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WM: Kroatienspiel in Frankfurt Spannung beim Public Viewing

Hunderte Kroaten fiebern in Frankfurt mit Ihrer Mannschaft im Hinterhof der „Diva“ mit und lassen danach auf der Straße die Sau raus.

WM
Kroaten schauen WM in der Eintracht-Gaststätte Diva, hier das 2:1 gegen Russland. Foto: Monika Müller

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, englisch zu siegen. Wenn der Engländer gerade seiner Elf beim Gewinnen zugeschaut hat, dann behält er auch nach Abpfiff eine steife Oberlippe, fegt sich scheinbar beiläufig ein paar Shortbread-Krümel vom Tweetsakko und sagt so Sachen wie: „Nun, der alte Junge von Schiedsrichter hat einen guten Job gemacht, hat er nicht?“ Keinesfalls aber wird er sich nach dem Triumph in seinen Bentley setzen und mit 120 Sachen hupend durch die City brettern.

Der Kroate, das wird schon vor dem Anpfiff des Spiels gegen Russland auf dem Parkplatz der Gaststätte Diva im Sportleistungszentrum der Eintracht am Riederwald deutlich, ist da aus anderem Holz geschnitzt. Der Ferrari mit der Kroatienfahne am Außenspiegel und die landesfarben lackierte Ducati parken dort gewiss nicht zum Zwecke der späteren Leisetreterei. Laut Hinweisschild am Eingang hat die Diva heute wegen „einer privaten Veranstaltung“ geschlossen, aber ganz so privat geht es auf dem hinteren Außengelände dann doch nicht zu. Hunderte von kroatischen Fans haben sich vor den Großbildleinwänden und Fernsehern drapiert.

Es ist rappelvoll, wer einen anständigen Platz haben will, von dem er auch etwas sieht, muss schon sehr menschenfreundlich sein. Wer etwas hören will, sollte ohnehin der kroatischen Sprache mächtig sein: Das Spiel wird natürlich in der kroatischen Originalfassung gezeigt. Die Fans singen kroatische Lieder, der Einpeitscher peitscht auf Kroatisch ein, die Verkehrssprache auf dem Hinterhof der Diva aber ist überraschenderweise Deutsch.

Etliche Kroaten haben einen oder gleich mehrere derzeit beschäftigungslose Unterstützer des Ex-Weltmeisters adoptiert und mitgebracht. Mit Ante Rebic haben Kroaten und Eintracht-Fans einen ziemlich großen gemeinsamen Nenner. Die Mitgenommenen erkennt man an ihrer eher neutral gehaltenen Kleidung. „Meine Nation ist Mensch, mein Land die Welt“, steht auf dem T-Shirt eines Mitläufers, aber das ist nach so einem Vorrunden-Aus natürlich leicht gesagt. Die Sorgen haben die Kroaten nicht.

Atmosphäre der Sorglosigkeit

Überhaupt herrscht eine gewisse Atmosphäre der Sorglosigkeit. Das 0:1 wird von den Anwesenden eher zur Kenntnis genommen als betrauert. Schon könnte man meinen, hier wären keine Emotionen im Spiel, aber spätestens beim 1:1 kommt dann doch ein wenig Stimmung auf, und beim 2:1 in der Verlängerung explodiert der ganze Platz unter dem beifälligen Nicken ein paar anwesender Polizisten in einem Inferno von Bengalofeuer, Bierduschen und ungebetenen Umarmungen. Der Ausgleich kurz darauf wird dann wieder zur Kenntnis genommen. Vor dem Elfmeterschießen singen sich die Fans gemeinsam Mut zu. Die Melodie kennt der Eintracht-Fan als „Europapokal“, der Text ist für das deutsche Ohr unverständlic, aber vermutlich geht’s um Ähnliches. Nach dem Spiel: erneutes Inferno. Die nach dem 2:1 unverfackelten Bengalos finden nun ihr Ende. Dann strömen die Hundertschaften auf den Parkplatz, dem traditionellen Korso entgegen.

Die von kroatischen Wirtsleuten betriebene Diva hat sich während der WM zum heimlichen Hotspot der kroatischen Fanszene entwickelt. Die Polizei wird am kommenden Tag vermelden, dass Hunderte kroatischer Fußballfans wild hupend bis weit nach Mitternacht durch Frankfurt rasten. Etwa 4000 hätten das Spiel zuvor im Waldstadion gesehen. Viel weniger waren’s in der Diva auch nicht. Und alle treffen sich nach dem Spiel abseits jedes Tempolimits auf der Gass. Ein englischer Sieg am Mittwoch wäre in jedem Fall verkehrsberuhigender.

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