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Wilhelm-Leuschner-Medaille Salomon Korn nimmt Ehrung trotz Boykott-Aufrufen an

Salomon Korn nimmt die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen an. Die Entscheidung fällt ihm nicht leicht. Mit ihm wird Roland Koch geehrt.

Auszeichnung
Zwei Seiten einer Medaille: Salomon Korn (l.) und Roland Koch (2.v.l.) im Jahr 2003. Foto: Petra Welzel

Er wägt seine Worte sorgfältig, wie stets in den zurückliegenden Jahrzehnten. Salomon Korn, seit 2003 Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, wird am 1. Dezember mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen ausgezeichnet. Eine verdiente Ehrung für den 74-jährigen Architekten, der sich seit Langem in der Erinnerungsarbeit engagiert und wie kaum ein anderer als Repräsentant für die Jüdischen Gemeinden steht. Das Problem, mit dem Korn umgehen muss, ist der zweite Mann, der geehrt werden soll: Roland Koch, der frühere hessische Ministerpräsident.

Der CDU-Politiker also, der 1999 Landesvorsitzender seiner Partei war, als illegale Spenden in beträchtlicher Höhe aufflogen. Sie waren als angebliche „jüdische Vermächtnisse“ getarnt worden. Koch wehrte damals alle Rücktrittsforderungen ab und zog sich darauf zurück, er habe von nichts gewusst.

Zu diesem Zeitpunkt war Koch schon zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden. Im Wahlkampf hatte er mit ausländerfeindlichen Ressentiments gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft für Migranten mobilisiert. Diese Kampagne wurde mutmaßlich auch aus den schwarzen Kassen bezahlt.

Salomon Korn weiß das alles nur zu gut. Und er seufzt im Gedanken an den 1. Dezember. „Ich bin hin- und hergerissen.“ Aber er wird den öffentlichen Aufrufen von SPD-Politikern und Linken, die Verleihung zu boykottieren, nicht Folge leisten. „Das könnte auch als eine Beleidigung des Andenkens von Wilhelm Leuschner gewertet werden.“ Jenes sozialdemokratischen Widerstandskämpfers also, der von den Nazis im Jahre 1944 hingerichtet worden war.

Für Versöhnung eingetreten

Korn, seit 1999 auch Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, will und kann die höchste Auszeichnung des Landes nicht zurückweisen. Sein ganzes Leben hat er der Versöhnung gewidmet. Nach seinem Konzept entstand seinerzeit das jüdische Gemeindezentrum in Frankfurt. Es stand als Symbol dafür, dass die Zeit, in der die Überlebenden des Holocaust in Deutschland auf gepackten Koffern saßen, jederzeit bereit zur erneuten Emigration, endgültig vorbei war.

In seiner Rede zur Eröffnung Zentrums 1986 sagte der Architekt: „Wer ein Haus baut, will bleiben, und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit.“ So hat er stets gehandelt. Als junge Mitglieder der Gemeinde 1987 dagegen protestierten, dass die Fundamente des jüdischen Gettos am Börneplatz mit einem Bürohaus der Stadtwerke überbaut werden sollten, riet Korn zur öffentlichen Mäßigung. Er suchte den Kompromiss – und nahm an der Besetzung des Bauplatzes nicht teil. Sein Sohn dagegen protestierte auf der Baustelle.

Korn hält sich denn auch mit öffentlicher Kritik an der Auszeichnung Roland Kochs zurück. „Das ist eine Entscheidung des Ministerpräsidenten, die er vertreten muss.“ Das ist ein typischer Satz Korns, der übersetzt heißt: Ich hätte diesen Beschluss nicht gefasst. Und die Sache mit den „jüdischen Vermächtnissen“? Korn wertet sie als „Fehler“. Und er fügt hinzu: „Es ist keine Frage, dass Roland Koch als Politiker nicht überall eine glückliche Hand hatte.“

Da ist es wieder: Das Bemühen von Salomon Korn, Brücken zu bauen und nicht abzubrechen. Deshalb würdigt er den CDU-Politiker trotz aller Kritik auch ausdrücklich: „Aus Sicht der Jüdischen Gemeinde hat er durchaus Verdienste.“ Roland Koch habe stets „Einsicht in unsere Argumente“ gezeigt, habe sich den Anliegen der Jüdischen Gemeinde „nie verweigert.“ Dennoch wird für Korn der Tag der Ehrung kein leichter sein. Auf seine Worte darf man gespannt sein.

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