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Wizo Basar Schnäppchen und Politik

Auch wenn der Basar der Women's International Zionist Organisation in Frankfurt an sich eine unpolitische Veranstaltung ist, dreht sich dieses Mal alles um den Nahost-Konflikt.

Großes Gedränge beim Basar. Foto: Andreas Arnold

Ein großes Gedränge herrscht am Samstagabend im Ignatz- Bubis-Gemeindezentrum im Westend. Eine Menschenmenge strömt herein, hinauf zum Marktplatz in die erste Etage, erstürmt den Verkauf der Tombolalose, während nebenan auf der Bühne Helferinnen in schwarzen T-Shirts die Preise verteilen: Vom Kerzenständer über Kaffeemaschinen bis zum Fernseher. Die Hauptgewinne: Reisen nach Tel Aviv und New York.

Es ist der 62. Basar der Women’s International Zionist Organisation, kurz Wizo. Die karitative Frauenorganisation veranstaltet ihn zugunsten des Theodor Heuss-Familienzentrums im israelischen Herzliah. Zu kaufen gibt es nicht nur Lose: Auch Lebensmittel aus Israel wie Olivenöl oder koschere Gummibärchen, Kosmetika und Schmuck und vor allem Kleidung. Sehr viel Kleidung ist es, durch die sich die Besucher wühlen. Es sind Frauen, Männer, Alte, Junge. Die Jugendgruppe Young Wizo hat im Erdgeschoss eine Cocktailbar aufgebaut, während nebenan Falafel-Pita, Humusteller und Kuchen verkauft werden. Die Schlangen sind lang, der Andrang groß.

Doch so ausgelassen die Stimmung ist, so ist der Basar überschattet von den Kämpfen in Israel. Bei der Eröffnung am Samstagabend verurteilt Wizo-Präsidentin Diana Schnabel die „Perfidie sogenannter Nahostexperten“, Israel das Recht auf Selbstverteidigung streitig zu machen. Die Menschen im Süden des Landes würden ständig aus dem Gazastreifen beschossen. „Die Welt muss verstehen: Das jüdische Volk wird es nicht hinnehmen, dass es in seiner Existenz bedroht wird“, sagt Schnabel.
Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, verurteilt die Angriffe auf Tel Aviv und Jerusalem und spricht sich für ein Recht auf Selbstverteidigung aus: „Israel muss eine klare und energische Antwort darauf haben.“ Graumann nennt die Hamas eine „Terrorfiliale des Regimes in Teheran“ und mahnt, dass der Iran nie in den Besitz von Atomwaffen geraten dürfe und die Welt dies energischer verhindern müsse als bisher.

Der anderen Seite Gehör verschaffen

Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) solidarisiert sich mit Israel: „Wer Raketen auf Zivilisten schießt, setzt sich ins Unrecht und kann kein Verständnis erwarten.“ Der Basar sei ein Zeichen der Solidarität und eine Hoffnung auf Deeskalation und Frieden für die Menschen im Nahen Osten.

Doch die pro-israelische Haltung bleibt an diesem Abend nicht ohne Gegenstimmen. In der Nähe des Gemeindezentrums versammeln sich Menschen zu einer kleinen Demonstration. An der Ecke Savigny- und Arndtstraße stehen auch junge Frauen mit Kopftüchern, eine hält ein Grablicht in den Händen. Es gehe ihnen um „Menschlichkeit und Solidarität“. Die Aktivisten kommen von einer Mahnwache, die sie um 16 Uhr an der Friedensbrücke gehalten haben, um gegen den Konflikt im Nahen Osten zu protestieren.

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„Die Medien berichten einseitig pro Israel“, sagt Demonstrant Claus Stephan Schlangen. „Wir wollen der anderen Seite Gehör verschaffen.“ „Nicht alle Palästinenser sind Terroristen“, sagt Martina, die sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus wehrt, wenn man Israel kritisiere.

Einer der Initiatoren ist Shahar Hainovsky. Der 42-jährige Israeli sagt, er richte sich nicht nur gegen den Krieg, sondern auch gegen seine Regierung. Sie sei schlecht für Israelis und Palästinenser. „Die Menschen leiden unter der schlechten wirtschaftlichen Lage.“ Außerdem gebe es Repressionen gegen Friedensaktivisten, sagt er und setzt eine Palästinenser-Mütze auf.

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