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Wirtschaftskriminalität Auf der Jagd nach Abzockern

Die Staatsanwälte in Frankfurt haben derzeit alle Hände voll zu tun. Die Zahl der Wirtschafts-Straftaten nimmt zu. Allein im Ermittlungsverfahren gegen die Chefs des mutmaßlichen Anlagebetrüger-Unternehmens S&K ist noch kein Ende abzusehen.

Polizisten durchsuchen die Frankfurter Villa des mutmaßlichen Anlagebetrüger-Unternehmens S&K . Foto: getty

Es ist nicht so, dass die Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschafts- und Umweltstrafsachen sich nie mit Hartgeld befassen würde. Im Gegenteil. Jede Menge Münzen hätten seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen gezählt, nicht nur Ein-Euro-Münzen, sondern auch Ein-Cent-Stücke, die dafür aber alle „auf Nagelneu poliert“, sagt der zuständige Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann.

Und das war nur das Badegeld. Genauer das Geld, in dem einer der beiden Chefs des mutmaßlichen Anlagebetrüger-Unternehmens S&K gerne in bester Dagobert-Duck-Manier badete. Und damit immerhin bewies, dass Wirtschaftskriminalität nicht immer eine trockene Materie ist.

Und so war es natürlich der S&K-Komplex, der am meisten Interesse fand, als Justizminister Jörg-Uwe Hahn gestern nach Frankfurt kam, um die Arbeit der Wirtschaftsstaatsanwälte im Beisein des hessischen Generalstaatsanwalts Hans-Josef Blumensatt und des Chefs der Frankfurter Staatsanwaltschaft Hubert Harth zu bilanzieren.

Größtes Betrugsverfahren Deutschlands

Die haben momentan tatsächlich alle Hände voll zu tun. Das S&K-Verfahren ist laut Hohmann bereits jetzt „eindeutig das größte Betrugsverfahren in Deutschland. Ein Ende des Ermittlungskomplexes ist nicht in Sicht. Es pilzt sich weiter auf.“ Erst kürzlich hat die Frankfurter Polizei die Arbeitsgruppe, die gegen S&K ermittelt, von 15 auf 62 Mitglieder aufgestockt. Acht Verdächtige sitzen mittlerweile in Haft. Neben den beiden Frankfurter Chefs und den beiden Leitern einer Firma aus Hamburg sind dies noch ein Frankfurter Architekt, ein Frankfurter Rechtsanwalt und Notar sowie zwei S&K-Mitarbeiter.

Mehr als 100 Millionen Euro an Vermögenswerten wurden arrestiert, dabei ist aber nach Hohmanns Prognose „nicht ein Cent für die Staatskasse“, sondern vielmehr für die Opfer des Betrugs gedacht. Wie hoch der Schaden, den die lebenslustigen S&K-Chefs angerichtet haben, tatsächlich ist, das wagen die Ermittler derzeit noch nicht zu schätzen.

Ein Fall füllt 1897 Leitz-Ordner

Dass bei den Frankfurter Wirtschaftsstaatsanwälten derzeit „Ausnahmezustand“ herrscht, hat aber nicht nur mit dem S&K-Fall zu tun. So wird etwa gegen ein Transportunternehmen ermittelt, dem Korruption beim Eisenbahnbau in Südafrika vorgeworfen wird. Für das Verfahren, das Licht in ein Umsatzsteuerkarussell mit CO2-Emissionsrechten bringen soll, wurden bislang mehr als 13.000 Terrabyte elektronisches Belastungsmaterial gesichtet; 1897 Leitz-Ordner füllt allein dieser Fall. In Frankfurt stieg die Anzahl der registrierten Wirtschaftsstrafverfahren von 3500 im Jahr 2009 auf 8629 im vergangenen Jahr – was die Strafverfolger vor allem auf die bessere Ermittlungsarbeit schieben.

Die kann mühsam sein. Das Badegeld des S&K-Chefs, schätzt Hohmann, dürfte etwa 40.000 Euro betragen haben. So genau will er sich aber nicht festnageln lassen. Denn das Badegeld-Terrain ist selbst für die an allerhand gewöhnten Ermittler ein bislang noch unbekanntes Gewässer.

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