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Wettbewerb Schüler setzen sich für Pressefreiheit ein

Mit Plakaten treten Schülerinnen und Schüler in Rhein-Main für die Meinungsfreiheit ein. Am Tag der Pressefreiheit werden die besten Motive auf dem Frankfurter Paulsplatz ausgezeichnet.

Wettbewerb
1. Preis, Klasse 8-10: Marija, Chiara, Taunusgymnasium Königstein. Foto: Stefanie Koesling

Martin Luther King ist auf dem Paulsplatz und Malala Yousafzai auch. Sophie Scholl, Deniz Yücel und Raif Badawi. Menschen also, die zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten der Welt für das Recht auf freie Meinungsäußerung eingetreten sind und dafür mit ihrer Freiheit, körperlichen Unversehrtheit oder gar mit ihrem Leben bezahlten. Am 3. Mai, dem internationalen Tag der Pressefreiheit, blicken sie von Plakatwänden an der Frankfurter Paulskirche, Symbol der 1848 errungenen Freiheitsrechte.

Die Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main, die Landeszentrale für politische Bildung und das Museum für Kommunikation haben Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren dazu aufgerufen, „Plakate für die Meinungsfreiheit“ zu kreiern - und rund 350 Jugendliche haben sich beteiligt. Manche ihrer 80 Entwürfe erinnern an die genannten Ikonen der Meinungsfreiheit oder Opfer von Zensur, andere greifen die Ästhetik von Instagram-Accounts, Social-Media-Hashtags oder die Namen und Gesichter von Hip-Hop- und Fußballstars auf. Vor allem aber räumen sie dem Wort, der oft dezidiert politischen Meinung Raum ein. „Leisten wir uns den Luxus 1 Meinung zu haben“ steht da, „Born to have a Voice“ oder „Meinungen dürfen nicht verhütet werden“.

„Ihr habt euch Fragen gestellt, eigene Anliegen und Meinungen formuliert. Kritisch, ernsthaft, aber auch mit Humor. Das Ergebnis ist schlicht und ergreifend beeindruckend“, lobte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) die zur Preisverleihung und Freiluft-Ausstellungseröffnung zahlreich angereisten Schulklassen. Mit Verweis auf ihre frühere Tätigkeit als FR-Redakteurin appellierte Hartwig zudem an die Jugendlichen, „den Journalismus wahrzunehmen und euch zu informieren“. Die Geschäftsführerin der Kulturregion, Sabine von Bebenburg, schloss daran die Hoffnung an, dass die Jugendlichen zum gegebenen Zeitpunkt auch ihr Wahlrecht wahrnehmen werden – „dass ihr ein Gefühl dafür bekommt, dass ihr eure Gegenwart und Zukunft, eure Heimat aktiv mitgestalten könnt“.

Felix Münch von der Landeszentrale zeichnete anschließend jene sechs Plakate mit Preisen aus, die in den Augen einer Jury den politischen Gestaltungswillen besonders eindrücklich demonstrierten. In der Kategorie der 11. und 12. Klassen konnte die Robert-Koch-Schule aus Offenbach gleich zweimal punkten. „Keine Meinung haben liegt im Trend. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass das nicht immer die beste Lösung ist“, sagte der 17-jährige Tayyab über den Siegerentwurf seiner Arbeitsgruppe, der ein Bild des Berliner Holocaust-Mahnmals mit dem Satz „Keine Meinung hat Folgen“ kombiniert. „Ein tiefgreifender Appell gegen Lethargie“, so die Jurymeinung. Und der 17-jährige Bruno, der sich zu dem durch zensierte Worte ins Gegenteil verkehrten Politslogan seines Plakats durch die Covergestaltung eines Roger-Waters-Albums inspirieren ließ, betonte, dass ihm und seinen Mitschülern wichtig gewesen sei, zu zeigen, dass politische Entscheidungen nie alternativlos sind.

Auch die 10. Klasse des Taunusgymnasiums Königstein konnte doppelt überzeugen – mit ihrem Siegermotiv „Schreib dich frei“ und mit dem auf selbstbestimmte Geschlechtsidentitäten verweisenden Motiv „My Body, My Gender, My Choice“, für das es einen Gestaltungssonderpreis gab. Ein Jury-Sonderpreis ging zudem an das Motiv „Warum schweigst du? Rede!“ der Max-Planck-Schule Rüsselsheim.

Für preiswürdig erachtete die Jury aber auch ein Motiv, das für Grenzen der Meinungsfreiheit eintritt: „Meinungsfreiheit ist kein Freifahrtsschein für Diskriminierung“, haben Schülerinnen und Schüler der Christian-Wirth-Schule Usingen auf ihr zweitplatziertes Plakat geschrieben und den Satz mit Hasskommentaren aus dem Internet gerahmt.

Denn, so findet die 16-jährige Marie: „Meinungsfreiheit muss auch Grenzen haben, sonst kann ja jeder andere wahllos verletzen und beleidigen.“

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