Kaufunger Straße 4 vermitteln Birgit Justl und Martin Brüger jeden Mittwoch von 19.30 bis 21 Uhr grundlegende buddhistische Meditationen. Für Nichtmitglieder des Hauses kostet die Teilnahme zwei Euro.

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