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Wisag Claus Wisser: Der rote Kapitalist

Der Unternehmer und Mäzen Claus Wisser feiert 75. Geburtstag. Mit der Wisag hat er in Frankfurt aus kleinsten Anfängen einen internationalen Dienstleistungskonzern mit fast 50 000 Mitarbeitern aufgebaut.

Claus Wisser
Claus Wisser im Kloster Eberbach mit einer guten Zigarre. Foto: Alex Kraus

Er hat sich immer durchgeschlagen. Mit großem Geschick und großer Herzenswärme. Letztere verbirgt der Mensch Claus Wisser gewöhnlich hinter etwas knurrigen, kurz gehaltenen Sentenzen. Gerne lässt der 1,90 Meter große Hüne dafür seinen kräftigen Handschlag sprechen. Wer den ohne Wimpernzucken übersteht, hat schon mal die erste Hürde genommen. Der gebürtige Wiesbadener, der Unternehmer und sozialdemokratische Millionär, ist ein unbändiger Tatmensch. Mit der Wisag hat er in Frankfurt aus kleinsten Anfängen einen internationalen Dienstleistungskonzern mit fast 50 000 Mitarbeitern aufgebaut. Am heutigen Freitag feiert der einflussreiche Mann, der von den Medien gerne als „rote Eminenz“ tituliert wurde, seinen 75. Geburtstag.

Die kleinen Verhältnisse, aus denen er stammt, hat er nie vergessen. Mit zehn Jahren hilft er seinem Vater in Wiesbaden in dessen Tante-Emma-Laden. Doch mit 14 scheint die Perspektive zum ersten Mal verbaut: Das Geschäft muss geschlossen werden, die Eltern haben kein Geld mehr, das Abitur für den Sohn zu finanzieren. Aber der beweist zum ersten Mal seine Kämpfernatur: Er zieht zu Hause aus, mietet ein Zimmer, nimmt alle möglichen Arbeiten an.

Noch auf dem Gymnasium tritt er in die SPD ein, beginnt dann ein Betriebswirtschaftsstudium, stürzt sich zugleich in die beginnende Studentenrevolte, zieht gegen die Notstandsgesetze auf die Straßen. Aber Wisser wäre nicht Wisser, würde er nicht auch ans Geschäft denken. Er gibt eine Kleinanzeige in der Frankfurter Rundschau auf: „Wer schenkt einem Studenten noch gebrauchsfähige Schreibmaschine?“ Wer heute den Unternehmer in seiner Villa in Sachsenhausen, besucht, kann diese Schreibmaschine noch sehen.

Die Firma wächst und wächst

Tatsächlich wird sie zum ersten Büroutensil in der ersten kleinen Firma des 23-Jährigen. Er verlegt sich aufs Putzen: Saubere Büros, so denkt er, werden immer gebraucht. Seine Mutter sagt: „Ei Bub, jetzt haste Abi und studierst, und jetzt wirste Putzfrau!“ Aber der Sohn hat Erfolg, putzt Nächte durch, wenn ihn Mitstreiter im Stich lassen. Die Firma wächst und wächst – und bald gibt der Jungunternehmer das Studium auf.

Es ist der Beginn eines Aufstiegs, der am Ende zu einem großen Dienstleistungskonzern führt. Unter dem Dach der Wisag finden sich Zweige wie Reinigung, Grünpflege, Bewachung, Catering und einiges mehr. Wisser zahlt einen hohen Preis für diesen Erfolg. Er ist ein absolutes Arbeitstier, das Unternehmen kommt zuerst, dann gibt es da noch die SPD, in der er sich als Kommunalpolitiker in Neu-Isenburg engagiert. Seine Ehe scheitert daran. Wisser verliebt sich in die Juso-Bundesvorsitzende Heidemarie Wieczorek-Zeul, damals als „Rote Heidi“ der Schrecken bürgerlicher Wähler. Fünf Jahre sind die beiden zusammen.

Parallel zum wirtschaftlichen Erfolg betätigt sich der Mann, der bald als „reichster Sozialdemokrat Deutschlands“ gilt, als Mäzen. Er gründet mit einem guten Freund das Rheingau-Musikfestival, das sich zu einer künstlerischen Marke entwickelt. Er fördert das Städel-Museum und das Caricatura.

Seinen Einsatz als Sponsor stellt er aber nie in den Vordergrund. Ganz typisch der Empfang im Limpurgsaal des Römers im Jahre 2013, als Oberbürgermeister Peter Feldmann den Parteifreund mit der Ehrenplakette der Stadt auszeichnet. Da erwähnt Wisser so nebenbei, dass er gerade 30 000 Euro mobilisiert hat, um eine Ausstellung zu den jüdischen Stiftern der Goethe-Universität zu finanzieren.

Es gibt heftige Rückschläge in diesem Unternehmerleben. 2000 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, als Wisser in die Textilbranche einsteigt, die aber wirtschaftlich unter dem Druck der ausländischen Billigkonkurrenz mächtig bröckelt. Er verzockt sich gewaltig. Der Konzernchef büßt in den 80er Jahren mindestens 300 Millionen D-Mark ein. In der SPD wird seine Tätigkeit zunehmend kritisch gesehen. Die Jusos schimpfen ihn einen Immobilienspekulanten, weil er auch in Wohnungen investiert.

Vor sechs Jahren hat Wisser den Vorstandsvorsitz an Sohn Michael übertragen und sich in den Aufsichtsrat der Wisag zurückgezogen. Aber man darf davon ausgehen, dass der Unternehmer noch immer sehr genau weiß, was in seinem Konzern geschieht.

Claus Wisser, den die „Zeit“ den „roten Kapitalisten“ genannt hat, besitzt nun mehr Zeit für die schönen Seiten des Lebens. Er liebt exzellente Rotweine und genießt es, sich eine kubanische Zigarre anzuzünden. Gleichsam als Hobby hat er vor einigen Jahren eine neue Firma gegründet, die schöne alte Häuser aufkauft und saniert. Versteht sich von selbst, dass diese Gesellschaft in kurzer Zeit ziemlich gewachsen ist.

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