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„Wir müssen gegensteuern“ Umweltdezernentin Heilig zum Kampf gegen Plastikmüll

Die Frankfurter Dezernentin für Umwelt und Frauen, Rosemarie Heilig (Grüne), äußert sich im Interview über die Notwendigkeit des Kampfs gegen Plastikmüll.

Stadtverordnetenversammlung
Rosemarie Heilig (Grüne), die Frankfurter Dezernentin für Umwelt und Frauen. Foto: Michael Schick

Rosemarie Heilig (Grüne), die Frankfurter Dezernentin für Umwelt und Frauen, spricht im FR-Interview über Plastikmüll.

Frau Heilig, die EU-Kommission will einige Plastikprodukte verbieten. Wie sehen Sie die Pläne?
Das ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber es ist viel mehr nötig, etwa die systematische Sammlung und Wiederverwertung von Plastikprodukten in allen Ländern. Plastik begleitet unser Leben und ist längst ein Riesenproblem: Nanoplastik in Kosmetika, Plastik in der Medizintechnik. Aber wie viele Probleme wir damit der Umwelt hinterlassen, zeigen die Untersuchungen in den Ozeanen und in den Kadavern von Walen, Delphinen und Fischen. Die geplante Verordnung löst nicht das grundsätzliche Problem der Wegwerfgesellschaft. Wir müssen unbedingt gegensteuern.

Ist Frankfurt da schon weiter?
Wir werben seit vielen Jahren für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Seit fast einem Jahr konzentrieren wir uns mit der Sauberkeitskampagne #cleanffm zudem auf den verantwortungsvollen Umgang mit dem öffentlichen Raum. Dazu gehört nicht nur, Plastik in Mülleimer zu werfen statt in die Landschaft – dazu gehört auch entscheidend, Plastik zu vermeiden, wo es möglich ist.

Der Effekt ist noch nicht sehr deutlich zu sehen. An Wochenenden sammeln sich Müllberge auf den Grillplätzen in der Stadt, darunter jede Menge Plastik.
Der Effekt ist in Teilbereichen zu erkennen. Wir merken, dass sich die Frankfurter und Frankfurterinnen stärker mit dem Thema Müll auseinandersetzen. Das ändert aber noch nichts an unserem Grundproblem: Wir haben zu viel Verpackungsmüll. Dass sich an Wochenenden wahre Müllberge auf den Grillplätzen in der Stadt sammeln, das ist nicht nur ein Problem nach einem schönen Sonntag. Umsteuern braucht immer Zeit. Ich werde aber nicht müde, für ein sauberes und plastikfreies Frankfurt zu werben. Wir brauchen auch die Unterstützung der Geschäftsleute und ihrer Kundschaft. Das neue Angebot eines Mehrwegbechersystems auf der Berger Straße, das wir mit Unterstützung zweier Nachhaltigkeitsinitiativen eingeführt haben, sollte Schule machen.

Reicht das? Müssten Stadt und Land da nicht noch stärker mit Verboten arbeiten – oder mit Belohnung?
Bei Verboten bin ich grundsätzlich vorsichtig. Wenn Sie mich fragen: Ein Umdenken ist langfristig vermutlich nur über den Preis erreichbar. Das Beispiel der Plastiktüten hat gezeigt, dass der Verbrauch zurückgegangen ist, seitdem der Einzelhandel – zum Beispiel auf der gesamten Zeil – eine Gebühr eingeführt hat. Warum also nicht auch mit Lieferservices über ein Pfandsystem für Kartons und Verpackungen verhandeln? Eine Abgabe auf Plastik beispielsweise, die nicht direkt den Verbraucher belasten soll, könnte vielleicht helfen, das Müllchaos zu verringern. Bei bestimmten Verpackungsarten machen Abgaben durchaus Sinn.

Ein Plastikpfand? Was kann die Stadt eigentlich selbst verfügen? Dürfte Frankfurt von Rechts wegen sagen: ab sofort nur noch Mehrweg-Glasflaschen für Getränke?
Auf lokaler Ebene müssen wir vorrangig auf freiwillige Vereinbarungen setzen. Verbote, die an Stadtgrenzen enden, sind nicht nur rechtlich schwierig, sondern wären auch praktisch problematisch. Wir können schließlich am Mainufer zwischen Frankfurt und Offenbach kein Schild aufstellen: „Hier verlassen Sie den plastikfreien Sektor!“

Interview: Thomas Stillbauer

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