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Willy-Brandt-Platz Euro-Skulptur geht der Saft aus

Unbekannte beschädigen die Stromversorgung der Euro-Skulptur auf dem Willy-Brandt-Platz. Wegen Lebensgefahr durch offenliegende Stromkabel muss daraufhin der Strom abgeschaltet werden.

Der Euro solle bald wieder leuchten, teilt der Besitzer, das Kultur-Komitee, mit. Foto: rtr

Der Historiker hatte es kommen sehen. Manfred Pohl, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Kultur Komitees, erhielt schon in jüngster Zeit Briefe mit Beschimpfungen und Drohungen. „Es gibt immer mehr Euro-Gegner“, sagt der 71-Jährige, der über Jahrzehnte das Historische Institut der Deutschen Bank geführt hat.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schritten sie zur Tat: Unbekannte beschädigten den Kasten, durch den das Hauptstromkabel zur Euro-Skulptur am Willy-Brandt-Platz führt. Wegen Lebensgefahr durch offenliegende Starkstromkabel musste der Strom abgeschaltet werden. Seither leuchtet das Kunstwerk nicht mehr.

Das ist natürlich Futter für die Mediengesellschaft. Das Kultur Komitee, das Besitzer des Kunstwerks des Bildhauers Ottmar Hörl ist, kann sich seitdem vor Anfragen von Journalisten und Fernsehsendern nicht mehr retten. Wunderbare Schlagzeilen bekam der Honorarprofessor der Frankfurter Universität schon am Telefon zu hören. „Dem Euro gehen die Lichter aus.“ Selbst ein japanisches Fernsehteam kündigte sich an.

Riesen-Medien-Erfolg

Schließlich ist das Eurozeichen wahrscheinlich Deutschlands meistgezeigtes Kunstwerk. Täglich taucht es in den Fernsehnachrichten auf – meist, um irgendwelche düsteren Nachrichten über die zerfallende europäische Währungsunion zu illustrieren. Der Euro im Untergang und jetzt auch noch ohne Strom – wo soll das bloß enden? Pohl seufzt. Er ist ein überzeugter Anhänger Europas. Im Jahr 1998, als der Euro sich ankündigte, gründete er den Verein Europoint, um die neue Einheitswährung zu unterstützen. Europoint gab bei Künstler Hörl seinerzeit auch die Leuchtskulptur in Auftrag. Sie geriet zu einem Riesen-Medien-Erfolg. Europoint hatte auch die Idee, 1000 Euro-Noten von Künstlern und anderen Prominenten bemalen und dann zugunsten krebskranker Kinder versteigern zu lassen. 2008 gründete Pohl den wertkonservativen Frankfurter Zukunftsrat, dem später etwa der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement beitrat. Gerade hat Pohl unter dem Titel „Ein Gott, eine Währung“ ein „Frankfurter Zukunftsmanifest“ herausgegeben, Ergebnis einer mehrtägigen Zusammenkunft von Philosophen, Theologen, Medizinern in Frankfurt im Jahr 2014.

In der Streitschrift wird die „Jugend aller Länder“ aufgefordert, zu bekennen, „dass sie diese von Krisen und Kriegen zerrüttete Welt nicht will.“

Und in dieser Situation also attackieren Unbekannte die Stromversorgung für den Euro. Das Kultur Komitee hat Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung erstattet.

„Es war eine bewusste Tat“, urteilt der Historiker Pohl. Gerade erst war das in die Jahre gekommene Kunstwerk nach einer Spendensammlung für mehr als 60 000 Euro saniert worden. Auf etwa 3500 Euro beziffert Pohl den jetzt entstandenen Schaden. „Die Reparaturen werden so schnell wie möglich ausgeführt, so dass der Euro wieder mit all seinen Sternen hell erleuchtet wird“, teilt das Kultur Komitee mit.

Hätte die Europäische Zentralbank es nicht schnöde abgelehnt, den Euro zum neuen Domizil ins Ostend mitzunehmen, wäre vielleicht alles nicht geschehen.

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